Vorläufig bis 2011 übernimmt „Ja! Natürlich“ als größte heimische Bio-Marke die Patenschaft für das Sortenarchiv der Arche Noah, der Gesellschaft zur Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt und ihrer Entwicklung.
Im Samen-Depot in Schiltern bei Langenlois (Niederösterreich) werden 6500 seltene Sorten von Gemüsepflanzen, Getreide, Kräutern und Wildstauden für die Nachwelt archiviert. Grund: Nur noch 30 von 7000 Nutzpflanzen ernähren heute die Menschheit. Damit sich diese Basis wieder vergrößert, hat sich die Arche Noah der Biodiversität verschrieben. „Du, Bauer, was ist denn das, eine Biodiversität?“, wird das „Ja! Natürlich“-Schweinderl da natürlich fragen.
Die Antwort: Biodiversität ist Vielfalt. Und die steckt in den Samen der Raritäten, deren Patenschaft sich die Bio-Marke jährlich 35.000 Euro kosten lässt.
„Den Großteil der hier archivierten Sorten machen die Bohnen aus“, berichtet Bernd Kajtna, zuständig für das Arche-Noah-Depot. 800 Bohnensorten aus aller Welt lagern luftdicht verschlossen in Glasflaschen, dazu als weitere „Hauptkategorien“ 500 Paradeisersorten, 300 Sorten Kohl und 200 Erbsensorten. Dunkel, kühl und trocken muss die Umgebung sein. Saatgut mit niedriger Keimfähigkeit kommt in den Gefrierschrank – nur so bleibt es langfristig haltbar.
„Das Saatgut wird an der Luft vorgetrocknet und dann mit einem auf Silikatbasis hergestellten Gel bedeckt, dessen Körner ihm die Restfeuchtigkeit entziehen“, berichtet Kajtna. Abgefüllt in Flaschen, wird die Keimfähigkeit der Proben Jahr für Jahr getestet.
Gut hundert Samen werden auf Filterpapier ausgelegt, dann der Keimerfolg beobachtet. Liegt er bei zehn Prozent oder darunter, bringt man die betreffenden Sorten in den Anbau. Zu sehen sind sie dann im Schaugarten Schiltern und im Vermehrungsgarten der Arche Noah auf dem Areal der Gartenbauschule Langenlois – jährlich 600 bis 800 Sorten.
Die Patenschaft der Bio-Marke „Ja! Natürlich“ der REWE-Group zielt auf Sorten ab, die man wieder in den Handel bringen kann. Über ihre Eignung entscheiden die Bio-Bauern, die mit den von Arche Noah bezogenen Samen experimentieren. Ihr Urteil und das der „Ja! Natürlich“-Experten entscheidet darüber, ob sie der Konsument demnächst in Merkur-Märkten oder bei Billa in den Regalen findet.
Es handelt sich um Sorten, die an regionale Verhältnisse angepasst sind: kaum geeignet für maschinelle Pflücke und Anbau in Großbetrieben, sondern Liebhaberpflanzen mit erlesenem Geschmack, ideal für den naturnahen Garten.
Die Schau der Raritäten
Vom höher gelegenen Pavillon aus hat man den besten Ausblick auf den Schaugarten der Arche Noah. Die von Buchshecken in Ordnung gebrachten Beete enthalten ein vielgestaltiges Ensemble. In diesem Garten Eden gedeiht die unaufdringliche Schönheit von Gewächsen, die Natur und behutsame Züchtung absichtslos hervorgebracht haben. Das Balsamkraut zum Beispiel mit seinen streng riechenden Pletschen (zwischen die Seiten eines Gebetbuchs geklemmt, diente so ein Blatt früher als Wachhalter bei der Messe). Der Grazer Krauthäuptelsalat hebt seine gelbgrünen, krausen Blätter, die Gelbe Riesenfleischtomate entwickelt die ersten dicken Früchte.
Der Silbermangold trägt schmelzweiße Lebenslust zur Schau. Kohlsorten wachsen unter einer Vliesabdeckung „in Quarantäne“, so lässt sich Sortenreinheit garantieren. In von Schnüren umfriedeten Beeten genießen alte Heilpflanzen Kost und Logis.
Für die Verkostung ist zur Feier der Patenschaft die Waldviertler Biobäuerin Helma Hamader zuständig. Einkorn-Risotto, Emmer-Reis in Weinblättern und Dinkel-Reisauflauf mit Speck werden kredenzt. Da könnte dem „Ja! Natürlich“-Schweinderl angst werden. Ist aber kein Grund dazu: Nach seinem Fernsehauftritt wird es nämlich nicht geschlachtet, sondern darf bis an sein Lebensende die Meriten seiner Werbeauftritte genießen.
Auskunft: Der Arche-Noah-Schaugarten in Schiltern ist bis 18. Oktober täglich ab 10 Uhr geöffnet (außer Montag). Eintritt: 6 Euro. Tel. 02734/8626. Der Mitgliedsbeitrag liegt bei 40 Euro im Jahr.