Lichtverschmutzung: Diese aus Satellitenaufnahmen zusammengesetzte Karte zeigt, wo es in Europa nachts besonders hell ist. Bild: METEOSAT
Mit Satellitenaufnahmen lässt sich heute zeigen, wo es auf der Erde nachts besonders hell ist. Zwei von drei Menschen leben in Regionen, die von Lichtverschmutzung betroffen sind. Jeder Fünfte kann die Milchstraße nicht sehen. Am dunkelsten ist es auf den Satellitenfotos noch in Zentralafrika, den Regenwaldgebieten Brasiliens und in Sibirien.
In langen Epochen der Menschheitsgeschichte hätte man sich unter „Lichtverschmutzung“ nichts vorstellen können. In Wien zum Beispiel lebten um 1800 rund 240.000 Menschen. Sie mussten nachts mit Kerzen, Öllampen, Fackeln und Laternen auskommen. Wenige Häuser hatten Gasbeleuchtung, auf öffentlichen Plätzen gab es noch keine Gaslampen. Aus einigen Kilometern Entfernung konnte man die Stadt wohl eher riechen als sehen.
Heute leben die meisten Menschen in übermäßig beleuchteten Städten. Europa ist die ganze Nacht hindurch in einen riesigen Lichtnebel getaucht. Auch in Japan und weiten Teilen der USA hat man nachts den Eindruck, als gäbe es keine Sterne mehr.
Wenn die Nacht zum Tag wird, hat das auch für die Natur schwerwiegende Folgen. Untersuchungen zeigen, dass Sing- und Meeresvögel von Suchscheinwerfern an Land oder von den Gasfackeln der Ölplattformen auf dem Meer regelrecht „eingefangen“ werden. Zu Tausenden kreisen sie um die Lichtquelle, bis sie schließlich abstürzen. Zugvögel prallen nachts an hell erleuchtete Hochhäuser. Die Nachtigall singt bei künstlichem Licht zu unnatürlichen Zeiten.
Als Gradmesser für die Lichtverschmutzung gilt die Sichtbarkeit des Sternbilds „Kleiner Wagen“ mit dem Polarstern. In Linz kann man laut Günther Wuchterl mit freiem Auge noch drei seiner sieben Sterne sehen, in Paris noch zwei. Der gebürtige Wiener hat einen Belichtungsmesser konstruiert, den man am Laptop anschließen kann. Himmelsbeobachter können ihre Daten (wieviele Sterne des Kleinen Wagens sehe ich etc.) damit in ein weltweites Messnetz eintragen. (www.sternhell.astronomy2009.at).
Die nächtlichen Lichtglocken über den Städten entstehen durch die Streuung des Lichts in den unteren Schichten der Atmosphäre und haben zur Folge, dass bis zu 90 Prozent der Sterne unsichtbar werden. Das macht es fast unmöglich, astronomische Beobachtungen durchzuführen oder Forschung zu betreiben. Nach Angaben Wuchterls ist es beispielsweise noch 170 Kilometer außerhalb von Paris zu hell für astronomische Beobachtungen. In den meisten Gebieten Österreichs sind noch 450 von ca. 6000 Sternen sichtbar. Fast überall in Mitteleuropa ist mindestens eine Stadt nahe genug, deren Lichtglocke zu Beobachtungsproblemen führt.
Dabei entfaltet sich über den Lichtkegeln der Städte die Pracht des Kosmos mit Planeten und Galaxien als Lichtpunkten in einer unendlichen Finsternis. Bei völliger Dunkelheit würde das Licht der Venus ausreichen, um einen Schatten auf die Erde zu werfen.