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„Er ging immer bis zur letzten Konsequenz“

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In Weil am Rhein wurde Kepler am 27.12.1571 geboren.  Bild: Spektrum d. W.

„Der Kriegszug gegen den Mars“ lautete der Titel des Kepler-Vortrags von Erich Meyer im Wissensturm der VHS Linz. Im OÖN-Gespräch zeichnet er ein facettenreiches Bild des großen Astronomen.

OÖN: Wie war Kepler als Mensch?

Erich Meyer: Äußerlich war er von kleiner Statur und litt an Kurzsichtigkeit. Als Mensch war er ein lauterer, bescheidener Charakter, gönnte sich höchstens ab und zu ein gutes Tröpfchen Wein. Anders als Galilei hat er sich nie mit fremden Lorbeeren geschmückt. Besonders glücklich waren die zwölf Jahre, die er mit seiner Familie in Linz gelebt hat.

OÖN: War er ein Workaholic?

Meyer: Seinem Naturell entsprach, dass er sich mit einem Thema bis zur letzten Konsequenz befasste. Ein Umkehren auf halbem Weg gab es für ihn nicht. Er war ein liebevoller Familienvater, aber als in Linz sein Sohn Friedrich geboren wurde, schimpfte er darüber, dass „16 Weiber“ um das Wochenbett seiner Frau herumstanden, die er bewirten musste. Und er bedauerte, dass ihn das vom Rechnen abgehalten habe.

OÖN: Welche praktische Bedeutung kommt seinen drei Gesetzen heute zu?

Meyer: Praktische Bedeutung hat heute vor allem das Gesetz von den Umlaufzeiten. Es ist die Basis für die modernen Satelliten. Mit ihm lassen sich exakt die Umlaufbahnen berechnen, die Satelliten um die Erde beschreiben sollen. So kann man sie in die richtige Position bringen. Ohne dieses Gesetz hätten wir weder Satellitenfernsehen noch GPS.

OÖN: Würden Sie heute Kepler gegenüberstehen, was würden Sie ihn fragen?

Meyer: Ich würde ihn fragen, wie weit er mit unseren heutigen Computern gekommen wäre. Er hat ja oft über das „stupide Rechnen“ geklagt, das ihm so viel Lebenszeit stehle. Er musste durchwegs mit sechsstelligen Zahlen rechnen, weil Tycho Brahes Beobachtungsdaten so ungemein exakt waren. Und das alles im Kopf, ohne Rechenhilfe!

OÖN: Warum ließ ihn die Kirche im Unterschied zu Galilei unbehelligt?

Meyer: Weil sie ohnehin davon ausging, dass ihm seine Theorien niemand glauben würde. Kepler war kein Star, seine in Latein verfasste „Astronomia nova“, die er auf der Frankfurter Frühjahrsmesse 1609 veröffentlichte, hatte 560 Seiten und war so kompliziert, dass sie kaum jemand verstanden hat. Nicht einmal Galileo Galilei hat ihn ernst genommen.

Vortrag: „Newton und sein Gravitationsgesetz“ von Erich Meyer, VHS-Wissensturm Linz, 3. Februar, 19 Uhr.
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