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Vom heiklen Umgang mit dem Thema Krankheit in der Politik

Elisabeth Feichtinger

Vom heiklen Umgang mit dem Thema Krankheit in der Politik

ALTMÜNSTER. Anonyme Vorwürfe gegen Bürgermeisterin Feichtinger: "zu krank" für eine Funktion

Von Barbara Eidenberger, 10. Oktober 2017 - 00:04 Uhr
Österreich wählt
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Ein anonymes E-Mail an die Bundespartei brachte schließlich das Fass zum Überlaufen. Der Inhalt des Schreibens: Elisabeth Feichtinger (SP) sei aufgrund ihrer schweren Erkrankung ungeeignet, ein Nationalratsmandat zu übernehmen. Noch dazu, wo sie doch ohnehin schon Bürgermeisterin von Altmünster sei. "Es reicht, ich habe eine Anzeige gegen unbekannt gemacht", sagt Feichtinger.

Denn dass ihre Epilepsie politisch zum Thema gemacht wird, geschieht nicht zum ersten Mal. "Auch im Bürgermeisterwahlkampf hieß es von meinen politischen Gegnern: So eine Kranke könnt’s doch nicht wählen", sagt die 30-Jährige. Damals ging sie nicht gegen die Vorwürfe vor: "Es wurde mir zugetragen und war eben Hörensagen." Nun geht es ihr darum, ein Zeichen zu setzen. Und auch darum, zu verstehen, was jemanden bewegt, so ein E-Mail zu schreiben: "Manche Menschen greifen wohl zu allen Mitteln." Auch die Bundespartei habe sich entsetzt gezeigt und sich hinter Feichtinger gestellt. Von ihrer Epilepsie hatte man nicht gewusst: "Ich habe meine Krankheit vorher nie thematisiert, weil es mir gut geht. Ich nehme Medikamente und habe keine Probleme."

Der Umgang mit Erkrankungen ist in der Politik kein einfacher, vor allem in Zeiten des Wahlkampfs. So beauftragte etwa Bruno Kreisky 1982 ein Gutachten über seinen Gesundheitszustand, da er befürchtete, dieser werde Thema in der Wahlauseinandersetzung. Da im Gutachten aber von "Gefahr der Überforderung des Herzens und eingeschränkter Nierenfunktion" die Rede war, veröffentlichte Kreisky das Papier nicht.

Auch Thomas Klestil erkrankte in seiner Amtszeit schwer. 1996 wurde bekannt, dass er im Krankenhaus wegen einer Lungenerkrankung behandelt werden musste. Nach zwei Wochen nahm er die Amtsgeschäfte wieder auf und führte sie einen Monat lang vom Krankenzimmer aus. Ähnlich offen ging auch Landesrat Rudi Anschober mit seinem Burn-out um. Er zog sich 2013 für mehrere Wochen aus der Politik zurück, der Grund wurde von Anfang an offen kommuniziert. Ebenso die Lehren daraus: "Ich achte darauf, meine Batterien gut aufzuladen."

Krankheit als Gerücht

Krankheiten als Symbol von Schwäche – das wird oft auch sehr bewusst vom politischen Gegner genutzt. So hieß es zum Beispiel über Alexander Van der Bellen im Bundespräsidentenwahlkampf 2016, er leide an Lungenkrebs. Diese Gerüchte hielten sich so hartnäckig, dass Van der Bellen schließlich dementierte: "Meine schwerste Krankheit ist, dass ich seit meiner Kindheit kurzsichtig bin."

Feichtinger ist nun bewusst in die Offensive gegangen: "Man muss sich nicht alles gefallen lassen. Und ich will zeigen, dass eine chronische Erkrankung kein Hindernis sein muss, seine Ziele zu erreichen."

 

Krankheit in der Politik

Alois Mock: Am Wahlabend 1986 fiel auf, dass es dem damaligen ÖVP-Vorsitzenden nicht gut ging. Bis seine Krankheit öffentlich gemacht wurde, dauerte es aber noch Jahre. Trotz der Parkinson-Erkrankung war Mock bis 1995 Außenminister.

Bruno Kreisky: Seinen letzten Wahlkampf bestritt Kreisky bereits gesundheitlich schwer gezeichnet. Schon lange hatte er mit Nierenproblemen zu kämpfen. Nach seinem Rückzug 1983 unterzog er sich einer Transplantation.

Erwin Pröll: 2013 hatte der niederösterreichische Landeshauptmann eine verengte Halsschlagader – und einen Wahlkampf zu bestreiten. Die notwendige Operation wurde verschoben, bis nach der Wahl.

Sabine Oberhauser: Sehr offen ging die Gesundheitsministerin mit ihrer Krebserkrankung um, hatte auch keine Scheu, mit kahlem Kopf aufzutreten. Im Februar 2017 verlor sie den Kampf gegen ihre Krankheit, wie auch ihre Parteikollegin Barbara Prammer im Jahr 2014.

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Kommentare

„In Altmünster scheint es Normalität zu werden, Personen in Führungspositionen so krank zu reden ...“ Zaungast11 In Altmünster scheint es Normalität zu ...
„Alles wird "schmutziger" und es wird nur mehr unter der Gürtelline und mit unfairen Methoden ...“ kleinerdrache Alles wird "schmutziger" und es wird nur...
„Menschen im Rampenlicht geben sich immer sportlich gesund agil sonst sind sie weg vom Fenster “ Gugelbua Menschen im Rampenlicht geben sich immer...

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