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Letzte Zweier-Konfrontation vor der Wahl: Christian Kern und Sebastian Kurz im TV-Duell   Bild: (APA/GEORG HOCHMUTH)

"Sie haben das gesamte FPÖ-Programm abgeschrieben"

TV-Duell Christian Kern gegen Sebastian Kurz: Kompromisslos ging es gestern in der letzten Zweier-Konfrontation im ORF zu. Der Kanzler war bemüht, in die Offensive zu gehen.

Von Heinz Steinbock, 11. Oktober 2017 - 21:48 Uhr
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Die Fans waren auch am Mittwochabend aufmarschiert. Rote Luftballons auf der einen, türkise auf der anderen Seite dominierten die Szene vor dem ORF-Zentrum, bevor die beiden Parteichefs zur von Claudia Reiterer moderierten Zweierkonfrontation eintrafen.

Drei Tage zuvor, in ihrem Aufeinandertreffen auf "Puls 4", hatten sich Kern und Kurz schon nichts geschenkt, der SP-Chef agierte gegenüber seinem VP-Kontrahenten ungewohnt angriffig. Kompromisslos ging es auch in dieser Diskussion zu, wobei insbesondere Kern bemüht war, in die Offensive zu gehen.

Migrationspolitik, Wirtschaft, Steuerpolitik: die programmatischen Leitlinien waren abgesteckt, aber auch in diesem 50-minütigen Schlagabtausch wurden die Differenzen deutlich.

"Man muss den Mut zu Veränderung haben, das ist das Entscheidende", sagt Kurz zu Beginn zu Reiteres Frage: Was mache einen künftigen Kanzler aus. "Wir sind uns alle bewusst, dass einer von uns beiden Kanzler sein wird", gab sich Kern von einem Zweikampf am Wahltag überzeugt. Und begann mit der ersten Spitze gegen Kurz: Er, Kern, sei durch die Ära Kreisky geprägt worden, Kurz durch die Politik Wolfgang Schüssels. "Sie wollen mich in ein Eck rücken, in dem ich nicht bin", ärgerte sich Kurz über den "Versuch" ihn als "Vertreter der Reichen" darzustellen.

  • Video: Was zeichnet einen Kanzler aus?

Kurz habe das Programm der FPÖ kopiert, hielt ihm Kern dann vor. Über weite Strecken drehte sich die Auseinandersetzung um die heute noch im Nationalrat geplanten Gesetzesanträge. Kern forderte Kurz auf, für die Angleichung der Rechte von Arbeitern und Angestellten zu stimmen, das stehe ja im VP-Programm. Von "Polit-Inszenierungen wenige Tage vor der Wahl" halte er nichts, so Kurz. Ähnlich beim Unterhaltsvorschuss, für den es SP- und VP-Anträge gibt: "Mir geht es um 40.000 Alleinerzieherinnen" sagte Kern. So, wie es die SPÖ plane, würden "Hunderte Millionen Euro ins Ausland" gehen, so Kurz.

Die "Affäre Silberstein" blieb, bis auf ein kurzes Geplänkel, diesmal ausgespart: "Silberstein sitzt im Gefängnis, aber das Dirty Campaigning geht weiter", replizierte Kurz, nachdem ihm Kern Großspender und deren Steuerzahlungen (gemeint: Stefan Pierer) vorgehalten hatte.

Wäre eine Neuauflage der Koalition trotz allem vorstellbar, wollte Reiterer am Ende wissen. Die Antworten blieben vage. Er wolle, werde er Erster, mit allem Parteien reden, sagte Kurz. Und Kern: "In der Politik geht es nicht um eine Liebesheirat".

  • Video: Duell zwischen Kern (SPÖ) und Kurz (ÖVP)

  • Video: Politologe Peter Filzmaier und ORF-Journalistin Ulla Kramar-Schmid analysieren das TV-Duell zwischen Bundeskanzler Kern (SPÖ) und Außenminister Kurz (ÖVP) und machen einen Faktencheck.

Quoten, Erklärungen und Zerwürfnisse

Den Quotenrekord bei den TV-Duellen stellte bisher die Konfrontation zwischen Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache im ORF am Montag auf. Bis zu 1,061 Millionen Politikinteressierte verfolgten das schwarz-blaue Wortgefecht. Eine Quoten-Information über das Duell Kern gegen Kurz lag zu Redaktionsschluss noch nicht vor. Heute beschließt die "Elefantenrunde" die TV-Konfrontationen.

Die heutige, letzte Sitzung des Nationalrats vor der Wahl will Kern noch als Wahlkampfbühne nützen. In seiner Funktion als Kanzler hat er eine Erklärung mit dem Titel „Verantwortung für Österreich“ angekündigt, an die sich eine Debatte anschließen wird. Die FPÖ erwäge einen Misstrauensantrag, so die Reaktion von FP-Generalsekretär Herbert Kickl.

Der Wahlkampf zwischen SPÖ und ÖVP wurde in den vergangenen Wochen zusehends härter. Doch nicht erst seit der "Affäre Silberstein" und (gegenseitigen) Dirty-Campaigning-Vorwürfen ist das Verhältnis zwischen den (Noch-)Koalitionspartnern zerrüttet. An eine Neuauflage der Koalition nach der Wahl denkt kaum noch ein politischer Beobachter.

Für beide ist es die erste Wahl als Kanzlerkandidat. Christian Kern, zuvor ÖBB-Chef, löste im Mai 2016 Werner Faymann als Bundeskanzler ab, im Juni als SP-Chef. Sebastian Kurz, seit 1. Juli VP-Bundesobmann, ist seit 2013 Außenminister.

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Kommentare

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