Nationalratswahl 2017

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"Ich sage: Dieser Mann hat schon was drauf"

Norbert Hofer (FP): "Ich will es wissen." 2022 tritt er wieder bei der Hofburg-Wahl an. Bild: Alexander Schwarzl

"Ich sage: Dieser Mann hat schon was drauf"

FPÖ-Vizechef Norbert Hofer will eine Koalition, die zehn Jahre hält. Die FPÖ sieht er in einer angenehmen Position, sagt er im Interview mit Wolfgang Braun.

30. September 2017 - 00:05 Uhr
Österreich wählt
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OÖNachrichten: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und FPÖ- Generalsekretär Herbert Kickl klagen ÖVP-Chef Sebastian Kurz wegen der an die Öffentlichkeit gespielten Strategiepapiere zur Übernahme der ÖVP-Spitze. Muss das wirklich sein?

Norbert Hofer: Kurz meinte offenbar, Strache oder Kickl haben sein Konzept verändert. Es dürfte ihnen wichtig sein, zu beweisen, dass das nicht stimmt. Man muss in der Politik aber so professionell sein, dass man eine Klage aushält.

Sonst deutet vieles darauf hin, dass sich ÖVP und FPÖ annähern – oder täuscht der Eindruck?

Das ist kein Wunder, denn große Teile unseres Programms wurden von der ÖVP als Wahlprogramm übernommen. Aber abzeichnen tut sich noch gar nichts. Man hat in Deutschland gesehen, dass man sich auf Umfragen nicht wirklich verlassen kann. Es wird mit der ÖVP einfacher sein, sich auf Inhalte zu einigen – aber nicht überall: Das Aus der Pflichtmitgliedschaft bei der Wirtschaftskammer will auch die ÖVP nicht. Entscheidend ist: Die Koalition muss halten, es muss eine Vertrauensbasis da sein. Ein Veränderungsprojekt funktioniert nur auf diese Weise und mit dem Willen, zwei Perioden – das heißt zehn Jahre – zusammenzuarbeiten. Was gemacht werden muss, schafft man nicht in einer Periode.

Ist es für Sie eine Genugtuung, dass die FPÖ nach der Wahl in einer Schlüsselrolle sein wird?

Unsere Position ist sicher angenehm, selbst wenn wir nicht in eine Regierung kommen sollten. Denn wenn Rot und Schwarz wieder zusammengehen, prophezeie ich, dass wir einige Landeshauptmann-Sessel erobern werden.

Mitunter heißt es, Sie selbst wären einem rot-blauen Pakt gar nicht abgeneigt...

Vielleicht, weil ich Burgenländer bin. Im Ernst: Ich halte es für wahrscheinlicher, dass die SPÖ wieder eine Koalition mit der ÖVP anstrebt. Wie sollte denn die Wiener SPÖ eine Koalition mit uns aushalten? Und das Zweite ist, dass die SPÖ so schwächelt. Stellen Sie sich vor, die werden Dritter. Glauben Sie, dass die SPÖ einen Freiheitlichen zum Kanzler machen würde? Ich nicht.

Sind die schmerzhaften Erfahrungen aus der Zeit der schwarz-blauen Koalition verarbeitet?

Die Probleme hatten mehrere Ursachen. Aber das ist längst vorbei.

Auch, dass ÖVP-Chef Kurz der FPÖ das Sicherheitsthema abspenstig macht, schmerzt nicht?

Zwischen dem Partei- und dem Wahlprogramm der ÖVP bestehen große Differenzen: Im Parteiprogramm steht immer noch, dass Österreich ein Asylland ist. Wenn man solche Hoffnungen wie Kurz weckt, muss man liefern – sonst kommt nach der Täuschung die Enttäuschung. Die Kraft, die den Wandel garantiert, kann nur die FPÖ sein. Wir wollen die Steuern- und Abgabenquote senken und durch Unterstützung der Wirtschaft Arbeitsplätze schaffen. Außerdem wollen wir den Rechnungshof stärker in die Gesetzgebung einbauen. Und Gesetze sollten nach einer Phase auf Wirksamkeit überprüft und verbessert oder abgeschafft werden.

Gibt es schon blaue Vorstellungen für die Ministerliste?

Unsere Kernbereiche sind bekannt: Sicherheit, Verteidigung, Infrastruktur. Aber das kommt auf die Verhandlungen an. Ich glaube generell, dass die Regierung weniger Minister haben sollte und dafür mehr Staatssekretäre.

Was würde Sie reizen?

Außenpolitik ist sehr interessant.

Gehen Sie davon aus, dass die Grenzkontrollen innerhalb der EU-Schengen-Länder bald eingestellt werden können?

Ich glaube es nicht. Wir haben eine Erleichterung, weil Libyen Maßnahmen gesetzt hat. Aber es wird einige Zeit dauern, bis die Schengen-Außengrenze wieder gesichert ist, da dürfen wir auch die Länder an dieser Außengrenze nicht alleine lassen. Es geht nicht um ein hermetisches Abriegeln, sondern um die Kontrolle, wer zu uns kommt.

Wird Heinz-Christian Strache FPÖ-Chef bleiben – unabhängig vom Wahlergebnis?

Ich habe ja eineinhalb Jahre erlebt, was Wahlkampf bedeutet. Und Heinz-Christian Strache macht das seit zwölf Jahren. Ich sage: Dieser Mann hat schon was drauf.

Sind Sie jetzt froh, dass Sie sich breitschlagen haben lassen, bei der Hofburg-Wahl anzutreten?

Ja, ich hätte mir nie gedacht, dass sich das so entwickelt. Was zäh war, waren die dauernden Wahlverschiebungen. Aber ich habe mir vorgenommen: Ich will es wissen. Ich trete 2022 noch einmal an.

FPÖ-Chef Strache hält einen blauen Sieg bei der Nationalratswahl für ein Wunder. Und Sie?

Ein Sieg ist in Reichweite. Es ist nicht einfach, aber es ist möglich.

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Kommentare

„Man soll nicht übersehen, dass die FPÖ eine fast "reine deutsch-nationale ...“ boris Man soll nicht übersehen, dass die FPÖ e...
„...wer soll langfristig eine Koalition mir der FPÖ aushalten? Die österr. “ 1949wien ...wer soll langfristig eine Koalition m...
„Das "Fiasko Schüssel" war das Werk des Busek.Der Busek hat bei der Wahl des VP-Vorsitzenden ...“ jago [b]Das "Fiasko Schüssel" war das Werk de...

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