Nationalratswahl 2017

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"Die kriegen ihren Hintern einfach nicht mehr aus dem Sessel"

Karin Doppelbauer (Neos): "Kurz malt das Haus türkis an, aber der Holzwurm bleibt trotzdem drinnen." Bild: Alexander Schwarzl

"Die kriegen ihren Hintern einfach nicht mehr aus dem Sessel"

LINZ. Karin Doppelbauer, Landes-Spitzenkandidatin der Neos, im Interview.

Von Wolfgang Braun, 03. Oktober 2017 - 00:04 Uhr
Österreich wählt
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"Riesigen Spaß" mache ihr der Wahlkampf, sagt Oberösterreichs Neos-Spitzenkandidatin Karin Doppelbauer im Interview mit den OÖNachrichten. Und einen Wunsch hat sie auch für die Wahl: "Mit zehn Prozent wäre vieles leichter."

 

OÖNachrichten: Sie sind seit wenigen Wochen Abgeordnete im Nationalrat, parallel dazu haben Sie eine Führungsfunktion beim Computerkonzern Dell. Haben Sie sich im Wahlkampf schon einmal gedacht: "Warum tu ich mir die Politik eigentlich an?"

Karin Doppelbauer: Das habe ich mir manchmal gedacht, bevor der Wahlkampf losgegangen ist. Da wusste ich, dass es sehr intensiv werden kann. Aber jetzt, wenn es gelingt, Menschen von den Neos zu überzeugen, das macht riesigen Spaß. Ich hätte mir das vor drei Monaten noch nicht gedacht.

Wie sind Sie selbst von den Neos überzeugt worden?

Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen – und meine Eltern wollten, dass ihre Töchter ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben führen können. Die Tür dazu war Bildung. Meine Eltern haben zu uns immer gesagt: Lernt was. Und so haben wir beide studiert. Bildung war seither immer ein Thema, das mich interessiert hat. Ich habe mich oft wahnsinnig geärgert, dass da bei uns so gar nichts weitergeht. Ein Land mit Kammern, Bünden und Gewerkschaften zu führen, das geht nicht, da kommt es zum Stillstand. Mein Chef bei Dell hat mich zu einer Runde politisch Interessierter mitgenommen, bei der auch Matthias Strolz dabei war. Aus dieser Runde gingen dann die Neos hervor. Ich bin also Gründungsmitglied.

Was müsste eine Bildungsreform denn beinhalten, damit sie vor Ihren Augen besteht?

Die Politik muss raus aus den Schulen. Die Landesschulräte in Bildungsdirektionen umzuwandeln, das ist doch nur ein Reförmchen. Die Landeshauptleute sichern sich weiter politischen Einfluss auf das Schulsystem. Wir brauchen dazu mehr Schulautonomie und mehr Unterstützung für Brennpunktschulen, weil es da mehr Sprachlehrer und Sozialarbeiter braucht. Und schließlich muss man auch Lehrer kündigen können. Es gibt diese paar Prozent Lehrer, die den Kindern nicht gut tun, die sind dann Wanderpokale, die von einer Schule zur nächsten geschickt werden. Lehrer ist der wichtigste Job im Land. Das Image der Lehrer muss verbessert werden, sie müssen mehr Geld bekommen, aber auch ein anderes Anforderungsprofil.

Bei den Neos gab es vor der Wahl einige Abgänge. Ist das schon Politikmüdigkeit nach so kurzer Zeit?

Natürlich sind es dicke Bretter, die man in der Politik bohren muss. Aber wir wollen das auch in Angriff nehmen und einige Jahre der Politik opfern. Dass das nicht immer nur schön ist, ist klar. Aber auch ich möchte das für mich so halten, dass ich danach wieder voll zurück in meinen Job gehe. Ich glaube, dass es niemandem gut tut, wenn er 30 Jahre im Parlament sitzt. Was ich bei diesen Leuten, die so lange dabei sind, erlebe, ist ein wahnsinniger Zynismus.

Glauben Sie, dass diese Mandatare, die Sie da ansprechen, anfangs nicht auch voller Idealismus begonnen haben?

Die Frage ist, wie lange kann man den Idealismus bewahren. Ich sehe einfach sehr viel Zynismus im Parlament. Auch die Machtspiele der Landeshauptleute sind da ein Teil davon, die haben so viele Deals am Laufen in ihrem Umfeld, da kann nichts mehr weitergehen. Und darum warten wir auch seit 30 Jahren auf eine Bildungs- oder Pensionsreform. Nehmen Sie als Beispiel die kalte Progression. Alle haben deren Abschaffung im Wahlprogramm. Aber als wir im Parlament den Antrag für die Abschaffung eingebracht haben – wer ist sitzen geblieben? Die SPÖ und die ÖVP. Die kriegen ihren Hintern einfach nicht mehr aus dem Sessel. Das wird sich mit Kurz nicht ändern.

ÖVP-Chef Sebastian Kurz kassiert für die ÖVP den Bonus des Neuen – tut das den Neos nicht besonders weh?

Er malt das Haus türkis an, aber der Holzwurm bleibt trotzdem drinnen.

Welche Konstellation wünschen Sie sich für die Neos nach der Wahl?

Etwas in einer Regierung umsetzen zu können, ist besser als Oppositionsarbeit. Der Hebel aus der Opposition heraus ist schwer. Wir haben trotzdem in der abgelaufenen Periode viel erreicht mit unseren fünf Prozent – aber mit zehn Prozent wäre es natürlich leichter.

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Kommentare

„> Etwas in einer Regierung umsetzen zu können, ist besser als Oppositionsarbeit. “ jago [i]> Etwas in einer Regierung umsetzen z...
„jaja, alles sehr nett und interessant, mich würde bloß interessieren was diese freundliche Dame ...“ Topsi jaja, alles sehr nett und interessant, m...
„Warum wohl wirbt die AK so gegen die NEOS? Weil die die PFLICHTMITGLIEDSCHAFT bei Arbeiter- UND ...“ Citoyen Warum wohl wirbt die AK so gegen die NEO...

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