ePaper  | iPad | 
Anmelden
 |  A A A

 
Donnerstag, 9. Februar 2012, 03:47 Uhr Linz  -9°C ·  Eferding  -14°C ·  mehr Wetter »
Startseite  > Politik  > Landespolitik

Hummer: „Ich bin für Chancen, nicht für Quoten“

LINZ. Doris Hummer, die im Herbst „quer“ in die Politik eingestiegen ist und für Bildung und Forschung zuständig ist, ist die erste Landesrätin der oberösterreichischen VP. Im OÖNachrichten-Interview spricht sie über Schule, Chancen und Mentoren.

OÖN: Sie kommen aus der Wirtschaft und sind im Herbst in die Politik eingestiegen. Hat die Politik Ihr Leben verändert?

Hummer: Grundlegend, ja, natürlich. Was sich nicht so verändert hat, ist das selbständige Arbeiten. Was mir Freude macht, ist, dass man Dinge auf den Weg bringen kann.

OÖN: Welche Dinge haben Sie auf den Weg gebracht?

Hummer: Einige, da ist einmal unser Zertifikat „OÖ Schule Innovativ“, wo bereits ein Drittel unserer Hauptschulen mitmacht. Beim Bildungskonto für Erwachsene haben wir es geschafft, die Auszahlungsfrist von sechs Monaten auf sechs Wochen zu verkürzen und die Kriterien zu verbessern. Mit Viktor Sigl habe ich ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm auf die Beine gebracht. Und in der Frauenpolitik setzen wir neue Impulse.

OÖN: Sind Sie für eine gemeinsame Schule bis 14, wo es auch schon VP-interne Diskussionen gibt?

Hummer: Fakt ist: Wir haben im ländlichen Bereich schon oft die Hauptschule als gemeinsame Schule. Ich glaube aber nicht, dass wir unser differenziertes Schulsystem über Bord werfen und ein neues System entwickeln müssen. Es geht darum, den Unterricht weiterzuentwickeln. Und da können wir in Oberösterreich selbst auch viel bewegen.

OÖN: Als vor kurzem Landesschulratspräsident Enzenhofer sagte, er könne sich eine gemeinsame Schule vorstellen, haben Sie ihm beigepflichtet und wurden am nächsten Tag vom Landeshauptmann korrigiert.

Hummer: Das war anders. Es hat von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl die Idee des Gymnasiums für alle gegeben. Ich habe gesagt, ich kann das nur so interpretieren, dass es die beste Schule für unsere Kinder geben soll, und dafür bin ich auch. Was Enzenhofer gesagt hat, kann ich dahingehend unterstreichen: Es heißt nicht, dass eine gemeinsame Schule eine schlechte Schule ist. Wir müssen aber auch sagen, was sie bedeutet: die Auflösung der Gymnasien, der Privatschulen, all dessen, was wir jetzt haben. Ich glaube nicht, dass wir das brauchen.

OÖN: Was braucht die Schule denn?

Hummer: Wir brauchen inhaltliche Schulentwicklung und auch mehr Autonomie. Wir brauchen auch ein bereinigendes System mit vernünftigen Ein- und Ausstiegsszenarien für Pädagogen. Dass, wenn ein Pädagoge am falschen Platz ist, er auch gehen kann und Perspektiven in einer anderen Berufslaufbahn hat. Wir brauchen ein neues einheitliches Dienstrecht, das ist es, was der Bund jetzt angehen müsste.

OÖN: Pädagogen am falschen Platz? Heißt das, dass man sich von Lehrern trennen können soll, die sich nicht bewähren?

Hummer: Richtig. Das gibt es zwar schon, aber es ist ein langwieriger Prozess. Auch die Lehrerausbildung sieht keine anderen Möglichkeiten vor, lässt keine anderen Berufsbilder zu, außer für ein paar ganz Mutige. Da braucht es gerade in der Ausbildung mehr Wahrheit: Ist jemand geeignet für diesen Beruf, aber auch das Angebot anderer Szenarien. Es muss nicht heißen: einmal Lehrer, immer Lehrer.

OÖN: Das dürfte die Lehrergewerkschaft anders sehen.

Hummer: Es bringt doch gar nichts, wenn sich herausstellt, dass einzelne schwarze Schafe dem Ruf der Berufsgruppe schaden. Das müsste auch im Interesse der Gewerkschaft sein.

OÖN: Sie sind für Bildung zuständig, aber man hat den Eindruck, dass sich Landeshauptmann Pühringer die Schul-Oberhoheit nicht nehmen lässt.

Hummer: Der Landeshauptmann ist ja auch gesetzlicher Präsident des Landesschulrats. Bildung ist eines der meistdiskutierten Themen. Natürlich ist es dann auch Chefsache, das finde ich auch gut so.

OÖN: Wissenschaftsministerin Karl hat für die Fachhochschulen und Universitäten Einsparungen angekündigt. Wie wirkt sich das auf Oberösterreich aus?

Hummer: Der Ausbaustopp bei den Fachhochschulen war abzusehen. Wir können in beiden Bereichen den Stand aufrechterhalten. Ich hoffe, dass sich bis 2013 die Budgetzahlen ändern. Natürlich ist es mittelfristig nicht vertretbar, dass in diesen Bereichen eingespart wird. Für uns ist der Ausbau der Uni und der Fachhochschulen wichtig.

OÖN: Ist vor diesem Hintergrund die Forderung nach einer eigenen Linzer Medizin-Uni überhaupt realistisch?

Hummer: Sie ist realistisch, weil es eine Sache ist, die neu ausverhandelt wird, jetzt gerade zwischen Ministerin Karl, Landeshauptmann Pühringer und Bürgermeister Dobusch. Und es wird ein Angebot für die Medizin-Uni gelegt. Wir sagen ja nicht, dass wir von heute auf morgen einen Campus aufbauen, sondern wir wollen jetzt einmal wegstarten, und das Land und die Stadt Linz würden auch entsprechend vorfinanzieren. Wir haben aber kein Interesse an einer Privatuniversität.

OÖN: Sind Sie als Frauenlandesrätin für Frauenquoten?

Hummer: Ich bin nicht für Quoten. Ich bin dafür, dass Frauen und Männer dieselben Chancen haben und dieselben Entscheidungen treffen können. Das hat wenger mit Quoten als mit Chancen zu tun. Wir müssen aufbrechen, dass Frauen oft die alleinige gesellschaftliche Verantwortung für Familie und Kinder übertragen wird. Wenn wir es schaffen, auch das Problem der Einkommensunterschiede zu lösen, wird es auch in vielen Bereichen, die großteils noch in Männerhand sind, wie Führungspositionen, Veränderungen geben.

OÖN: Sie sind die erste VP-Landesrätin. Hat sich die ÖVP nach dem Zugewinn des fünften Regierungssitzes selbst eine Quote gegeben?

Hummer: Wenn Sie das so sagen wollen, ja, ist das auch gut. Aber ich glaube nicht, dass sich die ÖVP eine Quote gegeben hat, sondern sie hat die klare Zielsetzung, dass sie auch Frauen in der Politik haben und sich gesellschaftspolitisch realistisch aufstellen will. Und dazu braucht sie Frauen in der Regierung und im Landtag.

OÖN: Der Landeshauptmann sagte, er habe Sie selbst als Landesrätin ausgesucht. Genießen Sie seine besondere Förderung?

Hummer: Es stimmt, dass er mich persönlich gefragt hat. Eine besondere Förderung? Ich habe keinen Vergleich. Wo ich sicher Förderung bekomme, ist, dass ich als Quereinsteigerin in die Politik Tipps und Ratschläge bekomme, aber nicht nur von ihm. Ich bekomme keine Vorschriften, ich bekomme Unterstützung, wo ich sie brauche. Und da zählt Josef Pühringer mit seiner Erfahrung sicher zum engsten Kreis. Es ist die beste Art Mentorenrolle, die man sich vorstellen kann. Aber es ist auf keinen Fall eine Bevormundung.

1
"Ich bin für Chancen" · von eulenauge (14386) · 22.08.2010 08:52 Uhr

Na dann sollte man ihr die Chance geben, wieder (mystery-)shoppen zu gehen.

(0)
2
Die ewige dumme Fragerei · von kleinemaus (1397) · 20.08.2010 12:19 Uhr

zur NS Geschichte ausschließlich an die FPÖ zeigt die permanente linke Gesinnungshetze der Gutmenschenmafia.
Auch das ist eine Form des Faschismus und zwar eine sehr gefährliche.

(0)
3
„Chancen ja, Quoten nein!“ · von herbertw (11922) · 20.08.2010 10:02 Uhr

Für diese Botschaft zolle ich Ihnen meinen Respekt.
-
Sie müssen nur aufpassen, liebe Frau Hummer, dass Ihre Aussage den Integritäts-Quercheck besteht.
-
Integrität bedeutet ja, dass Worte und Handeln nicht voneinander abweichen. Haben Sie sich schon einmal überlegt, weswegen Sie in die LAREG gekommen sind?
Ich meine damit die Motivation ihrer Mentoren, speziell Ihres Mentors.

(0)
Artikel 19. August 2010 - 00:04 Uhr
Von Heinz Steinbock
Bild vergrößern „Ich bin für Chancen, nicht für Quoten“

Doris Hummer: Erste VP-Landesrätin  Bild: VOLKER WEIHBOLD

Neuen Kommentar schreiben

Betreff / Kommentartitel
Kommentartext:

Sie dürfen noch Zeichen als Text schreiben

Bitte beachten Sie die Forumsregeln


  Für nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.

Um sich registrieren zu können müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.
Gewünschter Benutzername

Gewünschtes Passwort

Wiederholung Passwort

E-Mail

OÖNcard


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 1 + 2? : 


Meistgelesene Artikel   mehr »