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"Wir haben ein Bildungsproblem auf dem Land"

LINZ. Studie: Wie lange ein Kind im Kindergarten ist, hat Auswirkungen auf seine spätere Leistung.

Kinder auf dem Land gehen tendenziell weniger lange in den Kindergarten und sind zum Teil in Mathematik oder Englisch bis zu drei Jahren hinter ihren Alterskollegen aus der Stadt. Bild: Weihbold

Je länger ein Kind in den Kindergarten geht, desto besser.“ Und: „Deutsch-einsprachige Schüler in kleineren Gemeinden schneiden schlechter ab als jene in größeren.“ Das sind zwei der Ergebnisse einer umfangreichen Studie über die Langzeitwirkung der Elementarpädagogik, durchgeführt von Barbara Herzog-Punzenberger, Senior Scientist an der JKU Linz.


Dafür wurden die Daten der Bildungsstandardtests aller Schüler einer Schulstufe herangezogen, ergänzt um Erkenntnisse internationaler Studien. Dabei zeige sich, dass die Mär von der „guten Landschule“ nicht stimme, sagt Herzog-Punzenberger: „In Mathematik oder Englisch sind die österreichischen Kinder teilweise zwei bis drei Jahre hinter ihren Alterskollegen aus der Stadt. Wir haben ein Bildungsproblem auf dem Land“, sagt Herzog-Punzenberger.


Einer der Gründe: Kinder auf dem Land sind tendenziell weniger lange im Kindergarten. „Der Kindergarten ist extrem wichtig, weil er so viele Grundlagen bietet für den späteren Kompetenzaufbau“, erklärt die Bildungsforscherin. Weder dafür, noch in der kognitiven Entwicklung gebe es einen „Vorteil durch daheimbleiben“.
Entscheidend ist aber die Qualität der Kindergärten. Dafür gibt es mehrere Kriterien, sagt Herzog-Punzenberger: „Verbale Interaktion zwischen Betreuerin und Kind, ein Lehrplan, das Wissen um das Lernverhalten in den verschiedenen Altersstufen und Unterstützung der Eltern bei der Förderung der Kinder.“


Das genau diese Qualität durch die Einführung der Elterngebühren leiden könnte, befürchtet Susanne Pollinger, Geschäftsführerin der Kinderfreunde: „Die Gruppengrößen werden erhöht, die Arbeit für die Pädagoginnen verdichtet sich.“ In den Budgetbegleitgesetzen wurde beschlossen, die Zahl der Kinder pro Gruppe bei Bedarf und ohne vorherige Genehmigungspflicht durch das Land von 23 auf 25 zu erhöhen. „Für uns ist das ein Schock, dass es diesen Paradigmenwechsel vom Kindergarten als Bildungseinrichtung hin zu einer reinen Aufbewahrung gibt“, sagt Pollinger.


Diese Maßnahmen sieht auch Herzog-Punzenberger kritisch: „Es ist auch eine Frage, was man als Gesellschaft will. Will man höhere Geburtenraten? So sicher nicht, das zeigt der internationale Vergleich.“
Zu den bildungspolitischen Ankündigungen von Schwarz-Blau auf Bundesebene sagt sie: „Das ist reine Symbolpolitik. Sprachförderungsklassen gibt es schon seit Jahren.“ Die Wiedereinführung der Noten hält sie für „eine Rolle rückwärts“: „In eine Note fließen sehr viele verschiedene Kompetenzkriterien ein. Sie sind also weder vergleichbar, noch aussagekräftig.“

Zur Studie

Policy Briefs - Migration und Mehrsprachigkeit: Dreijähriges Projekt im Auftrag von Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung, ÖGB, Caritas, Rotes Kreuz und Samariterbund.

Durchgeführt von Barbara Herzog-Punzenberger, Senior Scientist und Leiterin des Arbeitsbereichs „Migration und Bildung“ an der Johannes-Kepler-Universität Linz.

 

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Artikel Von Barbara Eidenberger 01. Dezember 2017 - 14:11 Uhr
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