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Oberösterreichs Schüler: Gute Rechner, aber Aufholbedarf beim Lesen

LINZ. PISA-Test: Mathematik-Leistungen deutlich über OECD-Schnitt, große Lese-Risikogruppe:

PISA-Test

Bild: Weihbold

Es seien Ergebnisse, die ihn freuen, aber auch kein Anlass zum Jubeln: nüchtern beurteilte Bildungsreferent Thomas Stelzer (VP) die beim Bifie beauftragte Oberösterreich-Auswertung des PISA-Tests 2015 (2300 Schülerinnen und Schüler in 88 Schulen), die er gestern gemeinsam mit Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer präsentierte.

Denn gegenüber dem Österreich-Ergebnis (die OÖNachrichten berichteten) liegen Oberösterreichs Schüler zwar in allen drei Bereichen – Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen – vorne. Dennoch gebe es bei der Lesekompetenz zum Teil "ernüchternde" Ergebnisse, sagte Stelzer. Und auch in Oberösterreich erreichen Kinder mit Migrationshintergrund in Naturwissenschaften Schnitt um 72 Punkte schlechtere Werte. "Wir brauchen uns nicht einbilden, dass wir uns von allgemeinen Phänomenen abkoppeln können", interpretiert Stelzer. Die Ergebnisse müssten "Ansatzpunkt" für künftige bildungspolitische Maßnahmen sein.

Die Ergebnisse im Detail:

Top in Mathematik: Das erfreulichste Ergebnis aus oberösterreichischer Sicht. Oberösterreichs 15- bis 16-Jährige übertreffen auch den OECD-Schnitt um 17 Punkte und platzieren sich damit unter den "Top ten" der untersuchten Länder. "Oberösterreich liegt signifikant über allen Durchschnittswerten", sagt Simone Breit vom Bifie. Auch bei den Schülern mit "hoher Kompetenz" in Mathematik liegt Oberösterreich mit 15 Prozent im Vorderfeld. Die "Risikogruppe" mit geringer Kompetenz ist mit 20 Prozent signifikant geringer als in Gesamt-Österreich (22 Prozent) und als im OECD-Schnitt (23 Prozent).

Gut in Naturwissenschaften: Mit 503 Punkten liegen Oberösterreichs Schüler in den Naturwissenschaften ebenfalls signifikant besser als der Österreich- und der OECD-Schnitt. Neun Prozent in Oberösterreich weisen zudem in den Naturwissenschaften "hohe Kompetenz" auf, das unterscheidet sich nur unwesentlich vom Österreich-Schnitt. "Es gibt hohes Interesse, aber andererseits weniger Freude am Lernen in diesem Bereich", nennt Breit zudem ein Untersuchungsdetail.

Schwachpunkt Lesen: In der Lesekompetenz liegen Oberösterreichs 15- und 16-Jährige zwar ebenfalls über den Werten von Gesamt-Österreich – diese sind aber unterdurchschnittlich. Verglichen mit allen OECD-Staaten, liegen die oberösterreichischen Leistungen genau im Durchschnitt.

Lesen ist, wie im gesamten Bundesgebiet, auch in Oberösterreich ein Problembereich. Die Zahl der "Risikoschüler" ist auch hier überdurchschnittlich hoch. Nur acht Prozent gehören zur Spitzengruppe bei den Leseleistungen, in den Top-Leseländern Kanada und Finnland liegt dieser Anteil bei zwölf Prozent. Rund jeder Fünfte verlässt auch in Oberösterreich die Pflichtschule, ohne sinnerfassend lesen zu können.

Migranten schwächer: Oberösterreich kann sich nicht von den Bundes-Ergebnissen abkoppeln. In allen drei Bereichen schneiden Schüler mit Migrationshintergrund signifikant schlechter ab, in den "Risikogruppen" ist ihr Anteil rund 70 Prozent. "Von den getesteten 15-Jährigen mit Migrationshintergrund sprechen in Österreich 72 Prozent zu Hause überwiegend nicht die Unterrichtssprache", merkt Enzenhofer an.

Und auch in Oberösterreich zeigt sich ein Zusammenhang zwischen Elternbildung und Schülerleistung. Etwa bei den Naturwissenschaften sind in der "Spitzengruppe" Akademikerkinder mit 53 Prozent überproportional vertreten.

Mädchen und Burschen: In kaum einem anderen Land sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern so ausgeprägt wie in Österreich – das ist auch in Oberösterreich nicht anders. In Naturwissenschaften sind die Burschen im Schnitt um 19 Punkte besser als die Mädchen, in Mathematik um 22 Punkte. Umgekehrt beim Lesen: Die Leseleistungen der Mädchen in Oberösterreich sind um 25 Punkte besser. Letzteres entspricht internationalem Trend.

 

Ergebnisse PISA-Test (PDF):



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Artikel Heinz Steinbock 04. März 2017 - 00:04 Uhr
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