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Maria Buchmayr: "Persönlich bin ich von Pilz enttäuscht"

LINZ. Von den jüngsten Turbulenzen in ihrer Partei will sich Oberösterreichs Grünen-Landeschefin Maria Buchmayr nicht beirren lassen. Man werde eine "fulminante Wahlbewegung" hinlegen.

"Persönlich bin ich von Pilz enttäuscht. Ich hoffe, dass er sich noch besinnt"

Buchmayr: "Diese Chance muss man den Neuen jetzt geben – ich weiß, dass sie es gut machen werden." Bild: ALEXANDER SCHWARZL

OÖNachrichten: Vergangenen Dezember ist Alexander Van der Bellen in die Hofburg eingezogen, und die Grünen waren auf Wolke sieben. Jetzt nach der Listenwahl für die Nationalratswahl im Herbst sieht es aus, als stehe man vor einem Scherbenhaufen. Was ist da passiert?

Maria Buchmayr: 2016 war wirklich ein Jahr, in dem wir gezeigt haben, wie stark wir sein können und wie stark wir in der Lage sind zu mobilisieren. Es war ein unvergleichlicher Erfolg. Dann sind aber Dinge geschehen, die nicht vorhersehbar waren. Aber wir werden das aufarbeiten und in den nächsten Monaten zeigen, dass wir stark sind. Intern sind Motivation und Begeisterung da. Wir ziehen an einem Strang und werden eine fulminante Wahlbewegung hinlegen.

Dass die Grünen an einem Strang ziehen, das hört sich derzeit nicht so an, wenn man nach Aussagen von Langzeit-Abgeordneten wie Gabi Moser oder Wolfgang Pirklbauer geht. Von Peter Pilz ganz zu schweigen.

Unsere Kandidatenwahlen laufen basisdemokratisch ab, das finde ich auch gut so. Dass danach Enttäuschungen auftauchen, das wissen wir alle. Aber die Grundhaltung, an einem Strang zu ziehen, ist da. Gabi Moser ist eine Wahlkämpferin erster Klasse und wird ihr grünes Mandat auf der Landesliste gewinnen. Von uns wurde zuletzt immer wieder der Mut zu einem Generationswechsel gefordert. Der kommt nun Schritt für Schritt. Diese Chance muss man den Neuen jetzt geben. Ich weiß, dass sie es gut machen werden.

Peter Pilz will mit eigener Liste antreten. Sind Sie auf ihn böse?

Als Landessprecherin sage ich: Es ist seine Entscheidung, er erwägt ernsthaft, eine eigene Liste zu gründen. Wenn er das will, soll er es tun. Wir werden unseren Wahlkampf mit oder ohne Liste Pilz führen – und wir werden ihn gut führen. Ich verstehe auch nicht, warum er beim Bundeskongress nicht weiter kandidiert hat und nur um den vierten Listenplatz angetreten ist. Ich glaube, er wäre mit großer Mehrheit auf ein sicheres Mandat gewählt worden. Aber er hat den sechsten Listenplatz ausgeschlagen. Da sich jetzt hinzustellen und zu sagen, er sei abgewählt worden, verstehe ich nicht. Er wurde nicht auf den vierten Listenplatz gewählt, weil es die Sehnsucht nach Verjüngung bei den Grünen gibt. Persönlich bin ich von Pilz enttäuscht. Ich hoffe ja immer noch, dass er sich besinnt, er hat diese Partei immerhin mitgegründet und ist 31 Jahre lang für die Grünen im Parlament gesessen.

Pilz hat gesagt, nach seinem Rückzug habe es eine Austrittswelle bei den Grünen gegeben. Stimmt das?

Bundesweit gab es genau zehn Austritte. Ich denke, das rückt das Bild zurecht.

Alles läuft bei der Wahl auf einen Dreikampf um die Kanzlerschaft zwischen SPÖ, ÖVP und FPÖ hinaus. Wie wollen die Grünen da ihren Platz auf der Bühne behaupten?

Natürlich wird es eine schwierige Auseinandersetzung. Aber erstens sind wir die einzigen, die sich wirklich um Zukunftsthemen wie den Klimawandel annehmen. Und unsere Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek wird ein wohltuender Kontrast zu den anderen Spitzenkandidaten sein. Sie ist kompetent und nicht auf dem Selbstdarstellungstrip. Außerdem hat sie einen fundierten europapolitischen Hintergrund, und sie ist die einzige Frau, das ist auch nicht zu unterschätzen.

Wie ist die Stimmung bei den oberösterreichischen Grünen? Rudi Anschober ist Landesrat, Sie sind Parteichefin. Es heißt, auch hier läuft es nicht friktionsfrei. Kann sich auch in Oberösterreich am Generationswechsel ein Konflikt entzünden?

Wir arbeiten im Team professionell zusammen. Das ist ein großer Vorteil. Die Gefahr, dass sich Probleme aufbauen und zu groß werden, gibt es da nicht. Dazu sind wir auch zu sehr zusammengeschweißt. Jetzt müssen wir Schritt für Schritt schauen. Der nächste Schritt ist die Nationalratswahl im Herbst.

Und dann kommt die Landtagswahl 2021. Wird es vorher zum Generationswechsel kommen?

Wir werden garantiert rechtzeitig einen gemeinsamen Weg entwickeln, ohne Konflikte und Rundumschläge.


Video: ZIB-Beitrag

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Artikel Wolfgang Braun und Clemens Schuhmann 04. Juli 2017 - 00:04 Uhr
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