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"Ja, jetzt geht es mir wieder gut"

LINZ. Gottfried Hirz, Landtagsklubchef der oberösterreichischen Grünen, musste sich im Dezember einer Herzoperation unterziehen – heute kehrt er in den Landtag zurück.

"Ja, jetzt geht es mir wieder gut"

Gottfried Hirz ist nach einer Operation am Herzen wieder genesen. Bild: VOLKER WEIHBOLD

Die Niederlage der Grünen bei der Nationalratswahl war für Gottfried Hirz im Vorjahr das kleinere Übel. Er hatte im vergangenen Jahr eine schwere Herzoperation zu überstehen. Die Sehnen einer Herzklappe waren gerissen, die Herzleistung ließ dramatisch nach. Ständige Müdigkeit und rasche Atemnot plagten den grünen Landtagsklubchef. Die Diagnose lautete Herzklappen-Insuffizienz. Wenige Tage vor Weihnachten wurde er operiert.

Heute sitzt er wieder im Landtag. Die OÖNachrichten trafen ihn zum Interview.

 

OÖNachrichten: Sie sind vergangenes Jahr durch eine schwere Herzoperation plötzlich aus der Politik gerissen worden. Ab wann haben Sie gemerkt, dass Sie Probleme haben?

Gottfried Hirz: Ich hatte am 18. Dezember eine Operation an der Herzklappe, die unbedingt notwendig war. Ich habe im Jahr 2017 gemerkt, dass mir die körperliche Leistungsfähigkeit abhanden kommt, und das darauf zurückgeführt, dass ich zu wenig Sport treibe. Meinen Sommerurlaub wollte ich deshalb nutzen, um zu trainieren und wieder fit zu werden. Nachdem ich ein ganz guter Schwimmer bin, bin ich gleich am ersten freien Tag ins Bad. Das klassische langsame Brustschwimmen ist noch gegangen. Aber kaum bin ich auf Kraul bzw. auf Tempo gewechselt, habe ich keine Länge geschafft. Ich musste bei der Hälfte aufhören und habe am Beckenrand nach Luft gerungen. Da habe ich gewusst, mir fehlt etwas. Darauf bin ich zum Hausarzt, der mich zu einer kardiologischen Untersuchung geschickt hat. Mitte September hatte ich dann die Diagnose Herzklappen-Insuffizienz, und es begann die Vorbereitung auf die Operation.

Das relativiert so manchen Ärger in der Politik, oder?

Die Wertigkeiten verschieben sich. Natürlich steht in so einer Situation die Familie im Mittelpunkt. Ich habe mir in dieser Zeit auch meine Reden gut einteilen müssen, weil mir ganz einfach die Luft knapp geworden ist. Ich habe eine eigene Technik entwickelt. Ich glaube, es hat keiner bemerkt.

Wann haben Sie Ihre Parteikollegen informiert?

Nach der Nationalratswahl.

Warum hat es so lange gedauert bis zur Operation?

Vom zeitlichen Ablauf ist das ganz normal. Die Ärzte sagen, dass ich nicht herzkrank war, sondern ein technisches Problem hatte, das unbedingt gelöst werden musste. Andernfalls wären schwere Herzprobleme die Folge gewesen. Was ich betonen möchte, ist, dass meine schon bis dato hohe Achtung vor den Leistungen in unserem Gesundheitswesen noch einmal gestiegen ist – das gilt für alle, vom Hausarzt über das Spital bis hin zur Reha.

Sind Sie wieder ganz genesen?

Ja, jetzt geht es mir wieder gut. Ich arbeite noch an meiner Leistungsfähigkeit, aber das ist normal.

Woher kam dieses Problem?

Das kann keiner genau sagen. Es gibt die Vermutung, dass ich bei einer Verkühlung drübergearbeitet habe, sich deshalb die Sehnen entzündet haben und sich in Folge die Herzklappe nicht mehr richtig geschlossen hat.

Ist Ihnen die Politik in dieser Zeit irgendwann abgegangen?

Für mich war klar, jetzt tragen andere die Verantwortung. Ich habe nicht aus der Ferne gesagt, so und so muss das gemacht werden. Denn würde man das tun und die Entscheidungskompetenz nicht abgeben, dann bleibt der volle Stress bei einem selbst.

Hat sich Ihr Blick auf die Politik verändert?

Sicher, allein schon dadurch, dass man eine Zeit lang von außen auf den Betrieb schaut.

Es ist einiges passiert während dieser Wochen. Ex-Grünen-Chefin Eva Glawischnig ist beispielsweise zu Novomatic gewechselt – hat sich da Ihr Puls erhöht?

Das ist ihre persönliche Entscheidung. Ich maße mir nicht an, zu sagen, wo sie arbeiten soll und wo nicht. Aber dass ich enttäuscht war, ist keine Frage. Ich hätte das für mich ausgeschlossen.

Enttäuscht Sie auch, wie die Grünen derzeit dastehen?

Das Desaster der Nationalratswahl ist bei den Menschen noch präsent. Aber dort, wo ein pragmatischer Zugang herrscht, entlang der Westachse Tirol, Vorarlberg, Salzburg, Oberösterreich, ist die Lage sicher besser.

Haben Sie Wunschkandidaten für die grüne Bundesspitze?

Werner Kogler ist für diese Zeit der Richtige. Er hat sich in einem Interview als politisches Viech tituliert, und ich erlebe ihn auch so. Ich liebe seine erfrischende, direkte Art. Seine Aufgabe ist, den Neuaufbau zu managen, und dieser Neustart wird nur aus den Ländern heraus funktionieren.

Muss ein Neuaufbau auch in Oberösterreich passieren, oder wird Rudi Anschober 2021 noch einmal als Spitzenkandidat antreten?

Rudi Anschober ist immer eine Unterstützung, er arbeitet hervorragend und wird das diese Periode auch noch weiter machen. Wir haben keinen Stress, jetzt schon etwas zu entscheiden. Die Entscheidungen treffen wir Ende 2019, da sollte klar sein, wie es weitergeht.

Sie haben kürzlich Ihren 60er gefeiert. Wie lange wollen Sie noch in der Politik bleiben?

Die Grünen sind in einer Ausnahmesituation. Wir brauchen jetzt Stabilität, und ich halte den Landtagsklub für ein Zentrum dieser Stabilität. Ich arbeite daran, dass unsere Talente möglichst viele Chancen haben, sich zu positionieren. Ob ich am Ende noch dabei bin, halte ich für sekundär. Ich sage nicht, ohne mich kann es nicht gehen.

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Artikel Wolfgang Braun und Heinz Steinbock 12. April 2018 - 00:04 Uhr
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