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Die Kassen: Was sie leisten und kosten

LINZ. Der Streit um die AUVA ist nur der Auftakt für die wirklich heiße Reformdebatte um die Krankenkassen Wie effizient arbeiten die einzelnen Kassen? Ein Einblick in eine ziemlich komplexe Welt.

Gebietskrankenkasse: Seit Jahren Nettozahler

Kasse der Oberösterreicher Bild: Weihbold

Die Krankenkassen sollen effizienter und in großem Stil fusioniert werden: Mit diesem Reformplan hat die Bundesregierung viele Vertreter des komplexen österreichischen Sozialversicherungs-Systems in Aufruhr versetzt. Der Streit um die Unfallversicherung AUVA ist nur ein Vorgeschmack. Doch wie sind die Krankenkassen tatsächlich aufgestellt? Ein Überblick:

22 Träger: In Österreich gibt es 22 Sozialversicherungsträger. In den neun Gebietskrankenkassen (GKK) sind 6,83 Millionen Personen versichert. Dazu kommen sechs Betriebskrankenkassen mit 71.000 Versicherten und vier bundesweite Kassen (Beamte, Selbstständige, Bauern, Eisenbahn/Bergbau) mit 2,1 Millionen Versicherten. Weiters gibt es die Pensionsversicherungsanstalt, die AUVA und die kleine Versicherung der Notare. Die Regierung will nur noch fünf Träger.

Wirtschaftlichkeit: Bei den Sozialversicherungen der Bauern und Beamten ist der Verwaltungsaufwand pro Versichertem mehr als doppelt so hoch wie bei den GKK. Kleinere Träger haben tendenziell höhere Pro-Kopf-Kosten, weil ein Grundstock an Verwaltung immer notwendig ist. Positiv wirken sich Kostensenkungsprogramme etwa bei Medikamenten aus. Hier hilft es, wenn GKK und Ärzte an einem Strang ziehen, wie das in Oberösterreich mit dem so genannten Arzneimitteldialog der Fall ist: Im Zuge dieser Vereinbarung verschreiben die Ärzte mehr kostengünstige, aber wirkungsgleiche Generika. Das sind Medikamente, bei denen der Patentschutz abgelaufen ist. Im Jahr 2017 haben die GKK Oberösterreich, Salzburg und Burgenland positive Ergebnisse von je mehr als einer Million Euro erzielt, Wien war mit 34,5 Millionen Euro negativ, die anderen bilanzierten ausgeglichen. Bauern- und Selbstständigen-Versicherung haben zuletzt zwei Jahre in Folge einen klaren Gewinn erwirtschaftet, jene der Beamten deutliche Verluste.

Leistungen: Ob Rollstuhl, Zahnersatz oder Kuraufenthalt, in der Bevölkerung wird oft Kritik an unterschiedlichen Leistungen je nach Bundesland und Berufsgruppe laut. Innerhalb der GKK ist das aber nur noch marginal der Fall. Rund 98 Prozent der GKK-Leistungen wurden harmonisiert, viele davon 2017. Unterschiede gibt es dabei, wie straff die Kassen bei der Genehmigung von Leistungen vorgehen. Ein Beispiel sind die Kurbewilligungen: Hier musste etwa die Wiener GKK aufgrund ihrer angespannten Finanzlage rigoros bremsen, sie gab dafür 2016 nur noch 0,7 Euro pro Kopf aus. In Oberösterreichs GKK lag der Zuschuss bei 14,15 Euro. Zwischen den einzelnen Trägern, also Berufsgruppen, gibt es sehr wohl Leistungsunterschiede, vor allem auch bei den Selbstbehalten (siehe unten).



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Politischer Zwist: Vor allem die Fusion der GKK zu einer gesamtösterreichischen Krankenkasse erzürnt die Länder. Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer pocht darauf, dass Beitragshoheit, Planung und Rücklagen der OÖGKK im Land bleiben müssen. Die OÖGKK hat in den vergangenen Jahren positiv gewirtschaftet und war so als eine der wenigen Kassen in der Lage, die gesetzlich vorgeschriebenen Rücklagen zu bilden – derzeit rund 500 Millionen Euro.

Brisant ist auch, wie die Steuerung der Kassen künftig geregelt werden soll. Derzeit werden sie in Selbstverwaltung von den Sozialpartnern geführt. Im Vorstand der GKK beispielsweise stellen die Arbeitnehmer vier Fünftel und die Arbeitgeber ein Fünftel der Sitze. Laut Regierungsplänen soll das Verhältnis künftig ausgeglichen sein.

 

Zahlen und Fakten zu den Sozialversicherungsträgern, Leistungen und Beiträgen

  • Die Krankenkassen haben 2017 ein positives Ergebnis von insgesamt fünf Millionen Euro erzielt. Oberösterreichs GKK erwirtschaftete ein Plus von 1,2 Millionen Euro, die Wiener GKK ein Minus von 34,5 Millionen Euro. Bei den bundesweiten Kassen bilanzierte jene der Selbstständigen mit plus 24,6 Millionen Euro am besten, jene der Beamten mit minus 8,9 Millionen Euro am schlechtesten. Letztere hat aber hohe Rücklagen. Bedeutend ist auch, dass die Kassen einen Großteil der Spitalsfinanzierung (in Oberösterreich rund 40 Prozent) schultern.
  • Bei den Beitragszahlungen der Versicherten gibt es leichte Differenzen. Der Satz von 7,65 Prozent des Brutto-Einkommens bis zur Höchstbeitragsgrundlage gilt bei Arbeitern und Angestellten, Bauern und Selbstständigen. Einen etwas geringeren Satz haben mit 7,635 Prozent die Beamten. Bei Arbeitern und Angestellten wird gesplittet in Dienstnehmeranteil (3,87 Prozent) und Dienstgeberanteil (3,78 Prozent). Beamte: 4,1 Prozent Dienstnehmer, 3,535 Prozent Dienstgeber.
  • Bei den Selbstbehalten gibt es viele verschiedene Regeln: So zahlen Selbstständige beim Arztbesuch 20 Prozent, wobei dieser Selbstbehalt halbiert wird, wenn man bestimmte Gesundheitsziele erreicht. Bei den Beamten wurde der Selbstbehalt beim Arztbesuch im Jahr 2016 auf zehn Prozent halbiert. Die Eisenbahner zahlen derzeit sieben Prozent, und die Bauern haben eine Pauschale von 9,61 Euro pro Behandlungsfall und Quartal. Arbeiter und Angestellte zahlen beim Arztbesuch keinen Selbstbehalt.
  • Auch die Zuschüsse differieren je nach Berufsgruppe. Ein Beispiel: Die Versicherungsanstalt der öffentlich Bediensteten leistet unter bestimmten Umständen 40 Euro Zuschuss zu Psychotherapie-Stunden, die Sozialversicherung der Bauern 50 Euro, die Gebietskrankenkassen zahlen 21,80 Euro.

 

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Artikel Alexander Zens und Wolfgang Braun 14. April 2018 - 00:05 Uhr
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