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#stolzdrauf: Jetzt hagelt es Kritik

WIEN. Aufruhr in sozialen Netzwerken: Ein Sturm der Entrüstung braut sich über Sebastian Kurz' Integrationskampagne "Stolzdrauf" zusammen. Der Grund: Vor allem Andreas Gabalier.

Stolzdrauf gabalier

Bild: facebook

Von Kritik an Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) über zynische Kommentare bis hin zu wüsten Drohungen gegen Volks-Rock'n'Roller Andreas Gabalier: Nach einem holprigen Start am Montag droht die neue Integrationskampagne #stolzdrauf, die speziell auf soziale Netzwerke ausgerichtet ist, nun einen Shitstorm auszulösen. Österreicher und Österreicher mit Migartionshintergrund sollten in sozialen Netzwerken öffentlich machen, auf was sie besonders stolz sind. Die Aktion ist auf dem besten Weg, nach hinten loszugehen. 

Gabalier und Nationalstolz

Zwei Hauptkritikpunkte tragen dazu bei: Einerseits wird Andreas Gabaliers Rolle als Unterstützer kritisiert. Gabalier war der erste Prominente, den Sebastian Kurz dazu aufgerufen hat, sich zu beteiligen. Worauf Gabalier stolz ist: "dass es noch sooo viele Dirndln und Buam im Land gibt, die unsere Kultur und Tradition zeitgemäß leben und weitergeben, und hoffentlich noch lange im Trachtengewand außer Haus gehen".

 

 

Die Frage, ob Gabalier wirklich der richtige Botschafter für die Aktion ist, stellen sich viele Nutzer auf Facebook und Twitter: "Was soll der Schwachsinn, Gabalier in diese Kampagne zu integrieren? Hat der irgendwas mit Migration zu tun? Sein Statement zu der Kampagne zeigt, dass er nicht einmal verstanden hat, worum es dabei eigentlich geht!", schreibt einer. 

Als "volkstümlichen Abkassierer, der sich auf seinem Album-Cover zu einem Hakenkreuz verrenkt, in seinen Liedern die Achsenmächte bejubelt und mit seinem Sexismus die Ewiggestrigen hinter sich scharrt" bezeichnet etwa ein Nutzer den Musiker - Im Vergleich zu "Patrioten-Bauerntrampel-Hackfresse" oder "mieser dummer hirnloser Trachtenbua" noch eine recht nette Umschreibung. 

"Innen gaga?"

Außerdem stößt das Bejublen von Nationalstolz den Leuten übel auf. In diesem Kontext hat sich auch Schriftsteller Robert Menasse öffentlichkeitswirksam zu Wort gemeldet: "Wenn es um Integration geht: glauben Sie wirklich, Herr Kurz, dass Schunkeln mit Gabalier eine verführerische Einladung ist? Und sollte mich der Zufall, Österreicher zu sein, Bürger eines der reichsten Länder der Welt, nicht eher zu Empathie und Solidarität ermächtigen, als zu Stolz?" und "Ist 'außen Minister' ein Synonym für 'innen gaga'?"

 

 

Zitiert wird in dem Zusammenhang auch der Grazer Journalist und Autor Mathias Grilj: “Bei jedem kollektiven Stolz kann ich nur den Kopf schütteln. Stolz kann man nur auf Leistung sein. Herkunft ist Zufall. Aber wenn du es hinkriegst, dass es Menschen, die dir lieb sind, gut geht, Frau und Kind und Alten und den anderen, dann sei gern stolz darauf! [...] Aber auf Nationalität sind nur Versager stolz.” Oder in den Worten eines Facebooknutzers ausgedrückt: "Nationalstolz ist etwas für die Zu-kurz-Gekommenen, die auf nichts anderes stolz sein können. Damit zu werben, halte ich für trottelig."

Außerdem regen sich bereits Vermutungen, Kurz hätte Migranten dafür bezahlt, positive Tweets oder Facebook-Meldungen abzusetzen: 

 

Auch eine Facebook-Gruppe, die all das zusammenträgt, auf das man nicht stolz sein kann, wurde gegründet. Am Dienstagabend hatte die Gemeinschaft "Stolz drauf?" bereits nahezu 700 Gefällt-Mir-Angaben. "Glücklich darüber, dass wir hier leben - vielleicht. Stolz drauf - sicher nicht.", heißt es in der Gruppenbeschreibung. Auch Der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer bekam dort sein Fett ab. 

 

 

Satire-Nummer auf Twitter

Auf Twitter droht der Hashtag #stolzdrauf unterdessen zur Satire-Nummer zu verkommen. Während die einen zwitschern, auf vollkommen banale Dinge stolz zu sein, posten andere voller Zynismus genau jene Dinge, auf die man in Österreich eben nicht stolz sein kann. 

 

Zur Aktion:

"Stolzdrauf" ist eine Kampagne, die speziell auf die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter ausgerichtet ist. Auf Facebook läuft eine Nominierung nach dem Schneeballprinzip bei der man jeweils drei Freunde auffordert, es einem gleich zu tun und zu posten, auf was man in Österreich stolz ist. Außerdem steht eine App, die ein Foto in ein nostalgisches Bild mit Holzrahmen verwandelt, zum Download bereit. 

Auf Twitter und Facebook findet man alle Beiträge - ob seriös oder nicht - unter dem Hashtag #stolzdrauf. Dieser führt die Twitter-Trend-Charts seit Montagnachmittag an. 

Zusätzlich gibt es die Website stolzdrauf.at und einen Youtube-Kanal. 

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Artikel Judith Pointner 11. November 2014 - 17:32 Uhr
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