JA
Peter Schröcksnadel, Unternehmer, ÖSV-Präsident:
Politische Orden, die Leute dann automatisch bekommen, wenn sie eine gewisse Zeit in einer Funktion absitzen, brauchen wir sicher nicht. Auch das erreichte Alter sollte eigentlich nichts mit der Verleihung eines Ordens zu tun haben.
Aber eines ist klar: Anerkennung ist ein wesentlicher Punkt in unserem Leben – und viele Menschen bekommen davon zu wenig. So gesehen sind Orden richtig und wichtig, wenn man damit Menschen auszeichnet, die eine besondere Leistung erbracht haben.
Manfred Matzka, Kanzleramts-Sektionschef:
Auch wenn das Land genauso erfolgreich in die Zukunft gehen kann ohne Orden, würde ich sie nicht abschaffen: Das Gemeinwesen hat täglich Grund und Verpflichtung, seine erkennbare Wertschätzung zu zeigen – dem Feuerwehrmann, der Leben rettet, der weltberühmten Pianistin, dem international erfolgreichen Manager, der 35 Jahre präzise arbeitenden Kanzlistin, dem Lehrer, der jahrzehntelang die Kulturevents seiner Klein-stadt geprägt hat.
Die Republik gibt denen eh nicht so viel, dann wenigstens das. Als Dank und als Ansporn für andere.
Wolfgang Kronsteiner, Landesfeuerwehrkommandant:
Trotz aller kontroversen Zugänge haben Orden für die Feuerwehr eine große und wertvolle Bedeutung. Aus persönlicher Sicht sind sie ein Zeichen der Anerkennung und der Erinnerung. Ich denke da an meinen Vater, der Menschen mit den gleichen Orden, wie er sie trug, traf und sich mit ihnen an Katastrophen-Einsätze erinnerte. Wir haben derzeit auch nicht viele Mittel, um unseren engagierten freiwilligen Mitarbeitern Dankbarkeit zu zeigen. Orden sind aber nicht alles, es muss in Zukunft mehr Möglichkeiten zur Motivation und Anerkennung für Engagierte geben.
Eva Marckhgott, Studentin:
Prinzipiell finde ich es gut, dass es Mittel gibt, um Menschen auszuzeichnen, die sich ganz besonders um etwas verdient gemacht haben. Werden aber Personen ausgezeichnet, weil sie in irgendeiner Position ihre Jahre „abgesessen“ haben oder weil sie die richtigen Personen kennen, und nicht aufgrund besonderer Leistungen, finde ich das bedenklich. Denn es mindert die Bedeutung, die eine Orden-Verleihung haben könnte. Speziell im Fall Strache bin ich mir sicher, dass es tausende Österreicher gibt, die eher einen Orden verdient haben als er.
NEIN
Heinz Niederleitner, OÖNachrichten-Redakteur:
Ehrenzeichen und Orden gehören abgeschafft. Wer als Politiker oder Beamter im Dienst des Staates steht (und dafür bezahlt wird), sollte mit dem Wissen, seine Pflicht erfüllt zu haben, zufrieden sein. Wer herausragende Leistungen für das Gemeinwesen erbracht oder ein Menschenleben gerettet hat, wird besser dadurch geehrt, dass sein Name zum Beispiel auf Ehrentafeln öffentlich verewigt wird.
Künstlern und Wissenschaftern ist wiederum mit dotierten Preisen mehr geholfen als mit Orden: Die Preisgelder sind dann Grundlage für die Weiterführung ihrer Arbeit.
Marlene Rafbauer, Studentin:
Um diese Frage zu beantworten, bräuchte man eine klare Abgrenzung zwischen traditionellen Werten, die heutzutage kaum mehr von Bedeutung sind, und neuem fortschrittlichen Denken. Im Zeitgeist gedacht würde ich diese Orden als überholt bezeichnen – vor allem, wenn sich eine Ehrung nicht an Leistungen orientiert, die gesellschaftlich oder vielmehr sozial als relevant einzustufen sind. Wie zum Beispiel bei HC Strache. Ganz subjektiv betrachtet, finde ich, dass sich sein Verdienst sehr in Frage stellen lassen würde.
UNENTSCHIEDEN
Ernst Bruckmüller, Direktor an der Akademie der Wissenschaften:
Erstens gehören meines Erachtens besondere Leistungen sehr wohl ausgezeichnet, zum Beispiel im ökonomischen und wissenschaftlichen Bereich oder im Falle einer Lebensrettung.
Zweitens halte ich es aber für sinnlos, allein für das Erreichen einer bestimmten Position oder das Absitzen in einer Funktion Orden zu verleihen: Egal ob das jetzt Parlamentarier oder auch Professoren sind. Denn das Wort „Ordo“ bezeichnet ja eine Gruppe von Menschen, die etwas Besonderes geleistet oder einen besonderen Lebensstil gewählt haben.
Günther Lainer, Kabarettist:
Ja um Himmels willen warum denn? Was kann man gegen Jesuiten, Franziskaner, Dominikaner, Karmeliten, Augustiner, Benediktiner, Zisterzienser, Trappisten oder gegen Barmherzige Brüder wie Schwestern schon haben? Die tun doch niemandem was. Was ich nicht gewusst hab’, ist, dass sich die alle auf dem Opernball herumtreiben. Aber einmal im Jahr ein Festl, gut, von mir aus.
Roman Sandgruber, Historiker:
Ich bin nicht grundsätzlich gegen die Verleihung von Orden. Denn wenn solche Auszeichnungen für besondere Verdienste verliehen werden, haben Menschen eine verdiente Freude daran. Das gilt zum Beispiel für die vielen Menschen, die ehrenamtlich tätig sind, oder für Lebensretter.
Skeptisch bin ich jedoch, wenn sich jene, die als Politiker für den Staat arbeiten, die Orden praktisch gegenseitig verleihen. Es ist für mich zum Beispiel widersinnig, wenn ein Minister dafür einen Orden bekommt, weil er sein Amt über drei Jahre hindurch ausgeübt hat.
Thomas Frühberger, Polizeibeamter beim Landeskriminalamt:
Wenn ein Orden als Anerkennung für eine herausragende menschliche Leistung steht, wenn Alltagsmenschen für ihre Verdienste ins Rampenlicht geholt werden, halte ich Auszeichnungen sehr wohl für eine gute Sache. Derjenige freut sich im Stillen, dass sein Einsatz belohnt wurde. Wenn allerdings Politiker Orden nur für einen gewissen Zeitraum, den sie beispielsweise im Nationalrat abgesessen haben, bekommen, finde ich dies unnötig. Wenn diese Orden dann auch noch beim Opernball zur Schau gestellt werden, ist dies mehr als übertrieben.

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