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Wahltag: Nach dem Dreikampf um das Kanzleramt dreht sich das Jobkarussell

Kern/Kurz/Strache: Einer wird neuer Regierungschef. Aber was wird aus den Verlierern?

Wahltag: Nach dem Dreikampf um das Kanzleramt dreht sich das Jobkarussell

Der Wiener Rathausplatz: Perspektive für einen Sozialdemokraten Bild: APA/HERBERT P. OCZERET

Es kann nur einen geben – der Leitspruch aus dem Kinofilm "Der Highlander" wird auch die Spitzenkandidaten von SPÖ, ÖVP und FPÖ begleiten, die angesichts der Umfragenlage erstmals vor einer Nationalratswahl in einen Dreikampf um das Kanzleramt gehen. Klar ist, dass es damit nach dem 15. Oktober zwei Verlierer geben wird. Klar ist ebenso, dass niemand aus diesem Trio aus taktischer Logik gar öffentlich über Jobalternativen sinniert. Interessante Spekulationen und Hinweise kursieren dennoch in deren Parteien.

 

Christian Kern: Er werde, selbst wenn nach der Wahl der Weg in die Opposition führt, an der Spitze der SPÖ bleiben, versichert der Kanzler derzeit in Interviews. Zumindest in der Wiener SPÖ, in der der Simmeringer bestens verankert ist, hegt man weiterführende Pläne. Michael Häupl, der seinen Rückzug für die Zeit nach der Nationalratswahl in Aussicht gestellt hat, sucht nach wie vor einen Nachfolger als Bürgermeister, der nicht Michael Ludwig heißt.

Kommt im Bund Schwarz-Blau, hätte Wohnbaustadtrat Ludwig, der im Rathaus als FP-Verbinder gilt, plötzlich schlechte Karten, so das Kalkül im Häupl-Lager. Kern wäre (ein halbwegs erträgliches Nationalratswahl-Ergebnis vorausgesetzt) von den Ludwig-Anhängern kaum zu verhindern. Er könnte sich als Gegenspieler von Schwarz-Blau spätestens bei der Wien-Wahl 2020 profilieren. Mit der Option, nach drei Jahren gestärkt noch einmal im Bund gegen Sebastian Kurz um die Rückkehr ins Kanzleramt zu rittern.

Häupl-Freunde räumen angesichts des recht weit gesponnenen Masterplans ein, dass der bestens vernetzte Ex-Manager Kern den Niederungen der Wiener Kommunalpolitik den Weg zurück in die Wirtschaft vorziehen könnte.

 

Wahltag: Nach dem Dreikampf um das Kanzleramt dreht sich das Jobkarussell

Heinz-Christian Strache: Mit der FPÖ Erster werden, das würde dem Endvierziger mit rudimentären Erfahrungen außerhalb der Politik einen Jobwechsel jedenfalls ersparen. Was nach einer Binsenweisheit klingt, hat auch paradoxe Züge. Nach heutigem Stand gilt sowohl in der ÖVP als auch in der SPÖ eine mehrheitliche Zustimmung zu einer Koalition unter einem Kanzler Strache als undenkbar. Bei diesem Szenario stünden die Zeichen doch wieder auf Große Koalition – in welcher Zusammenstellung auch immer. Trotz Platz eins bliebe Strache das, was er seit 2005 ist – Oppositionsführer.

Landet Strache, wie derzeit in einigen Umfragen, auf Platz zwei hinter Sebastian Kurz, gilt sein Aufstieg zum Vizekanzler in einer schwarz-blauen Koalition als wahrscheinlichste Variante. Richtig eng kann es für den Langzeit-Parteichef werden, wenn er im Kanzler-Dreikampf klar an dritter Stelle landet.

In diesem Fall blieben zwar rund um den Rot-Blau-affinen Burgenländer Norbert Hofer und um den mit Schwarz-Blau erfahrenen Oberösterreicher Manfred Haimbuchner beide Koalitionsoptionen intakt. Nicht gesagt wäre, dass mit der Festlegung auf einen Partner der dann geschwächte Strache auch als Vizekanzler gesetzt wäre. Seine Demontage wird in der FPÖ zwar ausgeschlossen, ein "Abstieg" ins Ministerteam aber nicht.

Im Wahlkampf soll jedenfalls Hofer als zweiter Spitzenkandidat positioniert werden und den Schwung aus der Hofburg-Kampagne wieder aufleben lassen.

 

Wahltag: Nach dem Dreikampf um das Kanzleramt dreht sich das Jobkarussell

Sebastian Kurz: Am klarsten erscheint die Ausgangslage für die ÖVP. Mit der auch farblichen Umgestaltung zur Bewegung Sebastian Kurz hat sich die Traditionspartei auf ein erstaunliches Vabanquespiel eingelassen. Auf dem bis zur Wahl 31-Jährigen lastet mit Abstand der größte Erwartungsdruck. Er muss nicht nur die ÖVP erstmals seit 2002 auf Platz eins führen, sondern danach auch das Kanzleramt erobern.

Gelingt Letzteres nicht, wären die Kurz gewährten Freiheiten in den Parteistatuten in der Praxis rasch wieder obsolet. Allerdings: Ein Weitermachen mit Kurz dann in der Opposition oder selbst neuerlich als Junior-Regierungspartner wäre mangels Plan B realistischer, als viele heute denken, räumt ein Insider ein.

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Artikel Lucian Mayringer 18. Juli 2017 - 00:04 Uhr
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