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Schulreform: Jede zweite Volksschule in Oberösterreich Kandidat für Fusion?

WIEN. Clusterbildung auf Anordnung laut Gesetzesentwurf für Kleinschulen möglich.

Schulreform: Jede zweite Volksschule in Oberösterreich Kandidat für Fusion?

Kleinere Schulen sollen sich zusammenschließen, Direktoren gibt es dann nicht mehr an jeder Schule. Bild: Weihbold

Noch ist es Zukunftsmusik – die es unter dem Begriff "Cluster" an Österreichs Schulen aber bald spielen soll, wenn es nach den Plänen der Regierung geht. Mit der Autonomiereform sollen sich mehrere Schulen unter einer Leitung zusammenschließen können. Oder müssen, wenn bestimmte Kriterien – etwa weniger als hundert Schüler – zutreffen.

Für Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SP) ist die Möglichkeit der Cluster-Verordnung durch die Schulbehörde eine "Chance für Kleinschulen", für die Lehrergewerkschaft ein Punkt, der aus dem Gesetz gestrichen gehört. Ein Blick auf Oberösterreichs Schullandschaft zeigt, dass eine Cluster-Anordnung bis zu jede zweite Volksschule betreffen könnte: Von den 525 Volksschulen haben 287 weniger als 100 Schüler, 487 weniger als 200. Größer sind die Neuen Mittelschulen: Von 212 haben 21 weniger als hundert, 78 mehr als 200 Schüler.

Nicht alle dieser Schulen werden, auch wenn der Gesetzesentwurf unverändert bleibt, tatsächlich zusammengelegt werden – denn für eine behördliche Verordnung sind neben der Schülerzahl noch andere Faktoren Voraussetzung (Details siehe Box). Und auch der derzeitige Bildungsreferent in der Landesregierung und künftige Landeshauptmann, Thomas Stelzer (VP,) will "nicht gleich die Verordnungskeule schwingen". Allerdings steht auch er zu den Clusterplänen: "Das bringt Chancen, weil Standorte mit wenigen Schülern im Verbund Möglichkeiten bekommen, die sie derzeit nicht haben."

Fokus auf Freiwilligkeit

Zunächst werde man versuchen, mit Betroffenen zu reden, "der Fokus liegt zu Beginn auf einer freiwilligen Basis". Erste Kandidaten seien Kleinstschulen, "die nicht einmal alle Klassen führen".

Nach Hammerschmids Plänen sollen erste Cluster schon 2018/19 starten. Doch das Interesse an den Schulen ist äußerst bescheiden. "Bis jetzt hat sich erst ein einziger Schuldirektor gemeldet", sagt Oberösterreichs Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer.

Ablehnung bei Direktoren

Ein OÖNachrichten-Rundruf unter Volksschuldirektoren bestätigt die ablehnende Haltung – selbst an Schulen, die nur eine Klasse haben und nahe beieinander liegen. Etwa in der Gemeinde Oberneukirchen, wo die Volksschulen Traberg (28 Schüler) und Waxenberg (32 Schüler) weniger als fünf Kilometer Luftlinie trennen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Qualität an der Schule gleich bleibt, wenn ein Direktor fünf bis sechs Schulen zu betreuen hat", sagt Waxenbergs Direktorin Ursula Keplinger. Ihr Traberger Kollege Manfred Neulinger fürchtet "einen pädagogischen Rückschritt", weil Direktoren größerer Einheiten weniger auf Einzelprobleme an den Standorten eingehen könnten.

Elisabeth Ries, Direktorin der einklassigen Volksschule Auerbach (20 Schüler), sagt: "Das bringt für eine Mini-Schule keinen Vorteil. Ich bräuchte zur individuellen Förderung stundenweise eine zweite Lehrerin in der Klasse, die bekomme ich auch nicht im Cluster." Ries steht 18 Stunden pro Woche selbst in der Klasse, gibt sie den Direktorposten ab, wären es 22. Skeptisch ist auch Elisabeth Grünberger-Marckhgott von der Linzer Froschbergschule (68 Schüler): "Fraglich ist, ob Schulen ihr Profil behalten können, da muss ein Clusterleiter schon besonderes Gespür haben." Freiwilligkeit würde garantieren, "dass nur Schulen zusammenkommen, die voneinander profitieren können."

 

 

Clusterpläne

Österreichweit haben mehr als drei Viertel aller Pflichtschulen weniger als 200 Schüler. Durch Zusammenschlüsse zu Clustern bis zu maximal 2500 Schülern unter einer Direktion, die alle Lehrer im Cluster verwaltet, sollen die Ressourcen besser verteilt werden. An den einzelnen Schulen gibt es dafür weniger Verwaltungsaufwand, so der Plan. Standortleiter soll es nur in großen Clustern geben.

In Clustern können sich nur Pflicht- oder nur höhere Schulen zusammenschließen, Volks- und Neue Mittelschulen können also geclustert werden. Eine Anordnung durch die Schulbehörde/-erhalter ohne Zustimmung der Schulen ist im Pflichtschulbereich für Schulen mit weniger als hundert Schülern, dauerhaft sinkenden Schülerzahlen und mit Schulen im Umkreis von fünf Kilometern möglich.

 

Eine Liste der kleineren Pflichtschulen in Oberösterreich:



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Artikel Jasmin Bürger 23. März 2017 - 00:04 Uhr
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