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Richard Bernascheks Tod im KZ Mauthausen

1934 verhalfen Nazis dem SP-Schutzbundführer zur Flucht, am 18. April 1945 töteten sie ihn im KZ.

Richard Bernascheks Tod im KZ Mauthausen

Richard Bernaschek Bild: OÖN

Er war eine der Schlüsselfiguren im Bürgerkrieg des Jahres 1934: Richard Bernaschek, Anführer des sozialistischen Schutzbundes in Linz. Er war es, der sich am 12. Februar einer Hausdurchsuchung des "Hotel Schiff" – des SP-Parteiheims an der Linzer Landstraße – widersetzte und das Feuer eröffnen ließ.

Der Bürgerkrieg zwischen den Regierungstruppen des diktatorisch-konservativen Kanzlers Engelbert Dollfuß und den Heimwehren auf der einen und dem sozialistischem Schutzbund auf der anderen Seite war eröffnet.

Drei Tage währten österreichweit die Kämpfe, Bernaschek selbst wurde schon zu Beginn verhaftet. Er kam in Linz in U-Haft, ein Todesurteil schien gewiss.

Hilfe vom Gefängnisdirektor

Illegale Nationalsozialisten brachten die Rettung – ihnen war das Dollfuß-Regime ebenfalls verhasst. Gefängnisdirektor Ernst Seiler, ein NS-Sympathisant, ließ Bernaschek und zwei seiner Genossen im April aus dem Landesgerichtsgefängnis entkommen. Der Justizwachebeamte Karl Dobler schleuste sie über Schärding nach Deutschland.

Dort hatten die Nationalsozialisten 1933 die Macht ergriffen – sie hießen den Sozialdemokraten Bernaschek und seine Genossen willkommen. Der Versuch, sie ideologisch "umzudrehen" klappte bei jenen zwei Schutzbündlern, die mit Bernaschek geflohen waren. Bernaschek selbst zeigte in Schriftstücken zunächst zwar gewisse Sympathien – "Das Programm der Nationalsozialisten steht uns näher" –, ging dann aber auf Distanz.

Zürich, Moskau, Kaplitz, Prag waren seine nächsten Stationen. 1939 – ein Jahr nach dem NS-Einmarsch in Österreich – erwirkte sein Bruder Ludwig bei Gauleiter August Eigruber, dass Richard Bernaschek wieder nach Österreich einreisen durfte. Der mittlerweile 51-Jährige begann im Radiogeschäft seines Bruders zu arbeiten.

Bernaschek wurde für Widerstandsgruppen aktiv. Ein Mitstreiter dort war einst Gegner aus dem Bürgerkrieg: Der Jurist Josef Hofer hatte 1934 als Polizeioffizier den Einsatz gegen das Hotel Schiff geführt.

Im Juli 1944 wurde Bernaschek von der Gestapo verhaftet. Nach mehreren Zwischenstationen kam er ins Konzentrationslager Mauthausen.

Zweieinhalb Wochen bevor US-Truppen das KZ befreiten, wurde Bernaschek am 18. April 1945 von SS-Oberscharführer Josef Niedermeier durch einen Genickschuss ermordet. "Lungenentzündung" stand als Todesursache im zynischen Beileidsschreiben, das die Lagerleitung an Bernascheks Familie sandte.

 

Das geschah am 18. April 1945

WIEN: Die „Gewerkschaft Druck, Journalismus, Papier“ gründet sich innerhalb des Österreichischen Gewerkschaftsbundes. In Gloggnitz akzeptiert Karl Renner das sowjetische Angebot, ihn am nächsten Tag nach Wien zu bringen.

WEYER: In Weyer wird der Volkssturm-Mann Franz Kantner hingerichtet: Sein „Verbrechen“: Er hatte gegenüber einer Frau, der er den Koffer tragen half, die Ansicht geäußert, es sei besser, den anrückenden Amerikanern und Russen keinen Widerstand entgegenzusetzen.

DEUTSCHLAND: US-Truppen besetzen die Städte Düsseldorf und Magdeburg. Britische Bomber werfen bei einem Großangriff auf die Nordseeinsel Helgoland insgesamt rund 5000 Tonnen Bomben ab. In der Ostsee versenken sowjetische U-Boote den Dampfer „Goya“ mit etwa 7000 Soldaten und Flüchtlingen an Bord. Nur 170 Personen können sich retten.

 

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Artikel Markus Staudinger 18. April 2015 - 00:04 Uhr
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