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Pensionswelle: Die Hälfte der Lehrer ist über 50

WIEN. Die OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" zeigt, dass fast die Hälfte der Lehrer in Österreich über 50 Jahre alt ist. Im Volksschulbereich sind 91,6 Prozent des Lehrpersonals weiblich.

Direktoren: Höhere Zulagen und großzügige Übergangsregelungen

(Symbolbild) Bild: Weihbold

Die am Dienstag veröffentlichte OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" hat unter anderem internationale Vergleichszahlen zur Altersstruktur der Lehrer, zu den Lehrergehältern sowie zur geleisteten Unterrichtszeit geliefert.

Bei dem Vergleich zwischen den insgesamt 43 Ländern fällt auf, dass Österreichs Lehrer zum Teil vergleichsweise wenige Stunden unterrichten. Die Unterrichtszeit pro Jahr beläuft sich in der Oberstufe der AHS sowie in den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BHS) auf 589 Stunden pro Lehrkraft. Im OECD-Schnitt sind es 662 Stunden. In den Neuen Mittelschulen sowie die Unterstufe der AHS sind es 607 Unterrichtsstunden pro Jahr. Im OECD-Schnitt sind es 712. Bei den Volksschullehrern ist der Unterschied weniger deutlich. Österreichs Volksschullehrer unterrichten 779 Sunden pro Jahr. Im OECD-Schnitt sind es 794.

Österreich ist Land der alten Lehrer

In Österreich nähern sich im OECD-Vergleich überdurchschnittlich viele Lehrer dem Pensionsalter. Insgesamt sind hierzulande 43 Prozent der Lehrer 50 Jahre oder älter. OECD-weit sind es dagegen nur 35 Prozent. Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) erwartet dennoch keinen generellen Lehrermangel.

Einen besonders hohen Altersschnitt weisen die Lehrer in der Neuen Mittelschule (NMS) und AHS-Unterstufe auf: Dort sind in Österreich 48 Prozent der Pädagogen 50 Jahre oder älter (OECD: 36 Prozent). An den Oberstufenschulen (AHS-Oberstufe/BMHS) sind es 43 Prozent (OECD: 40 Prozent), an den Volksschulen fallen 37 Prozent (OECD: 32 Prozent) unter die Silver Ager. Das Land der Lehrer-Methusalems ist übrigens Italien: Dort gehören sogar 64 Prozent der Pädagogen der Generation 50plus an, nur ein Prozent ist jünger als 30.

Video: Viele Lehrer vor Pensionsantritt

4.500 Lehrer stehen auf der Warteliste

Hammerschmid zeigte sich am Montag Abend vor Journalisten dennoch optimistisch, dass der durch die bevorstehenden Pensionierungen entstehende Bedarf an Pädagogen in Österreich gedeckt werden kann. Derzeit stünden 4.500 Pädagogen auf Wartelisten für eine Stelle im Schuldienst, 2.500 davon im Volksschulbereich. Darüber hinaus habe man im Bildungsreformpaket bereits Maßnahmen gesetzt, um den Lehrberuf für Quereinsteiger zu attraktivieren. Und schließlich wolle man Personen aus der Kinder- und Jugendsozialarbeit ansprechen, um sie berufsbegleitend für den gemeinsamen Einsatz mit Pädagogen in der Klasse auszubilden.

Die Ministerin geht davon aus, dass im Großen und Ganzen die in Pension gehenden Pädagogen durch die Absolventen aus den Pädagogischen Hochschulen und Unis ersetzt werden können. Probleme werde es wie schon derzeit aber in bestimmten Fächern wie Mathematik oder Physik geben. Da brauche man Quereinsteiger aus fachnahen Berufen: "Aber es sollte sich ausgehen."

Österreich gibt pro Schüler viel Geld aus

Auf ein scheinbares Paradoxon in den OECD-Werten wies der Generaldirektor der Statistik Austria, Konrad Pesendorfer, hin. Österreich gibt pro Schüler deutlich mehr aus als der OECD-Schnitt: Über die gesamte Schulzeit gerechnet sind das hierzulande 165.000 Dollar (kaufkraftbereinigt), im OECD-Schnitt dagegen nur 125.000 Dollar. Gleichzeitig werden in Österreich aber nur 4,9 Prozent des BIP für Bildungseinrichtungen verwendet (OECD: 5,2 Prozent).

Der hohen Pro-Kopf-Ausgaben haben aber diverse Gründe: Einerseits kommen in Österreich weniger Schüler auf einen Lehrer, was die Pro-Kopf-Kosten erhöht. Dazu kommt die bereits erwähnte hohe Altersstruktur der Lehrer verbunden mit dem Senioritätsprinzip bei den Gehältern und die geringere Unterrichtsverpflichtung der Pädagogen.

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Im Folgenden Detailergebnisse für Österreich aus der OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2017"

"AKADEMIKERQUOTE": 2016 lag der Anteil der Personen mit einem tertiären Bildungsabschluss an der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren in Österreich bei 32 Prozent (OECD-Schnitt: 37 Prozent). Das entspricht einem leichten Anstieg für Österreich gegenüber dem Jahr davor (31 Prozent), einem etwas stärkeren im OECD-Raum (2015: 35 Prozent). Vorsicht mit dem Begriff "Akademikerquote": In Österreich werden mittlerweile nicht nur Hochschulabschlüsse dazu gezählt, sondern auch bestimmte Schulabschlüsse (BHS-Abschlüsse gelten im internationalen Vergleich als tertiäre Kurzausbildungen, Anm.). Über einen Bachelor-, Master/Diplom bzw. Doktorabschluss verfügen in Österreich dagegen nur 16 Prozent (OECD: 29 Prozent) (A1.1.)

AUSGABEN PRO SCHÜLER/STUDENT: In Österreich betrugen diese 2014 von der Volksschule bis zur Hochschule kaufkraftbereinigt pro Kopf durchschnittlich 14.549 US-Dollar. Damit lagen sie weit über dem OECD-Schnitt von 10.759 Dollar. Gleiches gilt auch für die jeweiligen Einzelbereiche Volksschule, Sekundarstufe und - etwas eingeschränkt - Hochschulen. (B1.1)

BETREUUNGSVERHÄLTNIS: Vergleichsweise weniger Schüler als im OECD-Schnitt kamen 2015 in Österreich in der Volksschule und in der Sekundarstufe auf einen Lehrer: Im Primarbereich (Volksschule) sind es zwölf Schüler (OECD: 15), in der Sekundarstufe neun (OECD: 13). (D2.2)

BILDUNGSAUSGABEN: Österreichs Bildungsausgaben gemessen an der Wirtschaftsleistung lagen 2014 unter dem OECD-Schnitt: In Österreich werden 4,9 Prozent des BIP für Bildungseinrichtungen vom Primar- bis Tertiärbereich verwendet, in der OECD sind es im Schnitt 5,2 Prozent. Der Anteil der öffentlichen Bildungsausgaben an den öffentlichen Gesamtausgaben beträgt in Österreich 9,3 Prozent und ist damit ebenfalls unter dem OECD-Durchschnitt (11,3 Prozent). Auffällig: Sowohl der Anteil der Bildungsausgaben am BIP als auch jener der öffentlichen Bildungsausgaben an den öffentlichen Gesamtausgaben ist in Österreich gegenüber dem Vorjahr gesunken, in der OECD aber gleichgeblieben. (B2.2. bzw. B4.1. und B4.2)

BILDUNGSMOBILITÄT: In Österreich gelingt ein sogenannter "Bildungsaufstieg" in Richtung Hochschulabschluss eher selten. In der Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen absolvieren hierzulande nur zehn Prozent der Kinder von Eltern, die selbst keinen Hochschulabschluss haben, ein Studium an einer Uni bzw. einer anderen Hochschule. OECD-weit sind es doppelt so viele (A4.1)

BILDUNGSNIVEAU: In Österreich verfügen 15 Prozent der 25- bis 64-Jährigen höchstens über einen Pflichtschulabschluss (OECD: 22 Prozent). 51 Prozent absolvierten als höchsten Bildungsabschluss die Sekundarstufe 2 (v.a. Lehre, berufsbildende mittlere Schule, AHS-Matura, BHS bis zum 3. Jahr; OECD: 39 Prozent), zwei Prozent eine postsekundäre nichttertiäre Ausbildung (z.B. Gesundheits- und Krankenpflegeschulen, bestimmte Uni- oder FH-Lehrgänge; OECD: fünf Prozent). 16 Prozent haben als höchsten Abschluss eine sogenannte kurze tertiäre Ausbildung (v.a. BHS-Matura, ehemalige Pädagogische Akademien; OECD: acht Prozent), drei Prozent ein Bachelorstudium (OECD: 16 Prozent), zwölf Prozent ein Master- oder Diplomstudium (OECD: ebenfalls zwölf Prozent) und ein Prozent ein Doktoratstudium (OECD: ebenfalls ein Prozent) (A1.1)

GENDER GAP: Die Einkommen der Frauen hinken sowohl in Österreich als auch in der OECD hinterher: Sie verdienen unabhängig von der Bildungsstufe weniger. In Österreich erhält etwa eine 35- bis 44-jährige Frau mit Tertiärabschluss 72 Prozent dessen, was ein Mann mit gleichem Alter und Bildungsabschluss verdient (OECD-Mittel: 76 Prozent). (A6.3).

HOCHSCHULABSCHLUSSQUOTE: Für Österreich prognostiziert die OECD, dass 49 Prozent eines Altersjahrgangs im Lauf ihres Lebens einen Abschluss im Tertiärbereich erwerben werden. Das entspricht genau dem OECD-Schnitt. Bedingt ist das vor allem durch die "tertiären Kurzausbildungen", zu denen nun auch die BHS zählen. Ein Abschluss auf Bachelor-Niveau wird in Österreich dagegen nur genau einem Viertel prognostiziert (OECD: 38 Prozent), auf Master-Niveau 20 Prozent (OECD: 17 Prozent) und auf Doktoratsebene 1,9 Prozent (OECD: 1,8 Prozent). (A3.3)

INTERNATIONALE STUDENTEN: Mit 16 Prozent wies Österreich 2015 hinter Luxemburg (46 Prozent), Neuseeland (21 Prozent), Großbritannien (19 Prozent) und der Schweiz (17 Prozent) den fünfthöchsten Anteil internationaler Studenten an den eigenen Hochschulen auf (OECD: sechs Prozent). Umgekehrt sind nur rund fünf Prozent der österreichischen Studenten an ausländischen Unis inskribiert (OECD: sechs Prozent). (C4.1)

KINDERGARTEN: In Österreich besuchen 39 Prozent (OECD: ebenfalls 39 Prozent) der Zweijährigen und 75 Prozent (OECD: 78 Prozent) der Dreijährigen eine frühkindliche Bildungseinrichtung. Bei den Vierjährigen sind 92 Prozent (OECD: 87 Prozent) im Kindergarten, bei den Fünfjährigen 97 Prozent (OECD: 95 Prozent).

KLASSENGRÖSSE: 2015 saßen in Österreich im Schnitt in der Volksschule 18 Kinder in einer Klasse (OECD: 21), nur in Griechenland, Lettland und Luxemburg waren es noch weniger. Im Sekundarbereich 1 (AHS-Unterstufe, Hauptschule/Neue Mittelschule) lag die durchschnittliche Klassengröße bei 21 Schülern (OECD: 23), damit liegt Österreich im vorderen Mittelfeld. (D2.1)

LEHRERALTER: Österreich hat im OECD-Vergleich relativ alte Lehrer. Im Volksschulbereich sind in Österreich 38 Prozent aller Pädagogen 50 Jahre oder älter, in der OECD sind es 32 Prozent. Am höchsten fällt der Unterschied im Sekundarbereich 1 aus: In der AHS-Unterstufe bzw. Neuen Mittelschule sind in Österreich 48 Prozent der Lehrer mindestens 50 Jahre (OECD: 36 Prozent), an den Oberstufenschulen (Sekundarbereich 2) kommt Österreich auf einen Anteil von 43 Prozent (OECD: 40 Prozent). (D5.1)

LEHRERGEHÄLTER: Pädagogen verdienen in Österreich zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere und in allen Schultypen mehr als im OECD-Schnitt. Lag 2015 bei Volksschullehrern schon das Einstiegsgehalt mit rund 34.000 US-Dollar (kaufkraftbereinigt) pro Jahr über dem OECD-Schnitt (30.800), ist der Abstand beim Höchstgehalt mit rund 66.500 US-Dollar noch größer (OECD: 52.700). Ähnlich verhält es sich in der Sekundarstufe I (Ö: rund 35.500 Start-, rund 68.800 Endgehalt; OECD: 32.200 bzw. 55.100) und der AHS-Oberstufe (Ö: 37.200 bzw. 76.000 US-Dollar; OECD: 33.800 bzw. 57.800 US-Dollar). Im Vergleich zu anderen Hochschulabsolventen stehen Lehrer in Österreich etwas schlechter da: So verdient ein Lehrer in der Volksschule 72 Prozent vom durchschnittlichen Akademiker-Gehalt, in der Sekundarstufe 1 sind es 85 und in der AHS-Oberstufe 92 Prozent (OECD: 85 bzw. 88 und 94 Prozent). (D3.1a, D3.2a)

NEETS: Der Anteil junger Menschen, die sich weder in Beschäftigung noch in Ausbildung befinden (NEET; Not in Education, Employment or Training), hat in Österreich 2016 gegenüber dem Jahr davor (11,7 Prozent) leicht zugenommen: Mit 13,2 Prozent der 20- bis 24-Jährigen liegt er aber noch unter dem OECD-Mittelwert von 16,2 Prozent. (C5.2)

PRIVATE BILDUNGSAUSGABEN: Der Anteil der privaten Ausgaben für Bildungseinrichtungen liegt in Österreich bei lediglich fünf Prozent (OECD: 15 Prozent). Dies ist vor allem auf den Hochschulsektor und das Fehlen von Studiengebühren zurückzuführen: 2014 betrug der Privatanteil im Tertiärbereich in Österreich sechs Prozent, in der OECD dagegen 30 Prozent. (B3.1b)

STUDIENANFÄNGERQUOTE: 2015 begannen in Österreich 71 Prozent eines Altersjahrgangs eine Ausbildung im Tertiärbereich (wozu in Österreich allerdings auch die BHS-Matura gehört, Anm.) (OECD: 66 Prozent). Ohne internationale Studierende würde dieser Prozentsatz allerdings nur 57 Prozent betragen (OECD: ebenfalls 57 Prozent). Ein tertiäres Kurzprogramm (z.B. 4. und 5. BHS-Jahrgang) begannen dabei 36 Prozent eines Altersjahrgangs (OECD: 16 Prozent), ein Bachelor-Studium 43 Prozent (OECD: 57 Prozent), ein Masterstudium 26 Prozent (OECD: 23 Prozent) und ein Doktoratstudium 3,4 Prozent (OECD: 2,4 Prozent). (C3.3)

UNTERRICHTSZEIT - LEHRER: Volksschullehrer müssen in Österreich (779 Stunden pro Jahr) etwas weniger unterrichten als im OECD-Schnitt (794 Stunden). Im Sekundarbereich 1 stehen dagegen die österreichischen Lehrer jährlich gleich um 97 Stunden kürzer in der Klasse (Ö: 607, OECD: 704), in der AHS-Oberstufe sind es 73 Stunden (Ö: 589, OECD: 662). Die Zahl der Unterrichtstage liegt in Österreich mit 180 in allen Schulformen fast im OECD-Schnitt (Volksschule: 183, Sekundarstufe 1: 181, AHS-Oberstufe: 179), die (allerdings nur für Pflichtschullehrer definierte) Jahresarbeitszeit indes darüber (Ö: 1.776; OECD: 1.611 für Volksschule, 1.634 für Sekundarstufe I). 

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Artikel nachrichten.at/apa 12. September 2017 - 11:21 Uhr
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