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Missbrauch: 2010 brach das Schweigen

LINZ/WIEN. Nach einem konfliktreichen Jahr 2009 kam es für die katholische Kirche 2010 mit dem Bekanntwerden etlicher Missbrauchsfälle nur noch schlimmer: Ein Rückblick auf zwei bewegte Jahre für die Kirche.

Missbrauch: 2010 brach das Schweigen

Kardinal Christoph Schönborn beim Bußgottesdienst im März: „Die Kirche ist schuldig geworden.“ Bild: APA

Mit 2009 wähnte die katholische Kirche ein schwieriges Jahr abgeschlossen: In Österreich hatte die Bestellung des streng konservativen Windischgarstner Pfarrers Gerhard Maria Wagner zum Linzer Weihbischof (er verzichtete letztlich auf das Amt) Wirbel ausgelöst. Weltkirchlich schuf die Wiederaufnahme von vier exkommunizierten Bischöfen der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft, darunter der Holocaust-Leugner Richard Williamson, Unfrieden.

Im Vergleich zu dem, was 2010 über die Kirche hereinbrechen sollte, war die dadurch ausgelöste Austrittswelle aber nur der Auftakt zu einer noch viel größeren.

Nachdem Anfang 2010 zunächst in Deutschland dutzende Fälle von Missbrauch in kirchlichen, aber auch nicht-kirchlichen Schulen und Internaten bekannt geworden waren, brach auch in Österreich das Schweigen. So berichteten ehemalige Zöglinge des Stiftsgymnasiums Kremsmünster über Fälle von Gewalt und sexuellem Missbrauch. Drei Patres wurden ihrer Ämter enthoben, die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. Missbrauchsfälle wurden auch aus etlichen anderen kirchlichen Einrichtungen – darunter das Stift Mehrerau in Vorarlberg oder eine Schule der Wiener Schulbrüder – öffentlich.

Anders als Papst Benedikt XVI. – der in einem Hirtenbrief zwar irische Opfer von Missbrauchsfällen um Verzeihung bat, die Fälle in Deutschland und Österreich aber unerwähnt ließ – reagierte Kardinal Christoph Schönborn rasch. Er setzte noch im März 2010 eine kirchliche Opferschutzkommission unter dem Vorsitz der früheren steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic ein. Bei einem Bußgottesdienst mit Missbrauchsopfern im Stephansdom legte Schönborn am 31. März ein Schuldbekenntnis im Namen der Kirche ab.

Die Austrittswelle stoppte das nicht, mit der Opferschutzkommission hatten Betroffene kirchlichen Missbrauchs neben den diözesanen Ombudsstellen aber eine weitere Anlaufstelle.

Finanzielle Entschädigung

Die wurde auch rege genutzt. 729 Personen wandten sich 2010 nach Auskunft von Kommissionsleiterin Klasnic an die Kommission. In 100 Fällen hat die Kommission bis Ende 2010 entschieden, in 97 davon wurden Betroffenen kirchlichen Missbrauchs finanzielle Entschädigungen zugesagt. Zusätzlich wurden auch vielfach längerfristige Therapieleistungen zugesprochen.

Parallel dazu haben sich mehr als 1000 Personen an die diözesanen Ombudsstellen für Missbrauchsopfer gewandt. Bei 511 Personen habe sich der Verdacht von Missbrauch bzw. Gewaltanwendung erhärtet, berichtete der Sprecher der Ombudsstellen, Johannes Wancata. (mst)

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Artikel 12. Januar 2011 - 00:04 Uhr
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