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Kanzlerträume statt Spaltungstrauma: Strache und der blaue Höhenflug

WIEN. Ein Sieg bei der Hofburg-Wahl brächte dem FP-Obmann weiteren Rückenwind.

Kanzlerträume statt Spaltungstrauma: Strache und der blaue Höhenflug

Heinz-Christian Strache bei Susanne Schnabl im ORF-Sommergespräch Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Mit Heinz-Christian Strache hatte am Montagabend der längstdienende Chef einer Parlamentspartei (seit 2005) seinen Auftritt im ORF-"Sommergespräch". Seit dem Ausbruch der Flüchtlingskrise im Vorjahr liegen die Freiheitlichen in allen Umfragen weit vor den Regierungsparteien auf Platz eins. Strache positioniert sich als Kanzlerkandidat. Ein "Schattenkabinett" werde man "rechtzeitig vor der Wahl präsentieren", erklärte Strache auf die Frage nach dem geeigneten Personal.

33 Prozent hat Peter Hajek von Unique Research im "profil" aktuell für die FPÖ gemessen. Dass die SPÖ bei 26 Prozent und die ÖVP bei 21 Prozent steht, bezeichnet Hajek im Gespräch mit den OÖNachrichten schon als "leichten Rückenwind" für die Regierungsparteien.

Der Grund dafür sei, dass sich Bundeskanzler Christian Kern (SP) und Außenminister Sebastian Kurz (VP) bei den Dauerthemen Türkei, Integration, Asyl "sehr gut positioniert haben".

Eine weitere Aufholjagd von Rot-Schwarz müsse Strache auf diesem Feld aber nicht befürchten. Zwei Drittel der FP-Wähler seien "relativ gefestigt". Dazu trage auch die nun härtere Asyllinie der Regierung bei: Denn damit "werden Freiheitliche erstmals in ihrer Politik bestätigt". Strache selbst warf den Regierungsparteien "eine totale Wende aus Panik" vor.

Nur wenn im kommenden Jahr in den klassischen Bereichen von der Wirtschaft bis zur Gesundheit Reformen, "womöglich gegen die Sozialpartner", gelingen, sieht Hajek für SPÖ und ÖVP noch Potenzial, um gegenüber der FPÖ Boden gutzumachen.

Ungleich leichter sei die Ausgangslage für Strache, der in den verbleibenden Monaten bis zur Nationalratswahl 2018 darauf achten müsse, "nicht zu radikal zu werden". Denn das würde auf dem derzeitigen Niveau mehr Wähler verschrecken als anziehen.

In der Bundespräsidenten-Stichwahl am 2. Oktober sieht Hajek dennoch einen wichtigen Lostag für Blau. Schafft Norbert Hofer im zweiten Anlauf den Sprung in die Hofburg, sei entgegen einiger Töne im Wahlkampf nicht zu erwarten, dass der große "Radikalumbau im Präsidentenamt" kommt. Hofer werde vielmehr versuchen, sich als stabiler Bundespräsident zu profilieren.

Strache könnte damit die gewünschte Botschaft für die Nationalratswahl verknüpfen, die da heißt: Seht her, Freiheitliche bewähren sich in den höchsten Ämtern. im Hinblick auf einen möglichen Wunschpartner wollte sich der FP-Chef selbst nicht festlegen.

 

Aufstieg, Abstieg, Wiederaufstieg

Am 23. April 2005 hat für die Freiheitlichen eine neue Zeitrechnung begonnen. Heinz-Christian Strache wurde an diesem Tag als neuer Parteiobmann gewählt. Davor hatten Jörg Haider und mit ihm ein Großteil der Parteiprominenz das dritte Lager mit der Gründung des BZÖ gespalten. In der Folge distanzierte sich Strache vor allem von Haiders Entourage wie Peter Westenthaler oder Karl-Heinz Grasser. Das galt auch für teils bis heute aufzuarbeitende Polit-Affären in diesem Umfeld.

2006, bei der ersten Nationalratswahl unter Strache, stagnierte die FPÖ nach dem Absturz von 2002 ("Knittelfeld-Putsch") bei 11 Prozent. Von da an ging es kontinuierlich bergauf. Bei der Nationalratswahl 2013 erreichte die FPÖ 20,5 Prozent. Aus 21 Nationalratsmandaten wurden unter Strache 40. Den bisherigen Höchststand erreichte die 1955 gegründete Partei 1999 unter Haider mit 26,9 Prozent.

Während die FPÖ nach dem für sie existenzbedrohend ausgegangenen Projekt Schwarz-Blau auf Bundesebene in der Oppositionsrolle steckt, gab es in den Ländern auch Regierungspartner. In Oberösterreich verdoppelte sich die FPÖ 2015 auf 30,36 Prozent. Seither führen Josef Pühringer (VP) und Manfred Haimbuchner (FP) eine schwarz-blaue Koalition. Seit dem Vorjahr regiert im Burgenland eine rot-blaue Allianz.

Den jüngsten Erfolg trug Norbert Hofer bei, der den ersten Durchgang der Bundespräsidentenwahl klar gewonnen hat. Bei der Stichwahl am 2. Oktober geht es im zweiten Anlauf um die Entscheidung zwischen Hofer und Alexander Van der Bellen.

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Artikel Lucian Mayringer 23. August 2016 - 00:04 Uhr
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