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"Ich bin eine pragmatische Feministin und gehe die Dinge einfach an"

WIEN. Die neue Frauen- und Familienministerin über Rabenmütter und Einkommensscheren.

"Ich bin eine pragmatische Feministin und gehe die Dinge einfach an"

Die 46-Jährige erfuhr erst zum Abschluss der Koalitionsverhandlungen am Freitag, dass sie Ministerin wird. Bild: OÖN/Zinner

Diese Woche wurde Juliane Bogner-Strauß als Frauen- und Familienministerin angelobt. Wie die Molekularbiologin in die Politik kam, was sie von halbe-halbe hält und welche Verbesserungen sie plant, lesen Sie im OÖN-Interview.

 

Wann haben Sie erfahren, dass Sie Ministerin werden?

Juliane Bogner-Strauß: Seit August hat es gute Gespräche mit Sebastian Kurz gegeben. Herauskristallisiert hat es sich ganz am Ende der Verhandlungen. Die Hoffnung war schon da.

Ist es für Sie nicht ein Sprung ins eiskalte Wasser?

Ich bin immer gern gesprungen. Ich habe sofort zugesagt. So eine Chance muss man nehmen.

Sie sind Molekularbiologin. Hätten Sie nicht mit dem Wissenschaftsressort gerechnet?

Für mich ist Familie, Frauen und Jugend genauso spannend. Ich beschäftige mich seit Jahren mit dem Thema, war selbst als dreifache Mutter davon betroffen. Ich war im Arbeitskreis Gleichstellung, an der Technischen Universität bemühen wir uns seit langem um eine bessere Vereinbarkeit.

Sie verfügen über wenig Budget und personelle Ressourcen. Ist es nicht ein zahnloses Ressort?

Das sehe ich anders. Der Dreiklang, den wir haben: Frauen zu fördern, die Jugend zu hören und die Familien zu entlasten, ist ein sehr ambitioniertes Programm.

Würden Sie sich als Emanze oder Feministin bezeichnen?

Als pragmatische Feministin. Ich gehe die Dinge einfach an.

Was wollen Sie für Frauen in Österreich verbessern?

Mir ist die Chancengleichheit ganz wichtig: gleiche Rechte, gleiche Pflichten. Wenn Menschen neu in unser Land kommen, müssen wir ihnen deutlich sagen, dass sie auf Basis unserer Gesetze zu handeln haben. In der Gendermedizin müssen wir mehr für Frauen tun. Die Forschung orientiert sich zu stark an den Männern.

Im EU-Vergleich ist die Einkommensschere in Österreich groß. Wie kann man gegensteuern?

Das ist uns ein ganz großes Anliegen. An der Universität war ich ja nicht davon betroffen, da sind die Gehälter gleich. Wir müssen das unbedingt mit den Sozialpartnern hinkriegen: Man muss die Transparenz der Löhne verbessern. Wenn eine Frau zu einem Vorstellungsgespräch geht, soll sie wissen, wie viel ein Mann für diese Arbeit im Unternehmen erhält.

Ist das realistisch? Die SPÖ ist damit stets gescheitert.

Wir haben die Transparenz in unserem Programm. In Österreich ist das ja fast noch eine Unkultur, da erzählt niemand, was er verdient.

Was kann Familienpolitik dazu beitragen, dass die Österreicher wieder mehr Kinder bekommen?

In Ländern, in denen die Kinderbetreuung funktioniert, gibt es auch mehr Kinder. Man muss es quantitativ verbessern und mehr Flexibilität in der Arbeitszeit zulassen. Das ist das Tolle an der Digitalisierung, dass man nicht immer am Arbeitsplatz sein muss.

Sie haben drei Kinder zwischen sechs und 18 Jahren: Wie verbinden Sie Beruf und Familie?

Wir sind eine Patchworkfamilie. Der Älteste war vier, als er unter das gemeinsame Hausdach gezogen ist. Meine Tochter ist in der Ganztagsschule, mein Sohn im Ganztagskindergarten. Das habe ich vom ersten Geburtstag der Kinder an immer zu nutzen gewusst. Mein Mann und ich versuchen, halbe-halbe zu leben.

Gilt man nicht schnell als Rabenmutter in Österreich?

Raben sind unglaublich gute Vogeleltern. Wenn ich mich als Beispiel nehmen darf: Da war der Respekt, dass ich beides vereinbare.

Sie forschen zur Fettleibigkeit. Tipps für die Weihnachtszeit?

Genießen, was man isst, zwischen den Mahlzeiten Pausen einlegen und ab dem nächsten Jahr weniger essen. Es ist ein Zusammenspiel der Gene und des Wollens.

 

Topwissenschafterin und dreifache Mutter

Politisiert wurde Juliane Bogner-Strauß, die am 3. November 1971 zur Welt kam, im Elternhaus: Der Vater war ÖVP-Vizebürgermeister in Gamlitz und Weinbauer (Strauß-Schopper).

Eine Lehrerin unterstützte die Schülerin; als Zehnjährige ging sie auf eigenen Wunsch ins Internat, um das Gymnasium besuchen zu können. Bogner-Strauß studierte Chemie und habilitierte im Bereich der Molekularbiologie. An der Technischen Universität in Graz arbeitete sie zuletzt als Assoziierte Professorin.

Die 46-Jährige ist Mutter dreier Kinder – die Familie lebt in der Steiermark, was künftiges Pendeln nötig macht.

Im Wahlkampf kandidierte Bogner-Strauß erstmals für den Nationalrat und wurde am 9. November angelobt. Sie ist Mitglied der Volkspartei.

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Artikel Annette Gantner 23. Dezember 2017 - 00:05 Uhr
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