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Hofburg-Wahl: Die Schlachtpläne der Strategen

WIEN. Vor der vielleicht spannendsten Bundespräsidenten-Wahl setzen die Kandidaten auf Routiniers im Hintergrund.

Hofburg-Wahl: Die Schlachtpläne der Strategen

Wer öffnet am 8. Juni als neues Staatsoberhaupt die berühmteste Tapetentür der Republik? Bild: APA

Noch merken die 6,4 Millionen wahlberechtigten Österreicher wenig vom Präsidentschafts-Wahlkampf (erster Termin 24. April, Stichwahl am 22. Mai). Doch hinter den Kulissen formieren sich die Strategen der Kandidaten, die in den "War-Rooms" an den siegbringenden Kampagnen feilen sollen.

Bei den etablierten Parteien verlässt man sich durchwegs auf erfahrene Kräfte. So hat Andreas Khol (VP) Florian Krenkel als Chefstrategen engagiert. Krenkel war nicht nur außenpolitischer Sprecher von Alois Mock und Wolfgang Schüssel. Er hat in schwarz-blauen Tagen 2004 die Präsidentschaftskampagne von Benita Ferrero-Waldner kreiert. Das Erreichen der Stichwahl ist auch diesmal Krenkels Ziel, nicht aber das spätere Scheitern gegen den SP-Kandidaten (damals Heinz Fischer) in der Stichwahl.

Rudolf Hundstorfer (SP) setzt ebenfalls auf Erfahrung. Sein Wahlkampfmanager Nedeljko Bilalic ist bisher zwar als Parteikommunikator und Kanzler-Sprecher in Erscheinung getreten, nicht aber als Kampagnenleiter.

Erste Umfragen deuten darauf hin, dass aus dem üblichen rot-schwarzen Kopf-an-Kopf-Rennen sogar ein Fünfkampf um die Hofburg werden könnte. Ein grober Schnitzer im Wahlkampf bedeutet wohl das sichere Aus im ersten Wahlgang. Die bisherigen Außenseiter haben Lunte gerochen. In der FPÖ übernimmt mit Generalsekretär Herbert Kickl der blaue Mastermind in Sachen erfolgreiche Kampfparolen die Patronanz für Norbert Hofer. Alexander Van der Bellen begibt sich in die Obhut von Lothar Lockl, seines engsten Beraters in der Zeit als Grünen-Chef. Nur Quereinsteigerin Irmgard Griss bleibt auch in der Team-Frage die große Unbekannte.

 

Rudolf Hundstorfer

Rudolf Hundstorfer

„Volksnah, leutselig“, fällt Wahlkampfleiter Nedeljko Bilalic zuerst ein, wenn er nach Markenzeichen von Rudolf Hundstorfer gefragt wird. Als Hoffnungsmarkt außerhalb der SP sieht er wegen Hundstorfers Vergangenheit als ÖGB-Chef Wirtschaftsaffine.

Der rote „War-Room“ an nobler Wiener Innenstadtadresse (Herrengasse) wurde schon bezogen. Bilalic’ Kernteam soll 20 Personen umfassen, mit der Oberösterreicherin Sigrid Rosenberger als Sprecherin, die von SP-Klubobmann Andreas Schieder „ausgeliehen“ wurde. Inoffiziell ist Hundstorfer schon auf Wahltour, heute mit OÖ-Auftritten in Pasching und beim Eberschwanger Fasching. „Gezielte Ländertage“ werden folgen. Das Wahlkampfbudget soll „drei bis vier Millionen Euro“ betragen.

Homepage mit Antrittsvideo: rudolfhundstorfer.at

Andreas Khol

Als „Vollprofi, der die Republik von innen und außen kennt“, will Florian Krenkel Andreas Khol profilieren. Der parteiübergreifende Hoffnungsmarkt liege bei allen, die „keine Experimente in der Hofburg“ wollen, so der Chef einer Werbeagentur mit Politikvergangenheit

Quartier hat das noch um „Experten“ anzureichernde Team in der VP-Zentrale in der Wiener Lichtenfelsgasse. Als Sprecherin nimmt Khol Susanne Walpitscheker vom Seniorenbund mit. Offiziell wird der Wahlkampf erst am 7. April eröffnet, doch schon am 15. Februar werde man die erste Bundesländertour abschließen, drei weitere sind geplant. Als Wahlkampfbudget hat VP-Chef Mitterlehner 3,5 Millionen Euro genannt. Festlegen will man sich erst im Fairnessabkommen.

Homepage mit Antrittsvideo: andreaskhol.at

Norbert Hofer

„Der Jüngste und damit Dynamischste“, sieht Martin Glier im Alter von Norbert Hofer (bald 45) ein Alleinstellungsmerkmal im Feld der reifen Kandidaten. Schon an den ersten Reaktionen zeige sich, dass sein stärkster Hoffnungsmarkt bei den Nichtwählern liege.

Glier, bisher Klubsprecher, übernimmt auch für Hofer die Pressearbeit. Das Team, das im blauen Parlamentsklub sitzen soll, ist erst im Aufbau. Wahlkampfleiter ist Generalsekretär Herbert Kickl, die Werbearbeit übernimmt Bundesgeschäftsführer Hans Weixelbaum, der schon in der Agentur von Gernot Rumpold gewerkt hat. Offiziell startet der Wahlkampf am 2. April in Leoben. In OÖ hat Hofer beim Aschermittwoch in Ried den Erstauftritt. Das Budget bis zur Stichwahl ist „zwei Millionen Euro“.

Homepage und Antrittsvideo sind laut Partei noch in Arbeit

Alexander Van der Bellen

Alexander Van der Bellen

„Moralische Autorität, glaubwürdige Instanz.“ Lothar Lockl setzt auf die Breitenwirkung von Alexander Van der Bellen „in allen Segmenten“, weshalb ihn sein Wahlkampfleiter auch als überparteilich vermarkten will.

Freilich hat sich das zehnköpfige „Team VdB“ in einem Wiener Büro (Rooseveltplatz, 9. Bez.) eingerichtet, das den Grünen gehört. Reinhard Pickl-Herk, Sprecher des grünen Parlamentsklubs, übernimmt die Pressearbeit. Den Wahlkampf wolle man kurz halten, sagt Lockl. Er denke an die „vier Wochen nach Ostern“. Der erste OÖ-Termin ist noch offen. Von den Grünen wurden bereits 1,2 Millionen Euro für das Budget überwiesen. Mit Sachleistungen sollen es zwei Millionen Euro werden.

Homepage mit Antrittsvideo: vanderbellen.at

Irmgard Griss

Irmgard Griss

Das „Alleinstellungsmerkmal der einzigen wirklich unabhängigen Kandidatin“ steht für Kampagnenleiter Milo Tesselaar im Fokus. Von der Ex-Präsidentin des Obersten Gerichtshofs als „erfolgreiche Streitschlichterin“ sollen sich alle Generationen und Gesellschaftsschichten angesprochen fühlen.

Diese Woche hat Griss’ Team das Kampagnenbüro nahe der Wiener Mariahilfer Straße bezogen. Tesselaar, Magazin-Gründer mit Beratungserfahrung für die Grazer Grünen, wird unterstützt von 20 Mitarbeitern. Als Sprecher hat Griss Ex-Journalist Jochen Prüller engagiert. Die Wahlkampftour startet Ende Februar, ein Personenkomitee ist im Aufbau. Eine Million Euro will Griss über Spenden lukrieren, als Mindestbudget sind 500.000 Euro kalkuliert. 370.000 Euro hat sie schon.

Homepage mit Antrittsvideo: griss16.at

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Artikel Lucian Mayringer 06. Februar 2016 - 00:05 Uhr
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