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Harter Kampf an der Tabellenspitze

WIEN. Wissenschafter erklärt, warum Umfragen bei Persönlichkeitswahlen widersprüchlich sind.

Harter Kampf an der Tabellenspitze und ein programmierter Letzter

Derzeitiger Tabellenführer Van der Bellen, aussichtsreiche Konkurrenten Griss, Hundstorfer, Khol, Hofer: Deutliche Abweichung in der Meinungsforschung Bild: APA

Dasselbe Thema, dieselbe Anzahl von Befragten – und völlig unterschiedliche Ergebnisse: Die Meinungsumfragen zur Bundespräsidentenwahl geben Rätsel auf.

In (fast) allen Umfragen (Institute Gallup, SORA, Spectra, OGM) ist der Grüne Alexander Van der Bellen auf Platz 1, gefolgt von Norbert Hofer (FP), der Unabhängigen Irmgard Griss und Rudolf Hundstorfer (SP). Deutlich dahinter kommt Andreas Khol (VP). Richard Lugner ist programmierter Letzter.

Es gibt aber eine deutliche Abweichung: Beim Linzer Institut IMAS sind Hundstorfer und Hofer gleichauf an der Spitze, Van der Bellen kommt nur auf Rang 3, Khol liegt hier vor Griss, Lugner ist wie immer das Schlusslicht.

Wie kann das sein? SORA-Geschäftsführer Günther Ogris erklärt die Abweichung bei je tausend Befragten mit dem Zeitpunkt der Umfrage. IMAS habe schon im Februar abgefragt, damals habe es noch 50 Prozent Unentschlossene gegeben; zuletzt hätten sich aber bereits zwei Drittel deklariert.

Laurenz Ennser-Jedenastik, Politikwissenschafter an der Uni Wien, sieht noch andere Gründe für die widersprüchlichen Ergebnisse. "IMAS hat im Vergleich zu anderen Instituten immer etwas höhere Werte für SP und VP", sagt er zu den OÖNachrichten. "Dafür kann es plausible Gründe geben – die Erhebungsmethode oder die Beschaffenheit der Stichprobe."

Eine Unwägbarkeit sei Griss, "sie verkompliziert alles". Für Parteiunabhängige gebe es kaum Erfahrungs- und Vergleichswerte. Ennser-Jedenastik: "Die primäre politische Identifikation geschieht über die Parteien. Die Leute haben zur FPÖ eine viel ausgeprägtere Meinung als zum Herrn Hofer."

Der Goldstandard

Viel hänge auch von der Auswahl der befragten Personen ab, "der wissenschaftliche Goldstandard bei Umfragen ist die Zufallsstichprobe". Sie sollte möglichst repräsentativ sein, damit aus den Antworten glaubwürdige Schlüsse auf die Gesamtheit der Wählerschaft zu ziehen sind.

"Im Tagesgeschäft ist eine repräsentative Stichprobe fast unmöglich", sagt Ennser-Jedenastik. Bestimmte Gruppen seien schwer erreichbar oder nicht auskunftswillig, das verändere die Gewichtung der gesammelten Antworten.

Was der Wissenschafter nicht sagt: Umfragen gehören zu jeder Wahlkampfstrategie, die Auftraggeber verfolgen eigene Interessen.

Die hundertprozentig richtige Umfrage gibt es am 24. April.

 

Was das Wahlgesetz alles vorschreibt

7,7 Millionen Stimmzettel werden für die Bundespräsidentenwahl am 24. April gedruckt. Wahlberechtigt sind zwar nur 6,4 Millionen Frauen und Männer, doch das Gesetz schreibt eine Reserve von 20 Prozent vor.

3600 Euro muss der Zustellbevollmächtigte des Kandidaten als Kostenanteil für den Wahlvorschlag in bar bezahlen oder den Zahlungsbeleg bei der Wahlbehörde vorweisen. Die Wahl kann auch nur der Bevollmächtigte anfechten.

3 berufliche Stationen gibt Irmgard Griss auf ihrem Wahlvorschlag an: pensionierte Höchstrichterin sowie Richterin am „International Commercial Court“ in Singapur und Schlichterin bei der Schlichtungsstelle für Verbrauchergeschäfte.

2 Jobs gibt Khol an: Nationalratspräsident a. D., Universitätsprofessor. Mit einer Berufsangabe begnügen sich Hundstorfer („Angestellter“), Hofer („Flugzeugtechniker“), Van der Bellen („Universitätsprofessor“) und Lugner („Baumeister“).

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Artikel Christoph Kotanko 26. März 2016 - 00:04 Uhr
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