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Glawischnig geht zu Novomatic, Grüne verstoßen langjährige Obfrau

WIEN. Ehemalige Spitzenpolitikerin wird "Verantwortungsmanagerin" des Glücksspielkonzerns Novomatic.

Eva Glawischnig setzt auf Novomatic: Grüne verstoßen die langjährige Obfrau

Glawischnig, Novomatic-Chef Neumann: Als Klubchefin bekam sie 15.100 Euro, "jetzt verdiene ich nicht mehr." Bild: APA/HERBERT-PFARRHOFER

Was tut Eva Glawischnig am ersten Arbeitstag bei Novomatic? Sie lässt die einarmigen Banditen in BanditInnen umbenennen.

Derartige Scherze gab es massenhaft, nachdem gestern der  Seitenwechsel der ehemaligen Grünen-Chefin  bekannt geworden war: Eva Glawischnig-Piesczek leitet beim niederösterreichischen Glücksspielkonzern Novomatic seit 1. März den Bereich "Corporate Responsibility und Sustainability". Sie übersetzt das mit "Verantwortungsmanagerin" und will sich bei einem der weltweit größten Glücksspielunternehmen um "ökologische und juristische Fragen sowie um verantwortungsvolles Spielen" kümmern.

Für ihre Parteifreunde war diese Bekanntgabe – zwei Tage vor der Kärntner Landtagswahl – ein gewaltiger Schock. Die Grünen sahen Novomatic stets äußerst kritisch.

Man werde "die Novomatic-Machenschaften weiterhin bekämpfen", erklärte der Wiener Klubobmann David Ellensohn.

Eine langjährige Klubkollegin von Glawischnig, Berivan Aslan, meinte: "Ich kann gar nicht sagen, wie enttäuscht ich bin."

Der EU-Abgeordnete Michel Reimon betonte, Novomatic sei "ein Konzern, der mit Süchtigen Profit macht und bekämpft gehört".

Reimon bereut es inzwischen, dass er vor einem Jahr Glawischnig als Parteichefin verteidigt hat: "Wenn du dich für jemanden in die Schusslinie stellst, schau drauf, dass du dich ein Jahr später nicht wie ein Volltrottel fühlst."

Protest wurde zum Sturm

Binnen weniger Stunden wurde der Protest zum Sturm, Rufe nach einem Parteiausschluss wurden laut; Bundessprecher Werner Kogler musste rasch handeln.

Am Nachmittag teilte er mit, Glawischnig lege ihre Mitgliedschaft bei den Grünen zurück. Als Privatperson könne sie tun, was sie wolle. Die Grünen würden sich weiter mit Novomatic anlegen.

Glawischnig hat ihre Meinung fundamental geändert. Im ORF ("Im Zentrum", 9. April 2017) sprach sie davon, "dass die, die Geld haben, Einfluss haben – wie Novomatic –, und auch wirklich Gesetze beeinflussen".

Jetzt ist sie von der "Internationalität" des Konzerns angetan.

Video: Die ehemalige Grünen-Chefin Eva Glawischnig wird Leiterin der Nachhaltigskeitsabteilung bei dem Glücksspielkonzern Novomatic. Ihre Parteimitgliedschaft legte sie zurück, teilte am Freitag Grünen-Bundessprecher Werner Kogler mit.

Ein geschäftstüchtiger Gründer und viele Ex-Politiker

Die Novomatic-Gruppe ist ein global agierender Glücksspielkonzern, ein Milliardenunternehmen mit Sitz in Gumpoldskirchen. Der Konzern hat 27.000 Mitarbeiter; er betreibt unter anderem Spielbanken, elektronische Casinos und Wettlokale.

Besitzer ist der gelernte Fleischhauer Johann F. Graf. Er startete 1974, als der Umstieg von elektromechanischen Slotmaschinen auf elektronische erfolgte. Sein damaliges Startkapital: 50.000 Schilling (3634 Euro). Vorstandsvorsitzender ist Harald Neumann.
Die Unternehmensgruppe verfügt über Standorte in 50 Staaten. Lobbying spielt in dieser Branche eine große Rolle.

Eva Glawischnig ist nicht die erste (Ex-)Politikerin, die bei Novomatic anheuert. EU-Kommissar Johannes Hahn war von 1997 bis 2003 in seiner Zeit als Wiener VP-Landtagsabgeordneter Novomatic-Vorstand. Der frühere SP-Innenminister Karl Schlögl saß von 2004 bis 2011 im Aufsichtsrat. Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer beriet Novomatic in Südamerika und Osteuropa.

 
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Artikel Christoph Kotanko 03. März 2018 - 00:05 Uhr
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