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Gewerkschaft warnt vor Lehrermangel an vielen Schulen

LINZ/WIEN. In den kommenden zehn Jahren wird die Hälfte der rund 120.000 Lehrer in Pension gehen. 

Lehrergewerkschafter Paul Kimberger warnt vor einem bevorstehenden Lehrermangel. Gründe sind höhere Geburtsraten und eine länger Studiendauer.   Bild: APA

Die Lehrer-Gewerkschaft warnt erneut vor einem bevorstehenden Lehrermangel in den kommenden Jahren. Der Vorsitzende der ARGE Lehrer in der GÖD, Paul Kimberger (FCG), rechnet damit, dass in den nächsten zehn bis zwölf Jahren rund die Hälfte der rund 120.000 Lehrer in Pension gehen. Schon im nächsten Schuljahr würden 2.000 bis 2.500 Pädagogen fehlen, so Kimberger im Ö1-"Morgenjournal".

Genau genommen gibt es diesen "Lehrermangel" bereits jetzt, zeigen diverse Anfragebeantwortungen der vergangenen Monate. Das heißt aber nicht, dass die Klassenzimmer leer bleiben. Vielmehr werden diese einerseits durch Überstunden der anderen Lehrkräfte bzw. durch Sonderverträge mit (noch) nicht ausgebildeten Lehrern besetzt.

Schon jetzt unterrichten 1000 Studierende

So unterrichten etwa schon derzeit an den Schulen rund 1.000 Studenten bzw. Uni-Absolventen, die noch über keine volle Lehrbefähigung verfügen - etwa weil sie das Unterrichtspraktikum (das von einem erfahrenen Lehrer begleitete Einstiegsjahr mit geringer Lehrverpflichtung) noch nicht bzw. noch nicht vollständig hinter sich gebracht haben. Verbreitet ist dies vor allem in Wien und Niederösterreich. Vereinzelt sind auch bereits pensionierte Lehrer im Einsatz - österreichweit allerdings nur 30, der Großteil davon in Vorarlberg.

Bei den Pensionen bzw. Neuanstellungen von Lehrern gibt es zahlreiche Unsicherheitsfaktoren: Derzeit gibt es insgesamt 126.000 Lehrer, exklusive der Karenzierten sind es 120.000. Nach den Prognosen des Bildungsministeriums gehen bis 2025 rund 33.000 Lehrer in Pension. Dem stehen knapp 35.000 prognostizierte Absolventen gegenüber.

Pro Jahr geht man dabei von 3.000 bis 4.000 Pensionierungen aus. Schwerer zu prognostizieren ist die Zahl der Absolventen. 2015/16 schlossen etwas weniger als 4.000 Personen ein Lehramtsstudium an den Pädagogischen Hochschulen (PH) ab, knapp 2.000 eines an den Universitäten. Künftig dürften es aber weniger werden: Angehende Volksschullehrer müssen statt eines dreijährigen Bachelorstudiums vier Jahre Bachelor- und (bis zur vollen Berufsberechtigung) ein Jahr Masterstudium absolvieren. An den Unis steigt die Studiendauer von neun auf zehn Semester.

Hohe Aussteigerquote droht

Das bedeutet, dass es im Pflichtschulbereich einerseits mindestens ein Jahr ohne Absolventen geben wird und andererseits die Gefahr von Drop-Outs steigt - je länger ein Studium dauert, desto höher die Gefahr eines Abbruchs. Dazu kommen steigende Geburtenzahlen: 2009 wurden etwas über 76.000 Kinder in Österreich geboren, 2015 bereits über 84.000 mit weiter steigender Tendenz. Das bedeutet einen ebenfalls steigenden Bedarf an Lehrern.

Entlastung wird es dagegen durch das neue Lehrerdienstrecht geben. Dieses tritt 2019 für alle neu eintretenden Pädagogen in Kraft und sieht im Pflichtschulbereich eine geringfügige, im Bereich der höheren Schulen eine deutlichere Erhöhung der Lehrverpflichtung vor.

Gleichzeitig bedeutet Lehrer aber nicht gleich Lehrer. Ein etwaiges Überangebot an Pädagogen etwa im Volksschulbereich hilft wenig in Mangelfächern wie Naturwissenschaften an den Neuen Mittelschulen und AHS.

In einer Anfragebeantwortung vor zwei Monaten sah man im Bildungsministerium etwa im Volksschulbereich keinen drohenden Lehrermangel. Hier gebe es sogar derzeit noch eine längere Warteliste. Im Bereich der Sekundarstufe sei ab 2019/20 dagegen tatsächlich ein "zusätzlicher Bedarf absehbar". Dieser sollte aber einerseits durch Quereinsteiger sowie durch in den neuen Ausbildungen mögliche Erweiterungen der Lehrbefähigung auf den angrenzenden Altersbereich abgedeckt werden.

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Artikel nachrichten.at/apa 19. Juni 2017 - 10:43 Uhr
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