14. April 2015 - 00:05 Uhr · Markus Staudinger · Innenpolitik

Die Todesmärsche der letzten Kriegswochen

Die Todesmärsche der letzten Kriegswochen

Marsch von Graz nach Mauthausen - im Bild Hieflau (Stmk.) Bild: APA/ Archiv Dall-Asen

Wie tausende ungarische Juden im April 1945 durch Oberösterreich getrieben wurden.

Die NS-Schreckensherrschaft sollte in diesen Apriltagen des Jahres 1945 zwar nur noch vier Wochen Bestand haben. Für tausende ungarische Juden aber war jede Minute eine zu viel.

Zwangseingesetzt zum Bau des „Südost-Walls“ – Hitlers letzter Verteidigungsversuch in der Steiermark und dem Burgenland –, wurden die ausgemergelten Männer und (wenigen) Frauen von SS-Wachmannschaften in Richtung des Konzentrationslagers Mauthausen getrieben, als die russische Armee näher rückte.

Todesopfer auf dem Weg – erschlagen, erschossen, verhungert – waren Teil des Plans.

Am 14. April über den Pyhrn

Einer dieser Todesmärsche querte am 14. April 1945 den Pyhrnpass. Rund 1000 Gefangene zählte die Kolonne, 13 von ihnen waren zuvor beim Abmarsch in Liezen erschossen worden.
Nächster Halt war Spital am Pyhrn. „1 KZ-ler wurde, weil er nicht mehr weiterkonnte, beim Lafer erschossen“, berichtet die Pfarrchronik von Spital.

Regenwürmer, Schnecken, Gras: Die völlig unterernährten Gefangenen verschlangen, was ihnen in die Finger kam – und das war nicht viel. „Wenn Spitaler diesen müden Juden etwas zu trinken geben wollten, haben die Bewacher das verboten“, zitiert der aus Spital stammende Soziologe Roland Girtler in seinem Buch „Aschenlauge“ die Aussage einer damals 35-jährigen Bäuerin.

Nahe Klaus gibt Mary Holzhausen den Gefangenen Kartoffeln, wie ihre Nachkommen berichten – es wird ihr beinahe selbst zum Verhängnis. Es gibt auch andere Beispiele: In Vorderstoder soll ein Bauer einen Juden erschossen haben. Er wird später (Juni 1945) vom amerikanischen Geheimdienst CIC verhaftet und begeht im Arrest Selbstmord.

Nach Klaus teilte sich dieser Marsch: Die Route des Hauptteils führte über Kirchdorf, Adlwang nach Sierning, Steyr, Mauthausen. 25 Opfer dieses Todesmarsches liegen auf dem Sierninger Friedhof begraben. Andere Märsche führen über das Ennstal nach Steyr.

Die Qualen der Überlebenden endeten in Mauthausen nicht. Das Lager war überfüllt, ein Großteil musste nach wenigen Tagen über Wels nach Gunskirchen weitermarschieren. Die Opferzahl auf dieser letzten Etappe war nochmals erschreckend hoch, Schätzungen belaufen sich auf bis zu 6000 Tote. Am 5. Mai wurde das Lager Gunskirchen von US-Truppen befreit, doch Seuchen und Entkräftung führten noch in den Tagen danach bei vielen zum Tod.

 

Gedenken an die Todesmärsche

Bereits am Sonntag, 12. April  abgehalten die Katholische Jugend Ennstal eine Lichterfeier entlang der Enns  - von Kleinreifling bis zur Mündung in Enns. 

Am  17. April um 17 Uhr gedenken  auf dem Hauptplatz in Kirchdorf/Krems (Treffpunkt vor der Post) die Grünen  der Todesmärsche.  Der Kirchdorfer Historiker Anton Aschauer , der  sich seit Jahren mit dem  Thema beschäftigt, liefert die historischen Hintergründe

23. April, 18.30: Gedenken an den Todesmarsch der ungarischen Juden und Jüdinnen beim jüdischen Mahnmal auf dem Friedhof Wels. Organisation: Mauthausen Komitee Österreich, Gedenkrede von Gerhard Haderer.

28. April, 8 bis 11 Uhr: Gedenkweg zum Todesmarsch der ungarischen Juden und Jüdinnen im April 1945 in Ansfelden. Schüler, Eltern und Lehrer gehen mit Trommeln, Steinen und Musikinstrumenten von der Schule zur Kremsbrücke.

29. April, ab 18 Uhr:  Gedenkfeier in Erinnerung an den Todesmarsch der ungarischen Juden und Jüdinnen an der Kremsbrücke in Ansfelden. Mit Bürgermeister Manfred Baumberger und der Zeitzeugin Leopoldine Grünbart.  Veranstaltet von der Plattform "Wider das Vergessen" Haid/Ansfelden, vom ÖGB Linz-Land und von Treffpunkt mensch & arbeit Nettingsdorf

 

Das geschah am 14. April 1945

Wien: Einen Tag nach der Befreiung Wiens durch die Sowjetarmee gründen Sozialdemokraten und Revolutionäre Sozialisten die SPÖ. Parteivorsitzender wird vorläufig keiner gewählt. Man will auf die Rückkehr von Karl Seitz warten, Parteichef und Wiener Bürgermeister bis 1934, den die Gestapo ins KZ Ravensbrück verschleppt hatte.

Nach wie vor wüten zahlreiche Brände in Wien. In manchen Bezirksteilen fällt zudem die Wasserversorgung ausfällt.

Linz: Adolf Eigruber, der Gauleiter von Oberdonau, wie Oberösterreich im NS-Regime hieß, hält eine Rundfunkansprache: „Oberdonau wird gehalten, der Führer kann sich auf uns verlassen.“

Potsdam: Am Abend des 14. April fliegt die britische Royal Air Force einen Bombenangriff – Codename Flusskrebs – auf Potsdam. 1593 Menschen sterben in dieser Nacht, darunter viele Flüchtlinge aus dem Osten.

 

 

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/innenpolitik/Die-Todesmaersche-der-letzten-Kriegswochen;art385,1743780
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