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Der erste Schritt zur Wiedergeburt

LINZ. Befreiung vor 70 Jahren: Am 13. April 1945 eroberte die Rote Armee Wien – ein Sieg mit Symbolkraft. Zwei Wochen später, am 27. April 1945, wurde die "Wiederherstellung Österreichs" proklamiert.

Der erste Schritt zur Wiedergeburt

Soldaten der Roten Armee auf dem Wiener Heldenplatz – eine Woche dauerte die Schlacht um Wien im April 1945. Bild: APA

"Bürger Wiens! Helft der Roten Armee bei der Befreiung der Hauptstadt Österreichs. Tragt Euren Teil zur Befreiung Österreichs vom faschistischen deutschen Joch bei".

Mit diesen Worten schloss der Oberbefehlshaber der 3. Ukrainischen Front, Marschall Fjodor Iwanowitsch Tolbuchin, am 6. April 1945 seinen Aufruf an die Bevölkerung Wiens. Am Tag zuvor hatte die Rote Armee ihren Angriff auf die Stadt begonnen.

Tolbuchins Aufruf blieb nicht ohne Wirkung. So notierte NS-Propagandaminister Joseph Goebbels am 10. April in seinem Tagebuch: "Es haben in der Stadt Aufruhraktionen in den ehemals roten Vororten stattgefunden. Jetzt müssen die härtesten Maßnahmen ergriffen werden, um die Dinge in Wien wieder zu bereinigen. Es handelt sich natürlich um Gesindel, das diese Aufstände veranstaltet, und dieses Gesindel muss zusammengeschossen werden."

Am selben Tag, als Goebbels diesen Tagebuch-Eintrag vornahm, kündigte Adolf Hitler an: "Berlin bleibt deutsch, und Wien wird wieder deutsch!"

Doch Hitlers Befehl zum Gegenangriff aus dem Raum St. Pölten und Semmering war geprägt vom galoppierenden Realitätsverlust des Diktators. Eine derartige Offensive war undurchführbar. Die Wehrmacht in und um Wien war in Auflösung.

Vernichtungsbefehl

Schon am 6. April hatte der Wiener Gauleiter Baldur von Schirach den Befehl "Lähmung" ausgegeben, der bedeutete, dass alle wichtigen Einrichtungen der Stadt vor Eintreffen der Russen vernichtet werden sollten. Doch viele Wiener, angefangen bei Bürgermeister Hanns Blaschke, boykottierten diese Politik der verbrannten Erde. Nicht vermieden werden konnte, dass die Wiener Feuerwehr mit 3700 Mann und 600 Fahrzeugen aus der Stadt abgezogen wurde. Mit ein Grund dafür, dass am 8. April der Dachstuhl des Stephansdoms einem Großbrand zum Opfer fiel.

"Operation Radetzky"

Widerstand regte sich aber nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in der Wehrmacht: Anfang April hatte eine Gruppe österreichischer Wehrmachtsangehöriger um Major Carl Szokoll beschlossen, die von Hitler geplante Zerstörung der Stadt zu verhindern und eine kampflose Übergabe an die Rote Armee zu sichern.

Szokoll – er gehörte der Widerstandsgruppe um den Deutschen Claus Graf Schenk von Stauffenberg an, die am 20. Juli 1944 das Attentat auf Hitler durchführte – beauftragte Oberfeldwebel Ferdinand Käs, dem sowjetischen Oberkommando die Pläne für die so genannte "Operation Radetzky" zu überbringen. Käs gelang das Husarenstück, er schlug sich am 2. April nach Hochwolkersdorf zur Kommandostelle der Roten Armee durch. Die hohen sowjetischen Offiziere reagierten positiv.

In der Nacht zum 6. April lief die "Operation Radetzky" an – zunächst planmäßig. Doch als eine Widerstandsgruppe um Major Karl Biedermann den Radiosender am Bisamberg einnehmen wollte, schöpfte ein regimetreuer Offizier Verdacht. Die Operation musste abgebrochen werden, Biedermann und die Offiziere Rudolf Raschke und Adolf Huth wurden verhaftet, von einem Standgericht zum Tode verurteilt und am 8. April öffentlich an Laternen gehenkt. Es war ein letztes sinnloses Morden der Nationalsozialisten.

Wenige Tage später, am 13. April 1945, war die Schlacht vorbei und Wien befreit. In Moskau wurden an diesem Tag zu Ehren der Roten Armee aus 324 Geschützen 24 Salven Salut geschossen – auf Anordnung von Josef Stalin. Für ihn war es ein prestigeträchtiger Sieg.

Für die meisten Wiener bedeutete dieser Tag das Ende des Krieges und das Glück, ihn überlebt zu haben. Für Österreich war es der erste Schritt auf dem Weg zur Zweiten Republik.

 

1945 - Das Kriegsende in Österreich:



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Artikel Wolfgang Braun 11. April 2015 - 00:05 Uhr
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