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"Der Eurofighter ist Geschichte": Doskozil sucht neue Jets für das Heer

WIEN. Verteidigungsminister verspricht Milliarden-Einsparung durch Umstieg ab 2020.

"Der Eurofighter ist Geschichte": Doskozil sucht neue Jets für das Heer

Minister Doskozil und Airchief Gruber: Der Eurofighter ist zu teuer und nicht voll einsatzfähig. Bild: APA/HANS KLAUS TECHT

"Der Eurofighter ist also Geschichte", ein Umstieg auf ein neues Flugzeugsystem sei militärisch effektiver und deutlich kostengünstiger. Mit dieser abschließenden Beurteilung öffnete Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SP) eineinhalb Jahrzehnte nach der Typenentscheidung am Freitag das letzte Kapitel in der skandalumwitterten Geschichte der Austro-Eurofighter – vorerst.

Denn Doskozil wird zwar nach der nun vorliegenden Empfehlung der Sonderkommission um Airchief Karl Gruber den Generalstab anweisen, "ab sofort" den Umstieg samt Beschaffungsprozess einzuleiten. Ob tatsächlich Österreichs Luftraumüberwachung ab 2020 ohne Eurofighter auf völlig neue Beine gestellt wird, ist aber angesichts des Wahltermins am 15. Oktober die Entscheidung der nächsten Regierung.

Schelling ist für alles offen

Aus der ÖVP, die einst mit der FPÖ den Eurofighter bestellt hat, kamen gestern vorsichtig zustimmende Signale: "Ich bin für alles offen, was für den Steuerzahler Einsparungen bringt, so lange Sicherheit und Neutralität gewährleistet sind", sagte Finanzminister Hans Jörg Schelling. Wichtig sei jedenfalls ein transparenterer Prozess als beim von Doskozils Vorgänger Norbert Darabos (SP) verhandelten Eurofighter-Vergleich.

Für Darabos, der 2007 für eine Preisreduktion die alte Tranche I akzeptiert sowie die Jets um wichtiges Zubehör zur Nachtkampftauglichkeit und Pilotensicherheit abgespeckt hatte, fiel der Heeresbericht fatal aus. Diese Eurofighter seien genau deshalb "nur eingeschränkt einsatzfähig". Die immer wieder notwendige Nachrüstung berge ein hohes Kostenrisiko.

Dazu käme der Faktor, den schon Darabos geerbt hat: die ohnehin hohen Betriebskosten, die sich bei einer Laufzeit von 30 Jahren mit bis zu 5,1 Milliarden Euro (einschließlich des Kaufpreises von 1,6 Milliarden Euro) niederschlagen würden.

Kostentreibend sei zudem, die aktive Luftraumüberwachung weiter mit zwei Systemen, derzeit Eurofighter und Saab 105, zu organisieren. Die Empfehlung der 30-köpfigen Kommission daher: Umstieg auf eine einzige bewaffnete Abfangjägerflotte mit 15 einsitzigen Überschalljets und drei Doppelsitzern. Letztere werden zur Ausbildung gebraucht, die derzeit im Ausland stattfindet, und sollen so zur Kostenreduktion beitragen. Weiter festhalten will man an den Standorten in Zeltweg und in Hörsching.

Bei der Neuanschaffung rät die Kommission zu einem Geschäft "Regierung zu Regierung" statt der langwierigen Ausschreibung. Als wahrscheinlich gilt eine Leasing-Variante, mit neuen oder auch gebrauchten Flugzeugen.

Als viel zu teuer und damit "dem Steuerzahler nicht mehr zumutbar" habe man den Weiterbetrieb der Eurofighter endgültig verworfen, erklärte der Verteidigungsminister. Mit der nun angestrebten Alternative seien über den Lebensdauerzyklus von 30 Jahren Einsparungen von bis zu 2,3 Milliarden Euro möglich. Und das bei dann voller militärischer Einsatzfähigkeit.

Zurückhaltend blieb Doskozil in seiner Kritik an Parteifreund Darabos. Auf die Nachtflugtauglichkeit zu verzichten, sei aber "nicht glücklich gewesen". Dass das Eurofighter-Aus dem Wahlkampf geschuldet sein könnte, stellte der Minister in Abrede. Völlig offen ist, ob man die 15 Eurofighter an den Mann bringen kann. Er rechne jedenfalls mit Schadenersatzleistungen, verwies Doskozil auf die Betrugsanzeige gegen Airbus.

Den Bericht der Sonderkommission zur Luftraumüberwachung finden Sie hier:



PDF Datei (741.14 KBytes.)

 

 

Video: SPÖ-Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil von der SPÖ will die Luftraumüberwachung neu ordnen. Das heißt, die Eurofighter könnten in Österreich bald ein Auslaufmodell sein.

 

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Artikel Lucian Mayringer 08. Juli 2017 - 00:04 Uhr
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