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70 Jahre Kriegsende: Die tödlichen Parolen des August Eigruber

Wie der NS-Gauleiter Jagd auf Fahnenflüchtige machen ließ – und später selbst die Flucht antrat.

Die tödlichen Parolen des August Eigruber

NS-Gauleiter August Eigruber Bild: (Archiv)

Im Westen rückten von Deutschland kommend die Amerikaner vor, im Osten waren die Russen schon bis St. Pölten vorgestoßen.

Im "Gau Oberdonau, der Heimat des Führers", wie die Nationalsozialisten Oberösterreich nannten, wandte sich Gauleiter August Eigruber (38) Mitte April 1945 dennoch fast täglich in Rundfunk-Appellen mit Durchhalteparolen an die Bevölkerung.

So grotesk die Parolen angesichts der Lage waren, sie hatten tödliche Folgen: Eigruber ließ sogar Wohnungen durchsuchen, um Fahnenflüchtige aufzuspüren. Soldaten, die nicht bei ihrer Einheit angetroffen wurden, wurden standrechtlich erschossen.

Versteckt auf der Saukogl-Alm

"SS-Mann, getürmt am 15. April, erhängt am 16. April" stand auf einer Tafel neben zwei Leichen, die an der Ennsbrücke hingen – nur zwei Beispiele von vielen.

Später sollte Eigruber das nicht hindern, am 4. Mai selbst die Flucht aus Linz anzutreten, als US-Truppen vor der Landeshauptstadt standen. Von Kirchdorf/Krems aus hielt Eigruber seine letzten Rundfunkansprachen, dann versteckte er sich mit falschen Papieren als "Bernhard Gruber" in den Bergen zwischen Roßleithen, Vorderstoder und St. Pankraz. "Unter anderem in der Hütte auf der Saukogl-Alm", sagt der Windischgarstener Historiker Rudolf Stanzel.

Verhaftet wurde Eigruber erst am 10. August 1945. Er hatte sich an zwei ehemalige HJ-Führer gewandt, die ihm einen falschen Pass und einen Fluchtwagen besorgen sollten. Die beiden verrieten ihn. Bei einer Straßensperre in Steyrling wurde Eigruber von den Amerikanern festgenommen. "August Eigruber ist stark abgemagert, er ist aber noch so arrogant wie früher", berichteten die OÖNachrichten.

Im Mauthausen-Prozess in Dachau wurde Eigruber im Mai 1946 zum Tode verurteilt und ein Jahr später in Landsberg am Lech gehängt.

Eigruber, gebürtiger Steyrer und gelernter Feinmechaniker, war Nationalsozialist der ersten Stunde. Schon 1922 – da war er 15 – war er der Nationalsozialistischen Arbeiterjugend beigetreten. Als Hitler 1938 in Österreich einmarschierte, wurde Eigruber mit 31 der jüngste Gauleiter der "Ostmark".

Eigruber hinterließ sechs Kinder und Gattin Johanna. Sohn Hermann, geboren 1930, engagierte sich später in der FPÖ. Der Trauner war in den 1980er-Jahren Chef des Rings Freiheitlicher Wirtschaftstreibender (RFW) und saß im Nationalrat. Vor zwei Jahren starb Hermann Eigruber. "Leben mit der Last der Vergangenheit" betitelten die OÖNachrichten den Nachruf auf ihn.

 

Das geschah am 16. April 1945

Berlin
Die Rote Armee leitet mit einem Zangenangriff die Schlacht um Berlin ein. Der Kampf um die deutsche Hauptstadt dauert bis zum 2. Mai. Schätzungen zufolge sterben dabei mehr als 170.000 Soldaten und mehrere zehntausend Zivilisten.
Wien
Im Wiener Rathaus wird über die Bildung einer Stadtregierung verhandelt. ÖVP und KPÖ anerkennen die SPÖ als führende Kraft. In der SPÖ einigt man sich nach langen Diskussionen auf General Theodor Körner als Bürgermeister. Er wird tags darauf zum Stadtchef bestellt. Auch nach den ersten Wahlen bleibt Körner Bürgermeister (bis 1951). Von 1951 bis zu seinem Tod 1957 ist er Bundespräsident.
Buchenwald
Auf Befehl von US-General George S. Patton müssen 1000 Weimarer Bürger das am 12. April befreite Konzentrationslager Buchenwald mit den dort vorgefundenen Leichen besichtigen.

 

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Artikel Markus Staudinger 16. April 2015 - 00:04 Uhr
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