Die anstehende Pensionsreform wurde ab Dienstagnachmittag im Parlament in Paris diskutiert. Die Begleitmusik spielte zuvor auf den Straßen. Schon vor der Hauptkundgebung in Paris gingen rund 270.000 Menschen auf die Straße, wie das Innenministerium mitteilte. Die Gewerkschaften hatten gemeinsam zu einem landesweiten Aktionstag aufgerufen.
Bei den Pariser Verkehrsbetrieben löste der ganztägige Streik erhebliche Behinderungen aus, an den Hauptstadtflughäfen Charles de Gaulle und Orly fiel bis zum Abend jeder vierte Flug aus. Daneben trafen die Ausstände auch Schulen und Krankenhäuser. In Regierungskreisen hieß es, die Ausfälle hätten bei weitem nicht das von den Gewerkschaften angekündigte Ausmaß erreicht.
Der Protest richtete sich gegen die Anhebung des im Europavergleich niedrigen gesetzlichen Pensionsalters von 60 auf 62 Jahre, eine der wichtigsten Reformen von Staatschef Nicolas Sarkozy. Mit dem Umbau will Präsident Nicolas Sarkozy einen Kollaps des Pensionssystems verhindern und das Budgetdefizit in den Griff bekommen. Die Umfragewerte Sarkozys liegen derzeit nur knapp über ihrem Allzeit-Tief. Dies allerdings hauptsächlich wegen einer Reihe von Skandalen, in die Regierungsmitglieder verwickelt sind.
Vor allem der für die Pensionsreform zuständige Budgetminister Eric Woerth ist wegen des Vorwurfs der Beteiligung an einem Parteispendenskandal und an unzulässigen Begünstigungen rund um die Millionärin Bettencourt zum Buhmann geworden. Woerth musste bereits mehrmals vor Gericht aussagen.
Die Debatte in der Nationalversammlung über das Vorhaben, das die Regierung im Juli verabschiedet hatte, geriet heftig. Minister Woerth verteidigte die von der sozialistischen Opposition als ungerecht angeprangerte Reform. Es gehe nicht um Positionen von links oder rechts sondern um eine angesichts der höheren Lebenserwartung notwendige Anpassung.
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