3,8 Milliarden Euro wollen Großbritannien und die Niederlande von Island haben. Sie hatten mit dem Geld Anleger aus ihren Ländern entschädigt, deren Kapital beim isländischen Bankencrash 2008 verlorengegangen war. Zumindest die Niederlande haben angedroht, man könnte beim angestrebten EU-Beitritt Islands auf der Bremse stehen, wenn es keine Einigung mit Reykjavik gibt. Island erkennt die Verpflichtung, die Schulden zu tilgen, durchaus an. Aber das Land muss jetzt bessere Konditionen mit London und Den Haag aushandeln.
Jahrelang war ein EU-Beitritt in Island kein Thema gewesen. Unter anderem wollten sich die Isländer nicht der EU-Politik beim Fischfang unterordnen. Mit der globalen Finanzkrise, die den 320.000-Einwohner-Staat besonders hart traf, änderten sich 2008 die Bedingungen: Die isländische Krone verlor viel an Wert. Eine stabile Währung wäre laut Ökonomen für eine Erholung der isländischen Wirtschaft notwendig.
So gewannen die EU und vor allem der Euro an Attraktivität. Die neue rot-grüne Regierung in Reykjavik reichte im Juli 2009 einen Beitrittsantrag in Brüssel ein. Vor zwei Wochen empfahl die EU-Kommission, Verhandlungen aufzunehmen.
Kritiker verweisen darauf, dass Island derzeit nicht in der Lage sei, der Euro-Gruppe beizutreten. Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 14,4 Prozent und die Gesamtverschuldung bei 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – also höher als in Griechenland. Dazu kommt, dass der Streit mit den EU-Staaten Großbritannien und Niederlande den EU-Beitritt bei den ohnehin skeptischen Isländern noch unpopulärer gemacht hat. Umfragen sahen zuletzt die EU-Befürworter wieder in der Minderheit.
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