Massud Ali Mohammadi war auf dem Weg zur Arbeit, als er von einer in einem Motorrad versteckten Bombe in den Tod gerissen wurde. Der 50 Jahre alte Atomwissenschaftler lehrte an der staatlichen Universität von Teheran. Ob er mit dem umstrittenen iranischen Nuklearprogramm in Verbindung stand, ist nicht bekannt. Mohammadi soll sich mit experimenteller Wissenschaft befasst haben. Webseiten der Regierung bezeichneten den Atomwissenschaftler als „guten Revolutionär“, der einem „Terroranschlag von Elementen der Arroganz“ zum Opfer gefallen sei. Es gebe Anzeichen dafür, dass das „Dreieck der Boshaftigkeit“ – womit Israel, die USA und deren Agenten gemeint sind – hinter dem Terrorakt stecke, behauptete das Außenministerium.
Rückschlag für Spionage?
Die iranische Opposition machte auf ihren Webseiten sowie Internetblogs dagegen „Elemente des Regimes“ für die Tat verantwortlich und wies darauf hin, dass sich der Ermordete vor den iranischen Präsidentschaftswahlen in einer von 240 Wissenschaftlern unterzeichneten Petition für den Kandidaten Mir Hossein Moussawi ausgesprochen habe. Es sei aber „abwegig“, daraus eine Verwicklung des Regimes abzuleiten, betonen politische Beobachter, die gleichwohl darauf hinweisen, dass die Mordtat dem Propaganda-Apparat der Regierung kurzfristig in die Hände spiele.
Der im Iran geborene und heute in Tel Aviv lebende Geheimdienstfachmann Meir Javadanfar betrachtet den gestrigen Mordanschlag dagegen als „schweren Rückschlag für die iranische Gegenspionage“. Es sei offensichtlich, dass „sich in den iranischen Geheimdiensten ein Maulwurf befinde“, sagte Javadanfar – und erinnerte an das mysteriöse Verschwinden des iranischen Atomwissenschaftlers Shahram Amiri im Juni 2009. Vier Monate später hatten „westliche Geheimdienstquellen“ die Existenz einer (zweiten) iranischen Urananreicherungsanlage enthüllt. Weiter ungeklärt sind auch „das Verschwinden“ des ehemaligen Revolutionsgardistengenerals und Vize-Verteidigungsministers Ali Resa Asghari in der Türkei sowie die tödliche Gasvergiftung des iranischen Atomphysikers Ardeshir Hosseinpour im Jahr 2007.
Es ist daher nicht weiter erstaunlich, dass das Teheraner Regime wieder einmal eine „westlich-zionistische Verschwörung“ wittert. Der Westen und vor allem Israel befürchten, dass der Iran seine Urananreicherung zum Bau von Atombomben nutzen könnte – und haben neben Sanktionen auch den Einsatz von militärischer Gewalt nicht ausgeschlossen.
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