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Weltuntergangs-Ansagen und offene Fragen zum Klimawandel

KOPENHAGEN. Klimakämpfer übertrumpfen einander wenige Tage vor der UNO-Konferenz mit Katastrophenszenarien. Weite Teile der Erde würden unbewohnbar. Doch in Wahrheit sind grundsätzliche Fragen offen.

Die Weltpresse zitiert beinahe täglich neue schauderhafte Erkenntnisse über den Klimawandel. Es werde das schlimmste aller bisher vom UNO-Gremium IPCC (International Panel of Climate Change) gezeichneten Szenarien eintreffen: durchschnittlich sechs Grad Erderwärmung bis 2100, an den Polen noch stärker.

Der Grund: Der CO2-Ausstoß durch fossile Brennstoffe sei zuletzt um drei Prozent pro Jahr gestiegen, gegenüber einem Prozent in den Neunzigerjahren. Bei plus sechs Grad Celsius würden „weite Teile der Erde unbewohnbar“, die Zivilisation gefährdet.

Während der Klimawandel nicht zu leugnen, weil für jedermann spürbar ist, sind die Zusammenhänge wenig erforscht. „Da wir die Mechanismen des Klimawandels nicht voll verstehen, ist auch nicht sicher, wie sich die Temperatur und die Niederschläge ändern werden – sicher ist nur, dass sie sich ändern werden“, stellte Richard Tol, der in Amsterdam zur Ökonomie des Klimawandels forscht, fest. Er hat im IPCC mitgewirkt.

Stern-Bericht ungeprüft

Er verweist auf rund 300 Studien, deren Aussagen „sehr weit auseinanderliegen“. Interessanterweise treffe das bei nicht kontrollierten Studien stärker zu als bei solchen in Fachzeitschriften mit unabhängiger Qualitätskontrolle. Den berühmten Stern-Bericht zählt Tol zu den ungeprüften, mit starken Ausreißern. Die geprüften Studien würden keine „Weltuntergangsrhetorik“ aufweisen.

Die errechneten volkswirtschaftlichen Schäden sind laut Tol niedrig. Bis 2100 werde ein Minus von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwartet – das Ausmaß einer einzigen Jahreswachstumsrate. Schlimmstes Szenario sei das Zehnfache: Das sei auf einen relativ langen Zeitraum das Volumen einer einzigen „tiefen Rezession“, sagt Tol.

Während eine wissenschaftliche Front und vor allem die Vertreter der großen Umweltorganisationen die durch Menschen verursachten Treibhausgase als das alleinige Übel identifiziert haben, sieht die Gegenfraktion gerade diesen Zusammenhang als nicht erwiesen an, zumindest im Ausmaß nicht. Natürliche Ursachen (etwa Sonnenstrahlung) hätten stärkere Wirkungen auf das Klima; das würden Kalt- und Warmzeiten belegen. Die Treibhausgase seien aber zu senken.

Welche Lobby spricht?

Die jüngsten Horroraussagen kommen von der University of East Anglia. Sie war auch bei den Schlagzeilen über manipulierte Klimadaten dabei: Hacker wollen E-Mails mit gefälschten Klimadaten gefunden haben. Eine Schlüsselfrage zum Klimawandel dürfte daher sein: Welche Lobby manipuliert welche Meldungen?

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Artikel 04. Dezember 2009 - 00:04 Uhr
Von Josef Lehner
Bild vergrößern Pessimistische Klima-Prognosen

Bild: APA (epa)

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