Demnach stieg die Zahl der Hungerleidenden 2009 als Folge der Krise auf 1,02 Milliarden. Das entspricht beinahe jedem sechsten Erdbewohner. Damit steht die Realität im krassen Gegensatz zu den im Jahr 2000 formulierten Millenniums-Zielen, in denen die UNO ursprünglich angestrebt hatten, den Hunger bis 2015 zu halbieren.
„Es sind alle Länder betroffen, und wie immer leiden die hilflosesten Bevölkerungen am meisten“, sagte FAO-Chef Jacques Diouf. Die überwiegende Mehrheit der vom Hunger betroffenen Menschen lebt demnach in Entwicklungsländern, die meisten von ihnen im Asien-Pazifik-Raum.
Hunger auch in reichen Staaten
Dort sind 642 Millionen Menschen unterernährt. In Afrika südlich der Sahara sind es 265 Millionen Menschen, in Lateinamerika 53 Millionen, im Nahen Osten und in Nordafrika insgesamt 42 Millionen. In den Industrienationen leiden 15 Millionen Menschen Hunger.
„Was fehlt, ist der politische Wille, den Hunger für immer auszumerzen“, sagt FAO-Chef Jacques Diouf. Dabei seien die technischen und ökonomischen Voraussetzungen durchaus gegeben. So wie die Mächtigen der Welt „schnell, gemeinsam und kraftvoll“ auf die Weltwirtschaftskrise reagiert hätten, sei nun „derselbe starke Einsatz gefragt, um den Hunger zu bekämpfen“. Der Leiter der OECD-Abteilung für Handel und Landwirtschaft, Ken Ash, ergänzte gegenüber den Medien, es sei möglich, die gesamte Weltbevölkerung sogar dann ausreichend zu ernähren, wenn sie auf zwölf Milliarden Menschen anwachsen sollte.
Die Finanzkrise gehe einher mit einer weltweiten starken Preissteigerung bei Grundnahrungsmitten, sagt die FAO. Bereits vor der Finanzkrise sei die Zahl der unterernährten Menschen in diesem Jahrzehnt kontinuierlich angewachsen. Gleichzeitig sei die für die Landwirtschaft bestimmte Entwicklungshilfe „erheblich“ reduziert worden.
Somit hat die Finanz- und Wirtschaftskrise das Hungerproblem weiter verschärft. Die armen Familien hätten nämlich schon vorher ihr Hab und Gut verkauft, ihren Lebensmittelkonsum reduziert und bei essenziellen Ausgaben wie Gesundheit und Bildung gespart, heißt es im FAO-Bericht. „Nun riskieren sie angesichts hoher Nahrungsmittelpreise, niedrigerer Einkommen und erhöhter Arbeitslosigkeit, immer tiefer in die Hunger-Armuts-Falle zu stürzen.“
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