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Harte Kritik an deutscher Regierung nach Luftangriff in Afghanistan

BERLIN. Innen- und außenpolitisch steht Deutschlands Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) nach dem verheerenden Luftangriff in Afghanistan unter Druck. Er bleibt aber dabei, dass bei der von der Bundeswehr verantworteten Attacke nur Taliban-Rebellen getötet wurden.

Die Bundeswehr gehe derzeit von 57 Toten bei dem Angriff in der nordafghanischen Provinz Kunduz aus, sagte Jung. Damit widersprach er Meldungen, wonach die NATO bis zu 125 Tote bei dem Angriff auf zwei entführte Tankwagen zählt. Zudem ist außerhalb der Bundeswehr durchaus von zivilen Toten die Rede.

International muss die Bundeswehr deutliche Kritik einstecken. Frankreichs Außen-minister Kouchner bezeichnete die Attacke zweier US-Kampfflugzeuge nach deutscher Anforderung als „großen Fehler“. Spaniens Premier Zapatero sagte, der Angriff sei „nicht hinnehmbar“. Die EU spricht offiziell von einer Tragödie. Die USA zeigten sich „sehr besorgt“. Ein deutscher Offizier sagte dazu anonym, es dränge sich der Eindruck auf, „dass die Amerikaner kräftig Wind machen, um die Deutschen in die Ecke der Bösen zu zerren, damit es dort für die Amerikaner nicht so einsam ist“.

Innenpolitisch platzte die Aufregung um den Angriff in den deutschen Bundestagswahlkampf. Grüne und Linke griffen am Wochenende Jung und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Jürgen Trittin, sagte, Merkel müsse ihren „überforderten Verteidigungsminister an die Kette legen und selbst die politische Verantwortung übernehmen“. Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach sich dafür aus, den Bundeswehreinsatz in Afghanistan in fünf Jahren zu beenden.

In Afghanistan meldeten sich die radikalislamischen Taliban zu Wort und schworen Rache. Sie hatten am vergangenen Donnerstag die zwei Tanklastwagen entführt. Ein deutscher Offizier forderte daraufhin den Luftangriff an. Nach verschiedenen Augenzeugenberichten hatten die Taliban aber entweder Zivilisten gezwungen, die steckengebliebenen Fahrzeuge anzuschieben, oder die Menschen waren gekommen, um sich Treibstoff zu holen.

Es ist in Afghanistan der bisher blutigste Angriff unter deutscher Verantwortung. Bislang galt die Bundeswehr als eher zurückhaltend bei der Anwendung von Gewalt. In Deutschland ist der Einsatz der Bundeswehr im Rahmen der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) umstritten.

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Artikel 07. September 2009 - 00:04 Uhr
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Bild: Reuters

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