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Papst: "Europa soll seine gute Seele wiederfinden"

STRASSBURG. Papst Franziskus ermahnt das EU-Parlament und den Europarat, sich auf ihre Ideale zu besinnen.

Papst: "Europa soll seine gute Seele wiederfinden"

Papst Franziskus redete Europa ins Gewissen. Bild: Reuters

Er komme als Hirte, sagte Papst Franziskus gestern bei seiner Rede im EU-Parlament in Straßburg. An die europäischen Bürger wollte er sich "mit einer Botschaft der Hoffnung und der Ermutigung" richten. Über weite Strecken war es auch eine Mahnung.

Kritisch äußerte sich der Papst zur Flüchtlingspolitik. "Man kann nicht hinnehmen, dass das Mittelmeer zu einem großen Friedhof wird", sagte Franziskus. Als Gefahr sehe er, dass die gegenseitige Unterstützung innerhalb der Union fehle. Die EU müsse geeignete Gesetze finden, um gleichzeitig die Rechte der Europäer zu sichern und die Aufnahme von Migranten zu garantieren. Außerdem solle Europa in den Herkunftsländern "helfen, anstatt Politik der Eigeninteressen zu betreiben".

Es war das erste Mal seit einem Vierteljahrhundert, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche vor dem Europaparlament sprach. Seit der Rede von Johannes Paul II. im Jahr 1988 habe sich die Welt verändert, sagte er. Sie sei komplexer und werde immer vernetzter – und weniger eurozentriert.

Europas Krankheit: Einsamkeit

War es 1988 noch die Freiheit, die Papst Johannes Paul II. vor dem Europaparlament beschwor, war es in der Rede von Franziskus die Würde des Menschen. Dabei sei es wichtig, sich nicht nur auf die Menschenrechte des Einzelnen zu konzentrieren, sondern auf das Gemeinwohl. Der Papst kritisierte in diesem Zusammenhang "egoistische Lebensstile, die durch einen mittlerweile unhaltbaren Überfluss gekennzeichnet sind". Die Einsamkeit sei eine der Krankheiten, die sich in Europa am meisten verbreiten würden, mahnte der Papst. Das werde sichtbar bei alten Menschen, bei Jugendlichen, die keine Perspektive sehen, aber auch in den Augen der Migranten, die auf der Suche nach einer besseren Zukunft nach Europa gekommen sind. Kritik übte der Papst auch an den Institutionen. Im Mittelpunkt der politischen Debatte würden heute technische und wirtschaftliche Fragen vorherrschen. "Die großen Ideale, die Europa inspiriert haben, scheinen ihre Anziehungskraft verloren zu haben zugunsten von bürokratischen Verwaltungsapparaten." Die EU-Abgeordneten sollten daran arbeiten, dass Europa "seine gute Seele wiederentdeckt".

Auf den Geist der Gründerväter kam der Papst auch in seiner Rede vor dem Europarat zu sprechen, die er kurz nach jener im EU-Parlament hielt. "Sie verstanden, dass der Friede ein Gut ist, das fortwährend errungen werden muss." Auch wenn der Papst nicht namentlich auf Länder einging, sprach er doch den Konflikt in der Ukraine an. "Wie viel Schmerz und wie viele Tote gibt es noch in diesem Kontinent, der den Frieden herbeisehnt!" Die Suche nach einer politischen Lösung auf Ebene des Europarates bezeichnete der Papst dabei als "ermutigend".

Der Besuch in Straßburg war mit vier Stunden die kürzeste Papstreise, die es je gab. Sie war von enormen Sicherheitsvorkehrungen begleitet, 1000 Polizisten waren im EU-Viertel im Einsatz. (pack)

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Artikel 26. November 2014 - 00:05 Uhr
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