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Nicht "Putin bye bye", sondern "Putin Babei"

Auf Wladimir Putins Jahrespressekonferenz huldigten ihm gestern 1640 akkreditierte russische Journalisten.

Nicht "Putin bye bye", sondern "Putin Babei"

Wladimir Putin bei seiner traditionellen Jahresabschluss-Pressekonferenz Bild: APA/AFP/ALEXANDER NEMENOV

Es wird geklatscht, der Präsident springt mit zwei Sätzen auf die Bühne, vor den riesigen Bildschirm, der goldgelb leuchtet. Wladimir Putin beginnt seine 13. Jahrespressekonferenz als russischer Staatschef gewohnt dynamisch.

"Warum ist nach 20 Jahren unter ihrer Regierung kein einflussreicher Oppositionskandidat aufgetaucht", fragt ein Reporter des kremlnahen TV-Kanal Life. Doch der schlägt vor, einer anderen Journalistin das Wort zu geben: "Um ihre Frage zuzuspitzen, ich sehe hier eine Frau mit Plakat. Auf dem steht ,Putin bye bye’." Der 65-Jährige demonstriert von Anfang, dass er keine kritischen Stimmen fürchtet. Die Frau, eine Tatarin, verbessert ihn nur: "Hier steht ,Putin Babai’, das heißt ,Väterchen Putin’. So nennen sie die Kinder bei uns."

Die "Große Pressekonferenz Putins", wie die Staatsmedien sie nennen, hat ihre eigenen Dimensionen und Rituale. Der Staatschef antwortete 3:42 Stunden auf 65 Fragen von 1640 akkreditierten Journalisten – Rekord.

Langweiliger Wahlkampf?

Ob er mangels ernster Konkurrenten einen langweiligen Wahlkampf erwartet? "Warum gibt es bei uns scheinbar laute und aktive Oppositionspolitiker, die aber keine reale Konkurrenz darstellen?", sagt Putin. Das Bruttosozialprodukt sei seit dem Jahr 2000 um 75 Prozent gestiegen, die Industrieproduktion um 60 Prozent, die Gehälter 3,6 Mal, die Kindersterblichkeit aber 2,6 Mal gefallen. "Für eine nennenswerte Opposition ist es wichtig, nicht nur auf den Straßen Krach zu schlagen oder über das volksfeindliche Regime zu schimpfen. Wichtig ist, etwas vorzuschlagen, um es besser zu machen."

Erst vergangene Woche hatte Putin seine Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen im März angekündigt. Aber da er es ablehnt, an TV-Debatten teilzunehmen, stellte diese Veranstaltung einen der letzten öffentlichen Termine vor dem Wahlgang dar, wo Putin unangenehme Fragen drohen könnten.

Rechnerisch hat jeder Reporter eine Chance von knapp vier Prozent, zu Wort zu kommen. Wie jedes Jahr im Dezember huldigt Russlands journalistisches Volk seinem Zaren. Und der zeigt sich großmütig, stellt mehr Kinderkrippenplätze oder höhere Gesundheitsausgaben in Aussicht.

Die an Langweile grenzende Harmonie kippt in so etwas wie Spannung, als die Fernsehmoderatorin Xenia Sobtschak, die im März kandidieren will, das Mikrofon bekommt: Putin habe keine ernsthaften Konkurrenten, weil diese entweder nicht zu Wahlen zugelassen oder massiv behindert würden, sagt sie. "Es gibt zum Beispiel Alexej Nawalny, gegen den fiktive Strafverfahren eingeleitet wurden, die der Europäische Gerichtshof als rechtswidrig bezeichnet hat."

Putin ignoriert beide und sagt: "Was die Figuren angeht, die Sie erwähnt haben: Wollen Sie etwa, dass bei uns Leute wie Saakaschwili in der Ukraine herumlaufen?" Sobtschak, inzwischen ohne Mikrofon, ruft eine nicht mehr verständliche Antwort. Damit endet die Debatte, bevor sie angefangen hat.

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Artikel Stefan Scholl aus Moskau 15. Dezember 2017 - 00:04 Uhr
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