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Merkel lehnt zweites TV-Duell mit Schulz ab

BERLIN. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gibt ihrem Herausforderer Martin Schulz nach dessen Aufforderung zu einem zweiten TV-Duell einen Korb.

TV-Duell

Kanzlerin Angela Merkel und ihr SPD-Herausforderer Martin Schulz Bild: (Reuters)

"Zum Thema TV-Duell ist alles gesagt", wies Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin den Vorstoß des SPD-Kanzlerkandidaten zurück.

Schulz hatte seine Forderung damit begründet, wichtige Themen seien bei seinem bisher einzigen TV-Duell mit Merkel am 3. September zu kurz gekommen. "Deshalb habe ich Frau Merkel heute einen Brief geschrieben und sie aufgefordert, ein nächstes Duell mit mir zu machen, damit all diese Punkte auch diskutiert werden können", sagte Schulz am Dienstagabend in der ZDF-Sendung "Klartext". In dieser Sendung hatten viele Zuschauer dem SPD-Kanzlerkandidaten Fragen zu sozial- und auch umweltpolitischen Themen gestellt. Schulz äußerte anschließend sein Bedauern, dass er darüber nicht direkt mit Merkel habe diskutieren können.

"Angela Merkel hat gerne an einem TV-Duell teilgenommen", hieß es jedoch auch aus der CDU-Zentrale in Berlin. Das bisherige Format mit nur einem Duell habe sich aber bewährt. "Und dabei belässt sie es", hieß es weiter mit Blick auf Merkel.

SPD-Vize Ralf Stegner nannte die Absage Merkels ein "Armutszeugnis". "Wenn man keine Positionen hat, fällt es eben schwer, diese öffentlich zu vertreten", hielt er der Kanzlerin im "Handelsblatt" vor. ZDF-Sprecher Thomas Hagedorn bekräftigte in der "Saarbrücker Zeitung" (Donnerstag) das Angebot des Senders, ein zweites Duell auszurichten.

Schulz hatte sich von vornherein für mehrere TV-Duelle mit Merkel ausgesprochen, was die Kanzlerin und CDU-Chefin aber stets ablehnte. Nach dem TV-Duell der beiden Spitzenkandidaten am 3. September war kritisiert worden, dass zwar ausgiebig über die Themen Türkei und Flüchtlinge gesprochen wurde, jedoch kaum über zentrale SPD-Themen wie Gesundheit, Bildung und Arbeit.

Linken-Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn forderte statt eines zweiten TV-Duells ein erweitertes Gesprächsformat, bei dem sich Merkel und Schulz beide "der Auseinandersetzung mit den anderen Parteien stellen würden". Nur dann könnten sich die Wähler wirklich ein Bild machen, "wie das Land in ihrem Interesse künftig regiert werden soll", sagte Höhn der Nachrichtenagentur AFP.

In den Meinungsumfragen liegen eineinhalb Wochen vor der Wahl die SPD und Schulz weit hinter der CDU/CSU und Merkel zurück. Dem am Mittwoch veröffentlichten "stern-RTL-Wahltrend" zufolge kann die CDU/CSU derzeit mit 37 Prozent der Stimmen rechnen, die SPD mit 23 Prozent. Für die Union ist das allerdings im "Wahltrend" der niedrigste Wert seit vier Monaten. Bei der Kanzlerpräferenz legten Schulz und Merkel jeweils um einen Prozentpunkt zu. Merkel blieb aber auch hier mit 48 zu 22 Prozent klar in Führung. Die Bundestagswahl findet am 24. September statt.

Auf Twitter wurde Merkel wegen ihres Neins zu einem zweiten TV-Duell von Internet-Nutzern "Feigheit" vorgeworfen. Allerdings gab es auch Stimmen, die sich generell kritisch zu diesem Gesprächsformat äußerten. Auf dem Internetportal change.org unterzeichneten bis Mittwochnachmittag mehr als 25.000 Bürger eine Petition mit der Forderung nach einem zweiten TV-Duell.

Laut dem Mainzer Wahlforscher Thorsten Faas hat Schulz trotz anhaltend schlechter Umfragewerte für die SPD noch eine Chance für den Einzug ins Kanzleramt. "Ob es Martin Schulz vielleicht am Ende gelingt, doch noch eine Ampel-Koalition oder ein Rot-Rot-Grün-Bündnis zu schmieden, wenn es die Mehrheiten zulassen, ist unabhängig von der Frage zu sehen, wer stärkste Kraft wird", sagte der Politik-Professor der Wochenzeitung "Das Parlament" (Ausgabe 18.9.2017)."

Die Rolle der vielen Unentschlossenen ist nach seinen Worten nur schwer einzuschätzen: "Wenn es bestimmten Parteien gelingt, sie mehr als andere zu mobilisieren, kann auf der Zielgeraden noch etwas passieren. Wenn die Unentschlossenen aber am Ende zu Hause bleiben, dann bleibt es eher bei den Umfragen, wie wir sie sehen."

Künstler und Autoren riefen zur Wahl der SPD auf. Mit Schulz könne die "Weiter so"-Politik von Amtsinhaberin Merkel beendet werden, hieß es am Mittwoch in dem von dem deutschen Grafiker Klaus Staeck und dem Autor Johano Strasser initiierten Aufruf. Die rechtspopulistische AfD (Alternative für Deutschland) griff Merkelunterdessen mit einer Website in düsterem Design direkt an. Auf der Website Merkeldieeidbrecherin.com, für die laut Impressum der AfD-Bundesvorstand verantwortlich ist, wird Merkel vorgeworfen, sie habe ihren Amtseid verletzt.

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Artikel nachrichten.at/apa 13. September 2017 - 21:29 Uhr
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