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Hat Syriens Opposition das Massaker in Hula verübt?

DAMASKUS. Bei einem Massaker im syrischen Ort Hula wurden am 25. Mai 108 Zivilisten getötet. Die Schuldigen waren laut der Opposition Assad-Milizen, die „mordend von Haus zu Haus zogen“. Dieser Darstellung haben jedoch zahlreiche Augenzeugen widersprochen, die – unabhängig voneinander – von Reportern diverser internationaler Medien befragt wurden.

Übereinstimmend berichten sie, dass es sich bei den Opfern „nahezu ausschließlich um Familien der alawitischen und schiitischen Minderheit in Hula handelt, dessen Bevölkerung zu mehr als 90 Prozent aus Sunniten besteht. „Es wurden mehrere Dutzend Mitglieder einer Familie abgeschlachtet, die in den vergangenen Jahren vom sunnitischen zum schiitischen Islam übergetreten sind“, berichtet etwa der Nahost-Korrespondent der „FAZ“, Rainer Hermann. Er beruft sich auf „den Einsatz von Gewalt ablehnenden Oppositionellen aus der Region von Homs“.

Die russischen TV-Journalisten Marat Musin und Olga Kulygina erhärten die FAZ-Darstellung: Laut ihren Recherchen zogen die Mörderbanden in Hula nicht von „Haus zu Haus“, sondern gingen „zielgerichtet vor“. Den Nachbarfamilien sei „kein Haar gekrümmt worden“. Getötet wurden „wohlhabende Familien, die für Verräter gehalten wurden, weil sie die Rebellen nicht mit Spenden unterstützten“.

„Männer mit langen Bärten“

Die von der Opposition verbreitete Liste mit den Namen der Toten belegt, dass es sich bei den Opfern vor allem um Mitglieder der Großfamilien Al Sayed und Abdul Rasak handelt. Einer der Söhne der Sayeds, der elfjährige Ali Al-Sayed, überlebte das Massaker, weil er sich tot stellte und seine Kleidung mit dem Blut seiner ermordeten Mutter besudelte. In einem Bericht der Nachrichtenagentur AP beschreibt Ali die Angreifer als „kahl geschorene Männer mit langen Bärten“. Eine Darstellung, die auf radikal-islamistische Rebellen zutrifft.

Auch die vom niederländischen Journalisten Martin Jansen befragte Leitung des nahe Hula gelegenen Klosters Qara hegt Zweifel an der Schuld der Assad-Milizen. Die Ermordeten seien Opfer einer „Kette von Gewalt und Folter“, der vor allem Menschen zum Opfer fallen würden, die sich weigerten, die Rebellen zu unterstützen. (wrase)

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Artikel 12. Juni 2012 - 00:04 Uhr
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