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Griechenland und Deutschland wollen sich wieder besser verstehen

BERLIN. Beim Antrittsbesuch des griechischen Premiers sagte Kanzlerin Merkel aber keine Hilfen zu.

Griechenland und Deutschland wollen sich endlich wieder besser verstehen

Wieder aufeinander zugehen, lautete gestern die Devise von Angela Merkel und Alexis Tsipras bei ihrem Treffen in Berlin. Bild: Reuters

Es war kein normaler Staatsbesuch, der am Montagabend im Berliner Kanzleramt stattfand: Zu Gast bei der deutschen Kanzlerin war der griechische Premier. Alexis Tsipras ist erst nach 57 Tagen im Amt nach Deutschland gekommen, Angela Merkel (CDU) hatte sich zurückgehalten und sich mit der Einladung Zeit gelassen.

Dafür war Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) durchaus undiplomatisch vorangeschritten. Die griechische Regierung belüge ihr Volk, hatte Schäuble gesagt. "Wir sind solidarisch, aber nicht blöd", so sei ihrer Meinung nach die Stimmung in Deutschland, bemerkte die CDU-Politikerin Julia Klöckner. Viele Deutsche lehnen weitere Hilfspakete ab, deutsche Politiker fordern von Griechenland, konkrete Schritte zu nennen, wie man an Geld kommen möchte.

Der Ton zwischen Deutschland und Griechenland müsse dringend entschärft werden, befanden etliche deutsch-griechische Paare und versammelten sich am Montag unter dem Motto "gemeinsames Küssen" küssend und umarmend vor dem Kanzleramt. Drinnen unterhielten sich derweil Merkel und Tsipras über die nächsten Schritte in der Griechenland-Krise.

Beide Teil der EU und der NATO

Auch ihnen liege daran, beteuerten sie in einer Pressekonferenz, freundlich aufeinander zuzugehen. "Die Stereotype müssen beseitigt werden", sagte Tsipras. "Weder sind die Griechen Faulenzer, noch sind die Deutschen schuld für das Übel in Griechenland." Beide Länder – so Merkel – seien Teil der EU und der NATO. Das "Friedenswerk Europa" müsse fortgesetzt werden, gerade jetzt, da man an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren denke. Zusagen für Hilfen könne sie indes nicht machen: Das obliege den EU-Finanzministern in der Euro-Gruppe. Tsipras sagte, das Rettungsprogramm sei bisher "für uns keine Erfolgsgeschichte" gewesen. Es habe "schreckliche Auswirkungen" auf die Volkswirtschaft gehabt, die Zahl der Arbeitslosen sei enorm gestiegen. Aber man könne nicht erwarten, dass er nach Deutschland komme, um die Kanzlerin darum zu bitten, die griechischen Renten und Gehälter zu bezahlen.

Nach 8. April wird es kritisch

Laut EU-Kommission reicht das Geld der Griechen bis 8. April, danach werde es "kritisch". Dann müsse Griechenland 467 Millionen Euro an den Währungsfonds (IWF) zurückzahlen. Mitte April müssten außerdem Mittel vorliegen, um kurzfristige Staatsanleihen im Wert von 2,4 Milliarden Euro zu refinanzieren.

Man wolle "große Strukturreformen" verwirklichen, sagte Tsipras. Korruption und Steuerflucht sollen bekämpft werden, und "diejenigen, die bislang ihren Beitrag nicht geleistet haben, sollen für die Krise bezahlen." Nach dem Pressegespräch setzten die beiden ihr Gespräch fort, man wolle noch "tiefer" gehen, sagte Merkel.

Tsipras lud Merkel ein

Alexis Tsipras hat Angela Merkel eingeladen, Griechenland zu besuchen. Dies sagte der Sprecher der Regierung, Gabriel Sakellaridis, am Dienstag im griechischen Fernsehen. "Ja, Tsipras hat die Bundeskanzlerin eingeladen", so der Sprecher. Ein Datum für den Besuch nannte er nicht.

Bei den Gesprächen am Vorabend in Berlin habe Tsipras Merkel keine genaue Liste der geplanten griechischen Reformen vorgelegt. Alle Themen seien aber angesprochen worden, hieß es. Die Liste der Maßnahmen werde in den nächsten Tagen fertig sein. Sie werde keine Maßnahmen beinhalten, die den Bürger finanziell belasten werden, hieß es.

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Artikel Christine Zeiner, Berlin 24. März 2015 - 00:05 Uhr
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