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Gipfel des Luxus

MOSKAU. Russland veranstaltet den teuersten APEC-Gipfel aller Zeiten. Aber wirtschaftlich hat es seinen Partnern nur wenig zu bieten.

APEC-Gipfel in Moskau

APEC-Gipfel in Russland Bild: Reuters

Die Speisekarte entzückt auch die verwöhnten Journalisten des Moskauer Kremlpools. Im Restaurant des Pressezentrums schwelgen sie in Pfeffermortadella, Pferdewurst, geräucherter Ränke, Schweinefleisch mit Roquefort-Sauce, Krabben, Lammkoteletts und Ketalachs-Suppe. Kostenlos - Russlands Fiskus lässt sich die Verpflegung des gestern eröffneten Gipfels der „Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftlichen Zusammenarbeit“ (kurz APEC) umgerechnet über 8,8 Millionen Euro (über 10,5 Franken) kosten.

Insgesamt hat Russland über 20 Milliarden Dollar in die Veranstaltung  gesteckt, einsamer Rekord seit dem 1. APEC-Gipfel in Canberra 1989. Die eigens gebaute Brücke vom Festland zum Tagungsgelände auf der Pazifikinsel Russki gehört mit 1104 Metern zu den 5 größten Brücken der Welt. Und das Plenum beklatsche herzlich die Worte Wladimir Putins in seiner Eröffnungsrede: „Wir alle brauchen heute neue wirtschaftliche Ansätze, neue wirtschaftliche Entwicklungsmodelle“.

Aber kaum jemand erwartet, dass Gastgeber Russland den 20 anderen APEC Mitgliedsstaaten wirklich etwas Neues anbietet.

Vor dem Gipfel haben russische Offizielle 4 Hauptthemen ausgerufen: Liberalisierung von Handel und Investitionen, Stärkung der Lebensmittelsicherheit, Entwicklung von Transport und Logistik sowie die Erleichterung des innovativen Austauschs.

Aber wie die Zeitschrift Kommersant Wlast schreibt, glaubt niemand, dass in Wladiwostok konkrete Handelserleichterungen vereinbart werden. Russland habe sich dieses traditionelle APEC-Ziel nur pro forma auf die Fahnen geschrieben, tatsächlich aber bisher kein einziges Freihandelsabkommen mit einem der anderen Mitgliedsstaaten abgeschlossen.

Was Zusammenarbeit im Ernährungsbereich angeht, schlägt das russische Wirtschaftsministerium vor, anderen Pazifikstaaten ostsibirisches Ackerland zu verpachten, das zu Zeit nur zu 50% genützt wird. Aber Viktor Ischajew, Minister für die Entwicklung des russischen Fernen Ostens, erklärte, auch diese Idee werde auf dem Gipfel nicht aktuell sein: Vor allem an chinesische Betriebe verpachteter Boden sei von diesen zu heftig ausgelaugt worden.

Die Idee technologischen Austausches aber droht an mangelndem russischem Angebot zu scheitern. So schreibt die Zeitschrift Ogonjok, Russland habe heute insgesamt weniger internationale Patente angemeldet als die Firma Samsung. Und China investiere 40mal soviel in neue Technologien wie Russland.

Bleiben Transport und Logistik. Auf dem Gipfel stellt Russland über 20 Infrastrukturprojekte mit Gesamtkosten von über 400 Milliarden Dollar zur Diskussion. So will man die Transsibirische Eisenbahn ebenso wie die parallel gelegene Baikal-Amur-Linie ausbauen, dazu den Seeweg von Europa durchs Nordmeer in den Pazifik. Und man plant eine neue Gaspipeline nach Südkorea, sogar einen Tunnel unter der Beringstraße nach Alaska.

Aber auch die vaterländische Fachwelt zweifelt an Russland als Transportbrücke zwischen Europa, Asien und Alaska. Laut Kommersant Wlast dauert eine Zollkontrolle in Russland 3 bis 4 Tage und kostet 500 Dollar. In Singapur dagegen einen Tag und 3 Dollar. Nach Ansicht der Spezialisten schwächen Bürokratie und Korruption auch andere russische Branchen. „Junge Chinesen haben die Möglichkeit, ihren Betrieb zu gründen, ohne Beamten Pressgeld zahlen zu müssen“, sagt der italienische Asien-Experte Guiseppe D’Amato unserer Zeitung. „Aber wenn in Russland ein neuer Bill Gates zur Welt käme, hätte er keine Chance, sein Microsoft aufzubauen.“

Russland ist bis auf weiteres zum Rohstofflieferanten auch für Asien geworden. Bezeichnenderweise war der erste große Deal des Gipfels die 200 Millionen Dollar, die ein russisch-chinesischer Investmentfond in ostsibirische Sägewerke investiert. „Ansonsten bleibt Russland in Wladiwostok nur, seinen APEC-Partnern die Nationalidee seiner herrschenden Klasse anzubieten – Luxus“, spottet der Publizist Wladislaw Inosemzow. Außer schon vorher verabredeten Gas- und Ölgeschäften wird der Gipfel bis zum 9 Millionen Dollar teuren Schlussfeuerwerk am Sonntag kaum  wirtschaftliche Schlagzeilen machen.

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Artikel Stefan Scholl 07. September 2012 - 16:43 Uhr
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