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Erste Spitäler in Spanien schließen: Geld für Gesundheitssystem fehlt

MADRID. Die spanische Wirtschaftskrise hat nun auch das staatliche Gesundheitssystem erreicht. Erste Krankenhäuser wurden bereits geschlossen. Gewerkschaften befürchten, dass es nach dem Sommer zu Massenentlassungen beim Krankenhauspersonal kommt.

Erste Spitäler in Spanien schließen Geld für Gesundheitssystem fehlt

Das Gesundheitssystem ist unfinanzierbar geworden. Bild: epa

Cecilia kann es nicht fassen. Seit ihrem Hüftbruch kann sie sich nur mit Krücken bewegen. Die 65-jährige Katalanin aus Barcelona schafft es nur unter Anstrengung zum nächsten Gesundheitszentrum, dem Hospital Dos de Maig, wo sie wöchentlich zur Therapie muss. Seit Ende Juli aber sind die Krankenhaustüren verschlossen. Sie muss nun in ein drei Kilometer weiter entferntes Hospital.

Der Grund für die Schließung ist die spanische Wirtschaftskrise, die nun auch das staatliche Gesundheitssystem erreicht hat. Vor allem die hoch verschuldeten Regionalregierungen müssen dringend sparen. Sogar Spaniens reichste Region Katalonien muss insgesamt sieben Milliarden Euro Schulden abbauen und setzt nun den Rotstift bei den Krankenhäusern an.

Seit Ende Juli sind zehn Prozent der gesamten Gesundheitszentren in der Region den Sommer über komplett geschlossen. Weitere 20 Prozent werden nur noch vormittags Patienten behandeln. Auch die Zahl der Krankenhausbetten wird um 25 Prozent reduziert. Die Gewerkschaften befürchten, dass die meisten der vorübergehend geschlossenen Gesundheitszentren nicht wieder öffnen werden. „Die Provinzregierung (Generalitat) will in Zukunft generell auf 50 Prozent der Gesundheitszentren verzichten“, sagt Gewerkschafter Carme Navarro.

Mit den Folgen der Rotstiftpolitik im Gesundheitswesen werden aber nicht nur die Katalanen zu kämpfen haben. Spaniens Regionen schulden Pharmaunternehmen im öffentlichen Gesundheitsbereich bereits zwölf Milliarden Euro. Schon jetzt ist klar, dass nur wenige der 17 Regionalregierungen die für dieses Jahr vorgegebene Defizitgrenze von 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes einhalten können. Doch nur so kann Spanien das mit Brüssel abgesprochene Ziel erreichen, das Haushaltsdefizit auf sechs Prozent zu senken. Die Regionen müssen also sparen und sie fangen da an, wo mit durchschnittlich 40 Prozent am meisten Kosten entstehen – im öffentlichen Gesundheitsbereich.

 

Einsparungen: Zu wenig Geld für die Patienten

• Großbritannien: Das schuldengeplagte Land muss im staatlichen Gesundheitssystem NHS in den nächsten vier Jahren 20 Milliarden Pfund (rund 22,8 Milliarden Euro) einsparen. Dementsprechend dramatisch sind die Einschnitte: Gelenkersatz wird nur noch bei chronischen Schmerzen gewährt. Übergewichtige Patienten werden nur operiert, wenn sie vorher abgenommen haben. Der sogenannte Graue Star wird nur noch operativ bekämpft, wenn die Patienten so schlecht sehen, dass ihre Arbeitsfähigkeit massiv beeinträchtigt ist. Selbst bei den vergleichsweise billigen Mandeloperationen wird gespart: So müssen Kinder mehr als sieben Mandelentzündungen durchleiden, bevor sie auf Kassenkosten operiert werden.

• Italien: Die Italiener spüren die Einsparungen schon seit Monatsbeginn: Für jede Arzt- und Laboruntersuchung müssen sie ab August eine Gebühr von zehn Euro zahlen. Wer in nicht dringenden Fällen eine Notfallambulanz ruft, wird sogar mit 25 Euro zur Kasse gebeten.

• Griechenland müsste in diesem Jahr allein im Gesundheitswesen Kürzungen von rund 2,1 Milliarden Euro vornehmen.

• Deutschland: Weil die deutsche Regierung in den letzten Jahren unter anderem die Honorare für Ärzte laufend gekürzt hat, gibt es einen Ärztemangel. Nur dank Fachärzten aus dem Ausland kann der Spitalsbetrieb aufrechterhalten werden
.     (hei)


 

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Artikel OÖN 10. August 2011 - 00:04 Uhr
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