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Erdogan droht mit Eingreifen im Syrien-Krieg

ANKARA / DAMASKUS. Türkischer Staatspräsident: "Irgendwann werden wir die Geduld verlieren – und gezwungen sein, aktiv zu werden".

Erdogan

Bild: Reuters

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat wieder einmal zu einem verbalen Rundumschlag ausgeholt: In seiner Rede vor einem Jungunternehmer-Verband in Ankara drohte das streitbare Staatsoberhaupt gestern mit einem Eingreifen in den seit fünf Jahren tobenden Syrien-Krieg: "Irgendwann werden wir die Geduld verlieren." Dann werde die Türkei gezwungen sein, aktiv zu werden.

Zugleich warf Erdogan dem Iran vor, indirekt an "gnadenlosen Massakern" beteiligt zu sein. Und die Vereinten Nationen müssten mehr tun, um eine "ethnische Säuberung" in Syrien zu verhindern,

Als sich Erdogan so richtig in Rage geredet hatte, drohte er noch damit, syrische Flüchtlinge massenweise in andere Länder zu schicken: "Die Flüchtlinge könnten in jene Länder geschickt werden, aus denen derzeit gute Ratschläge zur Öffnung der Grenze wegen der Lage in der syrischen Stadt Aleppo kommen."

Zuletzt hatten die UNO und mehrere Länder an die Türkei appelliert, die Grenze am Übergang Öncüpinar, 60 Kilometer nördlich von Aleppo, zu öffnen und zehntausende syrische Flüchtlinge ins Land zu lassen. Dazu sagte Erdogan: "Es gibt einige Länder, die nur ein paar hundert Flüchtlinge aufgenommen haben. Die Türkei dagegen gewährt 2,5 Millionen Syrern Zuflucht. Tut mir leid, aber wir haben kein Schild mit der Aufschrift ‘Dummkopf’ auf unserer Stirn."

Bereits 470.000 Tote in Syrien

Laut einer aktuellen Studie sind im syrischen Bürgerkrieg bereits deutlich mehr Menschen ums Leben gekommen als bisher angenommen. Insgesamt seien dem Konflikt bisher 470.000 Syrer zum Opfer gefallen, berichtete die britische Zeitung "Guardian" gestern unter Berufung auf das "Syrische Zentrum für Politikforschung".

Demnach sind 400.000 bei Kampfhandlungen getötet worden. Weitere 70.000 Menschen seien gestorben, weil es etwa an sauberem Wasser, Lebensmitteln oder medizinischer Versorgung gefehlt habe. Der Studie zufolge sank die Lebenserwartung von 70 im Jahr 2010 auf zuletzt 55,4 Jahre.

Vorschlag für Waffenruhe

Bei der Münchener Sicherheitskonferenz hat Russland gestern "ziemlich konkrete Vorschläge für eine Waffenruhe" unterbreitet, sagte Außenminister Sergej Lawrow. Die Debatten über Syrien dürften die heute beginnende Tagung in der bayerischen Landeshauptstadt dominieren.

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Artikel OÖN 12. Februar 2016 - 00:04 Uhr
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