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"Eine Familie zu gründen, ist schlicht zu teuer"

LINZ. Katerina Notopoulou, Psychologin und "Syriza"-Aktivistin, erzählt über das beschwerliche Leben von Jugendlichen in Griechenland.

"Eine Familie zu gründen, ist unmöglich – es wäre schlicht zu teuer"

Katerina Notopoulou Bild: OÖN

Unzählige Griechen kämpfen seit Beginn der Krise 2010 ums tägliche Überleben, drei Millionen Menschen stehen aktuell ohne Sozialversicherung da, weil sie länger als ein Jahr arbeitslos sind – darunter sehr viele junge Griechen, beträgt doch die Arbeitslosenrate in dieser Altersgruppe 60 Prozent.

Eine von ihnen ist die Psychologin Katerina Notopoulou. Die 26 Jahre alte Aktivistin der Regierungspartei "Syriza" erzählt im OÖN-Gespräch, dass tausende gut ausgebildete Jugendliche mangels Perspektive bereits das Land verlassen haben: "Fast alle meiner Studienkollegen sind ausgewandert. Ich habe auch darüber nachgedacht, wegzugehen. Aber: Mittlerweile kann ich nicht mehr gehen, da ich so stark engagiert bin im Kampf gegen die allgegenwärtige Krise. Und wir haben in Griechenland viel zu tun."

Optimismus nach der Wahl

Auf die Frage, ob der tägliche Kampf nicht müde mache, antwortet Notopoulou: "Wir durchleben harte Zeiten. Aber die Krise hat auch unseren Zusammenhalt gestärkt, Solidarität ist stark ausgeprägt. Wir helfen uns gegenseitig – nur so kommen wir über die Runden." Auch wenn sie mitunter schon müde sei, gebe ihr die gegenseitige Unterstützung Kraft: "Dieser Zusammenhalt hilft mir, nicht depressiv zu werden."

Zudem habe sich seit der Parlamentswahl im Jänner, die die Linkspartei Syriza gewonnen hat, einiges geändert: "Seit der Wahl fühlen sich die Griechen freier", sagt Notopoulou. "Wenn man in ihre Gesichter schaut, sieht man endlich wieder ein Lächeln. Und die Griechen spüren, dass sich die Politik spürbar verändert hat. Dass sie ehrlicher geworden ist."

Die Krise hat das Leben vieler Jugendlicher und auch jenes von Katerina Notopoulou gravierend verändert: "Eine Familie zu gründen ist derzeit unmöglich – es wäre schlicht zu teuer." Auch Urlaube oder Restaurantbesuche seien undenkbar.

Zahl der Abtreibungen gestiegen

Dramatisch hat sich die Situation in Griechenland auf das Gesundheitssystem ausgewirkt: "Manche sterben, weil sie sich Behandlung oder Medikamente nicht mehr leisten können", sagt Notopoulou. Eine Krebsbehandlung koste für all jene ohne Versicherung 3000 Euro im Monat, eine Ordination bei Grippe rund 50 Euro.

Signifikant gestiegen sei in den vergangenen vier Jahren die Zahl der Abtreibungen, erzählt die Psychologin: "Erstens haben die Menschen kein Geld mehr für Verhütungsmittel. Und für viele Unversicherte ist eine Geburt unleistbar." Eine Entbindung koste 900 Euro, ein Kaiserschnitt 1300 Euro.

Die Folge sei, dass sich viele (insbesondere junge) Frauen zum Schwangerschaftsabbruch gezwungen sehen würden, sagt Notopoulou. "Da aber für viele selbst die 300 Euro für eine Abtreibung zu teuer sind, lassen es die Frauen ,schwarz’ machen."

Um zumindest die ärgsten Missstände zu beseitigen, wurde in Notopoulous Heimatstadt Thessaloniki die "Klinik der Solidarität" ins Leben gerufen. In diesem Mini-Ärztezentrum, in dem sich neben der jungen Psychologin weitere rund 300 Ärzte, Dentisten und Pfleger ehrenamtlich engagieren, werden pro Tag mehr als 100 Patienten gratis behandelt. Medikamente werden kostenlos ausgegeben.

Katerina Notopoulou war auf Einladung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes in Oberösterreich. "weltumspannend arbeiten", der entwicklungspolitische Verein des ÖGB, unterstützt die "Klinik der Solidarität" in Thessaloniki.

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Artikel Clemens Schuhmann 01. April 2015 - 00:04 Uhr
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