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"Das ist eine neue Qualität des US-Engagements"

WIEN. Militärstratege Walter Feichtinger im OÖN-Interview über den Schlag gegen einen Luftwaffenstützpunkt in Syrien.

"Das ist eine neue Qualität des US-Engagements"

Stratege Walter Feichtinger Bild: Wikipedia

Der Luftangriff der USA auf einen Stützpunkt der Luftwaffe von Diktator Bashar al-Assad hat dem Konflikt in Syrien eine neue Qualität gegeben. Das sagte Brigadier Walter Feichtinger, der Militärstratege des Bundesheeres im OÖNachrichten-Interview.

 

OÖN: Wie beurteilen Sie die neue Lage in diesem Konflikt?

Walter Feichtinger: Dieser Schlag ist sicher zu wenig, um die Situation total zu verändern. Trump hat damit allerdings das gemacht, was Obama angekündigt hatte. Also zuzuschlagen, wenn die rote Linie Giftgasangriff überschritten ist. Er hat damit bewiesen, dass die USA können, wenn sie wollen. Allerdings rudern sie jetzt schon wieder zurück, indem sie sagen, es war ein einmaliger Schlag, es wird kein militärisches Engagement geben.

Aber engagieren sich die USA nicht ohnedies bereits seit einiger Zeit in Syrien?

Ja, sie sind etwa mit 1000 Mann im Einsatz, um den Kurden im Norden des Landes zu helfen. Auch mit Luftschlägen gibt es das Engagement als Anführer im Kampf gegen den IS. Allerdings hat dieser Schlag jetzt eine neue Qualität des Engagements gezeigt.

Könnte noch mehr kommen?

Dahinter ist ein Fragezeichen zu setzen. Denn die USA haben ja bereits angekündigt, dass es ein einmaliger Schlag war. Aber, damit wurde sicherlich eine Wendung herbeigeführt.

Der Angriff wurde mit Marschflugkörpern durchgeführt, abgefeuert von einem Schiff im Mittelmeer. Könnte es auch Angriffe der USA mit Flugzeugen geben?

Das schließe ich in absehbarer Zeit aus. Denn ein Einsatz von Flugzeugen birgt große Gefahren eines Konfliktes mit Russland.

Wäre es nicht sinnvoller, eine politische Verständigung anzustreben – den Krieg scheint doch keiner gewinnen zu können?

Das stimmt. Es ging ja schon in die Richtung einer politischen Verständigung. Es gab entsprechende Versuche, auch wurden schon Einflusszonen abgesteckt. Also, jene der USA im Kurdengebiet, jene Russlands im Assad-Gebiet. Der Luftschlag kommt jetzt diesem Postkriegsszenario in die Quere.

Werden die USA in nächster Zeit zumindest ihre Unterstützung für die Assad-Gegner forcieren?

Die Unterstützung gibt es bereits für die Kurden und die Syrian Democratic Forces – auch mit Waffen. Die Rebellen im Gebiet Idlib sind aber als Islamisten eingestuft. Für diese wird es sicher keine Unterstützung durch die USA geben.

Zurück zum eigentlichen Anlass für den Luftschlag. Wer war denn verantwortlich für den Giftgasangriff: Assad, oder gibt es zumindest eine Mitschuld der Rebellen, wie diesen unterstellt wird?

Das sind alles Unterstellungen, ich bin da sehr vorsichtig. Im Krieg und insbesondere in diesem ist alles möglich. Auch, dass die eine Seite der anderen etwas unterschieben will, um sich selber Vorteile zu verschaffen. Beweise gibt es jedenfalls in diesem Fall in keine Richtung.

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Artikel Eike-Clemens Kullmann 08. April 2017 - 00:04 Uhr
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