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1300 Konzernchefs warnen die Briten vor dem Austritt

LONDON. Jeder Haushalt in Großbritannien würde nach Regierungsschätzung rund 5400 Euro verlieren.

Einen Tag vor dem Referendum in Großbritannien warnten gestern die Chefs von fast 1300 Unternehmen die Briten vor einem Austritt aus der EU. Ein Austritt aus der EU könnte einen "ökonomischen Schock" auslösen, den vor allem kleinere Unternehmen und deren Beschäftigte zu spüren bekämen, schrieben die Konzernchefs in einem offenen Brief in der "Times". Zu den Unterzeichnern zählten unter anderen Virgin-Boss Richard Branson und der US-Medienmogul Michael Bloomberg.

In der Zeitung "The Sun" hatten dagegen am Dienstag hundert Chefs von kleineren Unternehmen für einen Austritt geworben. "Wir glauben, dass viele Ideale der EU nicht im besten Interesse für britische Unternehmen oder das britische Volk sind", schrieben sie in ihrem offenen Brief. Kleinere und mittlere Unternehmen würden "ständig mit unnötigen EU-Regulierungen und Bürokratie" konfrontiert.

"EU hat Handlungsbedarf"

Der österreichische Ökonom Kurt Bayer sieht auf jeden Fall Handlungsbedarf für die EU, egal wie das heutige Referendum ausgeht. Wenn die Briten tatsächlich ausschieden, werde die Union die nächsten zwei Jahre mit dem Austritt und der Neugestaltung der Beziehungen zu Großbritannien beschäftigt sein.

Sollten die Briten doch bleiben, müsse sich die EU angesichts der überall gestiegenen Europa-Skepsis auch etwas überlegen. Bayer ist Berater des Wifo und des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) und war als Direktor der Osteuropa-Bank EBRD von 2008 bis 2012 in London.

Ein Austritt würde den Briten relativ viel an Wirtschaftskraft kosten. Die Schätzungen gehen aber weit auseinander, sagt Bayer. Die Regierung habe die Kosten auf 4300 Pfund (rund 5460 Euro) pro Haushalt geschätzt. Diese Schätzungen seien aber ungenau, weil niemand wisse, wie das künftige Verhältnis Großbritanniens zur EU sein werde.

Kritik übt Bayer aber an den Austritts-Befürwortern, die gerne die Beispiele Schweiz und Norwegen für erfolgreiches Wirtschaften außerhalb der EU vorbringen. "Die EU-Gegner verschweigen, dass die Schweiz und Norwegen massiv ins EU-Budget hineinzahlen müssen, um am Binnenmarkt teilnehmen zu können, ohne dass sie dabei auch mitbestimmen können", sagt Bayer.

"Die Engländer haben seit ihrem Beitritt massiv von der EU profitiert", sagt Bayer. Beim Beitritt 1973 seien die Briten "der kranke Mann Europas" gewesen. Seitdem sei die britische Wirtschaft über dem EU-Durchschnitt gewachsen. Derzeit zahlen die Briten neun Milliarden Euro an die EU, und bekommen "mindestens die Hälfte" wieder zurück.

Grafik: Schwergewicht in der EU



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Artikel 23. Juni 2016 - 00:04 Uhr
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