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Tag der Befreiung: Der Ost-West-Unterschied

Warum Westeuropäer am 8. Mai, die Russen aber erst am 9. Mai das Kriegsende in Europa feiern.

Tag der Befreiung: Der Ost-West-Unterschied

Wehrmachts-Chef Keitel: Unterschrift kurz nach Mitternacht (National Archives) Bild:

Ob am Heldenplatz in Wien oder im Musiktheater in Linz: Heute wird gefeiert und gedacht – des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa vor 70 Jahren. Der 8. Mai ist in Westeuropa der Gedenktag an die Befreiung des Kontinents vom Nazi-Terror.

Nicht so in Russland: Dort wird einen Tag später gefeiert. Der 9. Mai – der "Tag des Sieges" – ist einer der wichtigsten Feiertage des Landes, Militärparade inklusive.

8. Mai oder 9. Mai – wer hat recht? Das ist eine Interpretationsfrage. Es dreht sich dabei um die Frage einer Stunde.

Die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht hatte Generaloberst Alfred Jodl ja schon am 7. Mai in Reims unterzeichnet. Darin stand: Die Kapitulation werde am 8. Mai, Punkt 23.01 Uhr Mitteleuropäischer Zeit, in Kraft treten. De facto tat sie das auch, Kampfhandlungen gab es da bis auf ganz wenige Ausnahmen längst keine mehr.

Doppelt hält besser

Weil die Alliierten aber auch die Unterschrift des Wehrmachts-Oberkommandierenden Wilhelm Keitel haben wollten (um "Dolchstoßlegenden" wie nach dem Ersten Weltkrieg vorzubeugen), sollte das in Reims unterfertigte Dokument am 8. Mai um 23 Uhr in Berlin noch ratifiziert werden.

Es gab technische Probleme bei der Übermittlung der russischen Übersetzung – kurzum: Die deutsche Delegation unterzeichnete erst um 0.15 Uhr. Josef Stalin ließ die Nachricht von der deutschen Kapitulation auch erst am 9. Mai in seinem Herrschaftsgebiet verbreiten. Weshalb Russland und weite Teile Osteuropas seither am 9. Mai feiern. Der bald einsetzende Kalte Krieg zwischen Ost und West zementierte die unterschiedlichen Feierdaten ein.

Japan kämpft weiter

Ob 8. oder 9. Mai: Eines steht fest – in Europa war der Zweite Weltkrieg definitiv zu Ende. Nicht so im Fernen Osten: Da kämpften die im Weltkrieg mit NS-Deutschland verbündeten Japaner weiter gegen die Alliierten – bis August 1945.

Anfang August kam es zu den ersten und bisher einzigen Atombomben-Einsätzen in einem Krieg: Am 6. August warfen US-Bomber über Hiroshima, am 9. August über Nagasaki ihre tödliche Nuklearfracht ab. Rund 90.000 Menschen waren sofort tot, bis Jahresende 1945 starben 130.000 Menschen an den Folgen - spätere Opfer sind hier nicht inkludiert.

Am 15. August 1945 erteilte der japanische Kaiser Hirohito all seinen Streitkräften via Radioansprache den Befehl, das Feuer einzustellen. Am 2. September unterzeichneten die Japaner formell ihre Kapitulationserklärung – der Zweite Weltkrieg war nun auf der ganzen Welt offiziell beendet.

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Artikel Markus Staudinger 08. Mai 2015 - 00:04 Uhr
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