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Porsche, Panzer und eine sehr tapfere Frau

Im Nibelungenwerk in St. Valentin liefen Panzer für die Nazis vom Band – bis in den April 1945.

Porsche, Panzer und eine sehr tapfere Frau

Widerstandskämpferin Strasser bei einer Ehrung im Jahr 1999 Bild: (fuka)

Am 23. April 1945 stand das Werk still. Tags zuvor war die Produktion im Nibelungenwerk von St. Valentin eingestellt worden. Schon im März hatte ein Bombenangriff das Panzer-Montagewerk schwer beschädigt.

Es war das größte und modernste Panzerwerk des Deutschen Reiches: Als die Nationalsozialisten im März 1938 in Österreich einmarschiert waren, gab es im Herzograder Wald davon noch keine Spur. Die Planungen für eine Rüstungsfabrik begannen aber alsbald. "OKH Spielwarenfabrik" lautete zunächst der Tarnname.

Ende 1941 lief die serielle Panzerfertigung an. Teile der Panzer (Wannen, Türme, Kettenglieder) lieferten die "Hermann-Göring-Werke" in Linz – die spätere voest. Vor allem die Panzertype IV lief in St. Valentin vom Band.

Der P-Tiger, der nicht taugte

Auch der von VW-Käfer-Erfinder Ferdinand Porsche – regelmäßig zu Gast in St. Valentin – entwickelte "Porsche-Tiger" sollte hier gefertigt werden. Als Panzerkonstrukteur taugte Porsche aber wenig, wie der St. Valentiner Geschichtsforscher Michael Winninger in seinem Buch "Das Nibelungenwerk" darlegt: "Vom Porsche-Tiger wurden nur zehn Stück gefertigt." Bei dem Kettenfahrzeug soll die Treibstoffzufuhr gestreikt haben.

Ende 1944 belief sich die Zahl der Arbeiter im Nibelungenwerk auf 8400, darunter viele Zwangsarbeiter. 1500 Häftlinge des KZ Mauthausen waren in einem Außenlager auf dem Gelände untergebracht. Auch sie wurden zur Zwangsarbeit herangezogen.

Eine der Arbeiterinnen aus St. Valentin war Anna Strasser. Sie versorgte KZ-Häftlinge heimlich mit Medikamenten. Die 23-Jährige flog auf, wurde im Herbst 1944 von der Gestapo verhaftet. Schwer an Typhus erkrankt, erlebte sie das Kriegsende im "Arbeitserziehungslager" in Oberlanzendorf (NÖ). Sie kehrte nach St. Valentin zurück.

Nach der tapferen Frau, die im Mai 2010 im Alter von 89 Jahren starb, ist der Platz beim St. Valentiner KZ-Mahnmal benannt.

Nach dem Krieg besetzten die Sowjets das Werk, demontierten die Maschinen. Als sie 1955 abzogen, übernahm die Republik Österreich das Gelände. Das einstige Nibelungenwerk wurde in die Steyr-Daimler-Puch AG eingegliedert. Zu Beginn wurden Motoren erzeugt. Ab 1974 war die gesamte Traktormontage des Konzerns in St. Valentin.

Auch heute noch werden im einstigen Nibelungenwerk Traktoren erzeugt: Der Landmaschinenhersteller CNH Global (Marken New Holland, Case IH und Steyr) hat seinen Europasitz in St. Valentin.

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Artikel Markus Staudinger 23. April 2015 - 00:04 Uhr
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