Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Samstag, 18. November 2017, 11:14 Uhr

Linz: 3°C Ort wählen »
 
Samstag, 18. November 2017, 11:14 Uhr mehr Wetter »
Startseite  > Politik  > 70 Jahre 2. Weltkrieg

In Wien wird Anfang Mai wieder geschossen ...

...auf dem Fußballplatz: Das erste Spiel nach der Befreiung bestreiten Vienna und der Sportklub.

In Wien wird Anfang Mai wieder geschossen ...

6. Dezember 1945: Das erste Länderspiel in Wien, gegen Frankreich Bild: APA

Während in Oberösterreich der Krieg Anfang Mai offiziell noch nicht beendet war, begannen im bereits befreiten Wien wieder zarte Ansätze eines normalen Lebens – und dazu gehörte auch der Fußball. Am 6. Mai 1945 kam es zum ersten Match zweier Teams aus der damals höchsten österreichischen Leistungsstufe: Der Wiener Sportklub traf auf die Vienna. Die Vienna siegte 3:2.

Vieles ist von diesem Match nicht überliefert, denn natürlich waren die alltäglichen Sorgen noch zu gewaltig, um einem Fußballmatch große Bedeutung zu schenken. Die letzte laufende Meisterschaft unter dem Nazi-Regime war in den letzten Kriegsmonaten immer wieder unter- und schließlich abgebrochen worden.
„Befreiungs-Pokal“

Statt einer Meisterschaft wurde in Wien ab 10. Juni ein „Befreiungs-Pokal“ ausgespielt – und diese Spiele lockten nun auch erstmals wieder viele Zuschauer auf die Fußball-Plätze. Am 1. Juli kamen 16.000 nach Hütteldorf, um sich die beiden Semifinal-Partien anzusehen: Die Vienna schlug die Wiener Austria 4:3, Rapid unterlag Helfort mit 1:5. Im Finale eine Woche später gewann die Vienna 3:1 gegen Helfort, vor 17.000 Zuschauern.
Für die Vienna, eine dominierende Kraft im heimischen Fußball während der ersten Hälfte der 40er-Jahre, war es für lange Zeit der letzte große Erfolg.

1943/44 gewannen die Blau-Gelben aus dem Wiener Bezirk Döbling die Meisterschaft in der damaligen Ostmark, auch in der gesamtdeutschen Meisterschaft waren sie eine Fixgröße: 1942 erreichten sie das Finale, das sie gegen Schalke 04 verloren. Ein Jahr später stießen sie ins Halbfinale vor. 1943 errang die Vienna dazu den deutschen Pokal nach einem 6:2 im Halbfinale gegen Schalke und einem Finalsieg gegen den LSV Hamburg.

Warum war die Vienna in diesen Jahren so erfolgreich? Alexander Juraske beschreibt im Buch „Fußball unterm Hakenkreuz in der Ostmark“ (2014) das Vienna-Erfolgsgeheimnis: Es war das Klubmitglied Curt Reinisch, der damals Sachbearbeiter in der Sanitätsabteilung Wien war. In dieser Funktion war Reinisch auch für die Wiener Lazarette zuständig. Das nutzte er, um Spieler vor Fronteinsätzen zu bewahren oder diese aufzuschieben.

In der ersten Meisterschaft nach dem Krieg, die im September 1945 begann, war dieser Vorteil nicht mehr gegeben. Die Vienna belegte Platz fünf, Meister wurde Rapid. Heute spielt der „First Vienna Football Club 1894“, Österreichs ältester Fußballklub, in der Regionalliga Ost.

Nur rund drei Monate nach Kriegsende bestritt Österreichs Fußball-Nationalteam auch wieder ein erstes Ländermatch: Am 19. August unterlag man in Budapest Ungarn mit 0:2. Am 6. Dezember 1945 kam es dann zum ersten Länderspiel in Wien: Frankreich wurde 4:1 besiegt.

 

Das geschah am 6. Mai 1945

Wien: Im Wiener Stadttheater tritt erstmals das Rotarmisten-Ensemble der 3. Ukrainischen Front vor österreichischem Publikum auf. Auf dem Programm stehen „sowjetische Volkslieder und
österreichische Weisen“.

Berchtesgaden: Reichsmarschall Hermann Göring versucht vergeblich, von Berchtesgaden aus mit dem Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa, General Dwight D. Eisenhower, Kapitulationsverhandlungen aufzunehmen. Am selben Tag wird der Reichsführer SS Heinrich Himmler vom neuen Reichspräsidenten, Großadmiral Karl Dönitz, aus all seinen Ämtern entlassen.

Breslau: Die letzten deutschen Truppen der zur Festung erklärten schlesischen Stadt Breslau kapitulieren vor Einheiten der Roten Armee.

 

Kommentare anzeigen »
Artikel Wolfgang Braun 06. Mai 2015 - 00:04 Uhr
Weitere Themen

"Es gibt keine Mauthausen-Besuchspille"

Ein Gespräch über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Mauthausen Memorials mit Willi Mernyi, ...

Maifeiern in Wien und banges Warten in Linz

Nach zwölf Jahren kann die SPÖ 1945 in Wien wieder den 1. Mai feiern – in Linz dauert es noch.

"Ihr habt mich befreit, aber was soll ich mit meinem Leben machen?"

Simon Wiesenthals Kampf gegen das Vergessen begann in Linz.

Als Babys in Mauthausen

Ein Buch erzählt die Geschichte von drei KZ-Babys und ihrer Mütter

"Meine Gedanken kreisten die ganze Zeit um Brot"

Pal Ferenczi aus Ungarn überlebte Mauthausen auch deshalb, weil er Damenschneider war.
Meistgelesene Artikel   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS
Bitte Javascript aktivieren!